Osnabrück Wohnen, pflegen, operieren: Das wird aus der Klinik am Natruper Holz in Osnabrück
Was wird aus der Klinik am Natruper Holz in Osnabrück? Der Niels-Stensen-Klinikverbund verhandelt mit einem potenziellen Käufer. Die Aussichten, dass sich in diesem Jahr Entscheidendes tut, scheinen gut.
Vor einem Jahr hat der katholische Niels-Stensen-Klinikverbund teilweise das Haus am Natruper Holz verlassen und Abteilungen ans Marienhospital (MHO) verlagert. Teile der ehemaligen Paracelsus-Klinik stehen seither leer, andere werden sehr intensiv genutzt. Niels-Stensen-Geschäftsführerin Christina Jaax zeigt sich optimistisch, dass das Haus bald wieder aufblühen wird.
Der katholische Krankenhausträger steht nach eigenen Angaben in intensivem Kontakt mit einem Investor, der das Gebäudeensemble gemischt nutzen will. Etwa die Hälfte der nutzbaren Fläche ist aktuell vermietet. Dort arbeiten mehrere Praxen, eine Kurzzeitpflege und eine Krankenhausküche von Niels Stensen. Die Mieter seien „sehr zufrieden“, so Jaax.
Die früheren Bettenhäuser, die derzeit leer stehen, will der Investor in Wohnungen umwandeln. Angedacht sind kleinteilige Studentenwohnungen, Appartements für Berufspendler und altengerechtes Wohnen mit Pflegeangebot. Eine entsprechende Bauvoranfrage des Investors hat die Stadt inzwischen positiv beschieden.
Die Niels-Stensen-Kliniken stehen wirtschaftlich unter Druck und brauchen das Geld aus dem Verkauf. Geschäftsführerin Jaax lässt sich nicht in die Karten schauen. Sie verrät nur so viel: Im Laufe des Jahres dürfte es zu einem Abschluss kommen.
Niels Stensen wird auch nach dem Verkauf einer der Hauptnutzer des Standortes an der Natruper Straße bleiben. Der Krankenhausträger nutzt intensiv die Operationsbereiche für ambulante Routineeingriffe. Drei der insgesamt sechs OP-Sektionen nutzt Niels Stensen aktuell, der vierte Sektor soll angesichts der steigenden OP-Zahlen zusätzlich aktiviert werden. 1500 ambulante Eingriffe werden dort im Jahr abgewickelt.
Dadurch wird der Operationstrakt im Marienhospital erheblich entlastet, wie Jaax berichtet. Die Teams im MHO können sich so auf die schweren und anspruchsvollen Operationen konzentrieren. Die OP-Säle werden besser ausgelastet. Jaax räumt ein, dass das auch zu einer Leistungsverdichtung für die Ärzte und Pflegekräfte führt. Es gäbe „kaum noch Lücken im OP-Plan“. Die Prozesse seien schlanker geworden, das Personal könne effizienter arbeiten.
Die Operationsbereiche im Haus am Natruper Holz sind einmal für schwere Eingriffe konzipiert worden. Für das ambulante Routinegeschäft sind die Gerätetechnik und Lüftung eigentlich überdimensioniert. Ob es langfristig zu einer Anpassung kommt, ließ Jaax kürzlich in einem Gespräch mit unserer Redaktion offen. Man werde sehen, wie sich der Bedarf entwickele.
Klar ist, das Haus am Natruper Holz ist für die wirtschaftliche Stabilisierung des Krankenhausverbundes inzwischen von großer Bedeutung. Das war nicht immer so. Nach dem Kauf der früheren Paracelsus-Klinik rang Niels Stensen lange mit dem Land Niedersachsen um einen Versorgungsauftrag für die Neurochirurgie. Weil der nicht kam, wurde der Standort zu einer schweren Hypothek für Niels Stensen.
Die Medizinstrategie 2028, mit der der Niels-Stensen-Verbund sich wieder wirtschaftlich konsolidieren will, sah daher den weitgehenden Rückzug vom Natruper Holz vor. Auch die Krankenhäuser St. Raphael in Ostercappeln und St. Elisabeth in Thuine (Emsland) wurden geschlossen.