Osnabrück  Autobahn GmbH besteht keineswegs auf vierspurige Iburger Straße in Osnabrück

Jörg Sanders
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Von Jörg Sanders
| 18.03.2026 11:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Iburger Straße in Osnabrück: Ein Ratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr zur Einrichtung von Umweltspuren stoppte die Stadtverwaltung im März dieses Jahres. Sie argumentiert, das sei rechtlich nicht möglich. Foto: Benjamin Beutler
Die Iburger Straße in Osnabrück: Ein Ratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr zur Einrichtung von Umweltspuren stoppte die Stadtverwaltung im März dieses Jahres. Sie argumentiert, das sei rechtlich nicht möglich. Foto: Benjamin Beutler
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Im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss war der Eindruck entstanden, die Autobahn GmbH bestehe auf den Erhalt der vier Spuren an der Iburger Straße in Osnabrück. Diese stellt jetzt klar: Der Eindruck täuscht.

Die Iburger Straße in Osnabrück soll ihre politisch beschlossenen Umweltspuren doch nicht erhalten. Rechtlich nicht möglich, argumentiert die Stadtverwaltung – und führt hierfür unter anderem die Autobahn GmbH ins Feld. Die zeigt sich im Gespräch mit unserer Redaktion irritiert und sagt: Sie bestehe keineswegs auf vier Spuren.

Eine kurze Rückschau: Im Juli 2025 hatte der Rat der Stadt mehrheitlich beschlossen, zwei der vier Spuren der Iburger Straße zu Umweltspuren für Bus und Rad zu machen. Im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss am 12. März teilte die Stadtverwaltung den Mitgliedern mit: Rechtlich sei das nicht möglich.

Die Verwaltung argumentiert mit negativen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs. „Dieses ist nicht vereinbar mit der Funktion als Bundesstraße und Autobahnbedarfsumleitung“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Ausschuss.

Dann geht es weiter: Die Autobahn GmbH respektive die Landesstraßenbauverwaltung sei auf die Stadt zugekommen und habe „darauf hingewiesen, dass auf einer ausgewiesenen Bundesstraße mit Autobahnbedarfsumleitung sowohl die Verkehrssicherheit als auch die entsprechende Leistungsfähigkeit für den fließenden Kfz-Verkehr zwingend gewährleistet sein muss“.

Im Kontext mit den diskutierten Umweltspuren interpretierte der Ausschuss die Autobahn GmbH dahingehend, dass diese auf den Erhalt der vier Autospuren besteht.

Tut sie nicht. Irritiert über Aussagen von Ratsmitgliedern in unserer Berichterstattung, die sich über die Autobahn GmbH ärgerten, wandte sich diese jetzt an unsere Redaktion und versichert, keineswegs auf die vier Spuren der Iburger Straße zu bestehen, die Teil der B68 ist.

Sprecherin Christine Sabisch stellt klar: „Mit einer Spur je Richtung verfügt die B68 über die Leistungsfähigkeit, den Umleitungsverkehr der Bedarfsumleitungen U32 und U35 aufzunehmen. Diese Position hat die Autobahn GmbH bereits in der Vergangenheit vertreten und sie gilt ebenfalls in der aktuellen Diskussion.“

Fraglich ist, ob die Stadt davon wusste. Denn: In der Vorlage der Verwaltung an den Ausschuss wird dieser Standpunkt nicht erwähnt.

Und so hatte sich etwa Heiko Panzer (SPD) im Ausschuss fassungslos gezeigt. Es könne doch nicht sein, dass Dritte der Stadt vorschreiben, Autos gegenüber dem Radverkehr zu bevorzugen, sagte er.

Auf Nachfrage bestätigt Panzer jetzt: Ja, er sei davon ausgegangen, die Autobahn GmbH bestehe auf die vier Kfz-Spuren.

Volkmar Seliger von den Grünen hatte den vermeintlichen Standpunkt der Autobahn GmbH im Ausschuss als „unsäglich“ bezeichnet. Er warf die Frage auf, ob die Umleitung der A30 bei Staus durch die Stadt wichtiger sei als die Menschen, die hier leben.

Auch er bestätigt jetzt auf Nachfrage, davon ausgegangen zu sein, die Autobahn GmbH fordere den Erhalt der vier Kfz-Spuren. Der Kontext der Vorlage „lässt für mich nur diesen Schluss zu“.

Die von Seliger und Panzer im Ausschuss geäußerte Annahme, die Autobahn GmbH bestehe auf die vier Fahrstreifen, hätte sich wohl mit einem Satz aus der ersten Reihe schnell aufklären lassen; doch weder Stadtbaurat Thimo Weitemeier noch andere Anwesende aus der Verwaltung korrigierten deren Aussagen.

Wie genau der Kontakt zwischen Stadt und Autobahn GmbH aussah und aussieht und welche Positionen dabei vertreten werden, geht aus der Vorlage für die Politik nicht hervor. Panzer wie auch Seliger forderten die Verwaltung auf, die Einlassungen der Autobahn GmbH nachzureichen.

Auch unsere Redaktion wollte von der Stadt wissen, was exakt die Autobahn GmbH der Stadt bezüglich der Iburger Straße mitgeteilt hatte.

Diese Frage ließ sie in der anfragten Stellungnahme unbeantwortet.

Stadtsprecher Constantin Binder erklärt, bei einer Umleitungsstrecke für die Autobahn habe der Umweg für die Verkehrsteilnehmer möglichst gering zu sein, und sie müsse „der Art und Menge des zuzuleitenden Verkehrs genügen“. Die Ausweichroute habe sicher und ausreichend leistungsfähig sein. Und weiter: „Genaue Vorgaben zu zulässigen Geschwindigkeiten oder der Anzahl der Fahrstreifen gibt es allerdings nicht.“

Diese Auskunft erhielt der Ausschuss nicht mit der Beschlussvorlage.

Die Verwaltung habe diese Aspekte jedenfalls mit in die Prüfung einbezogen, als es um die Umsetzung des Ratsbeschlusses zu den Umweltspuren gegangen sei, so Binder weiter. Ergebnis: Bei nur zwei Spuren für Autos und Busse könnte sich der Verkehr anderthalb Kilometer stauen – „mit Auswirkungen auf die Autobahn und das Landesstraßennetz“, erläutert er. In die andere Richtung bis zum Rosenplatz.

Damit wäre auch die Sicherheit in „erheblichem Maße“ betroffen. Durch die Rückstaus und „die damit verbundenen Überstauungen von Knotenpunkten inklusive Fußgängerfurten et cetera würden erhebliche Gefahren für alle Verkehrsteilnehmer beinhalten, die nicht vertretbar sind“, erklärt der Stadtsprecher.

Die Stadt versichert: Eine Erhaltung des Status quo gehe damit nicht einher. „Die zuständigen Fachbereiche identifizieren zeitnah Parkstände, die aufgrund eines erhöhten Risikos für Dooring-Unfälle entfallen könnten“ so Binder. „Ziel ist es, Raum für Sicherheitstrennstreifen zu schaffen, um den Abstand zwischen Radfahrenden und parkenden Fahrzeugen zu vergrößern.“

Zugleich soll die Nebenroute Riedenbach als „leistungsfähige Fahrradstraße“ priorisiert werden.

Der Antrag der Stadtverwaltung hatte vorgesehen, auf die Umweltspuren zu verzichten und stattdessen nach „Optimierungsmöglichkeiten“ für Bus, Rad und Fußgänger zu suchen sowie möglichst Tempo 30 einzuführen. Der Ausschuss verschob eine Entscheidung in die Sitzung am 9. April.

Aktuell stehen Radfahrern an der Iburger Straße Radfahrstreifen ohne jeglichen Sicherheitsabstand zum fahrenden und ruhenden Verkehr zur Verfügung. Stadtbaurat Thimo Weitemeier bezeichnete die kaum mehr als einen Meter breiten Wege im Ausschuss als „nicht adäquat“.

Vor wenigen Tagen verletzte ein Autofahrer eine Radfahrerin bei einem Dooring-Unfall. Vor rund drei Jahren war eine Radfahrerin vom Radfahrstreifen auf die Straße gestürzt und von einem Auto erfasst worden – sie wurde lebensgefährlich verletzt.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Artikel im Nachhinein überarbeitet. In einer früheren Version konnte der Eindruck entstehen, die Stadt habe dem Ausschuss absichtlich Informationen vorenthalten. Das ist nicht belegbar.

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