Osnabrück  Jeannette Simone Blanke folgt Wolfgang Beckermann als Erste Stadträtin

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 18.03.2026 12:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Neue Stadträtin in Osnabrück: Jeannette Simone Blanke folgt auf Wolfgang Beckermann. Foto: Anneke Stölting
Neue Stadträtin in Osnabrück: Jeannette Simone Blanke folgt auf Wolfgang Beckermann. Foto: Anneke Stölting
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Jeanette Simone Blanke wird Nachfolgerin von Wolfgang Beckermann als Erste Stadträtin und Dezernetin für die Bereiche Bildung, Kultur und Familie. Der Rat der Stadt Osnabrück hat einstimmig für die 51-Jährige votiert.

Der politische Akt war in wenigen Minuten vollzogen: Oberbürgermeisterin Katharina Pötter schlägt Jeannette Simone Blanke als Erste Stadträtin und Dezernentin für Bildung, Kultur und Familie vor, sagt, sie hätte sich im Bewerbungsverfahren aus 68 Bewerbern als am besten geeignet herausgestellt. „Ich bitte um Zustimmung zu diesem großartigen Vorschlag“, sagt Pötter. Der Rat folgt der Oberbürgermeisterin einstimmig, einhelliger Applaus, Blumen und Glückwünsche von allen Fraktionen – damit war Blankes erste Teilnahme an einer Sitzung des Osnabrücker Rates beendet. Ihr neues Amt tritt sie am 1. November an.

Blanke folgt Wolfgang Beckermann, der zum 31. Oktober altersbedingt aus seinem Amt ausscheidet. Wäre es nach Pötters Vorstellungen gegangen, hätte Beckermann bereits vor einem Jahr den Ruhestand angetreten. Denn die Oberbürgermeisterin wollte die Verwaltung umstrukturieren, die Bereiche Kinder und Jugend, Schule, Sport und Soziales zu einem „echten Sozialdezernat“ zusammenführen, wie sie damals der noz-Redaktion sagte. Der Bereich Kultur wäre dem Büro der Oberbürgermeisterin zugefallen.

Der Rat entschied in seiner Sitzung am 3. Juni 2025 anders, stimmte Beckermanns Verlängerung um ein Jahr zu und gegen Pötters Reformpläne. Damit bleibt auf absehbare Zeit in der Stadtverwaltung alles wie es ist, mit dem Unterschied, dass Blanke Beckermanns Bereiche übernimmt. Pötter hat sich offenbar mit der Situation abgefunden. „Ich freu mich auf die Zusammenarbeit“, sagt sie und überreicht Blanke den ersten Blumenstrauß. „Statt der Ernennungsurkunde“, sagt Pötter.

Derzeit leitet Blanke als Beigeordnete das Referat K des Niedersächsischen Landkreistages. In dieser Funktion ist sie zuständig für Schule, Kultur, Tourismus, Verkehr, Energiewirtschaft, Wirtschaftsförderung und die Büroleitung. Mit anderen Worten: Einen großen Teil der Themen, für die sie in Osnabrück zuständig sein wird, kennt sie aus ihrer Funktion im Dachverband der Niedersächsischen Landkreise.

Zuvor war sie 24 Jahre lang in der Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Hannover tätig, unter anderem als Referentin im Büro des damaligen Oberbürgermeisters Stephan Weil, als Büroleiterin des aktuellen Oberbürgermeisters Belit Onay und schließlich als Leiterin des Fachbereichs Gebäudemanagement. „Ich habe viele Bereiche aus zwei Perspektiven kennengelernt“, sagt sie nach ihrer Wahl im Gespräch mit der noz-Redaktion. „Schulsport und Erwachsenenbildung war mein tägliches Brot.“

Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten nun zusammenzuführen: Das ist es, was sie an ihrem künftigen Beruf reizt. Dabei wird deutlich, dass sie ihre Dezernate nicht separiert sieht, sondern als übergeordnete Einheit. So sagt sie, „Sport und Kultur sind beide niedrigschwellig“; was manch einer als Gegensatz sieht, denkt sie zusammen. Und ohne schon zu Osnabrück-spezifisch zu werden, nennt sie die großen Herausforderungn unserer Zeit: „Demokratieverständnis, Identität, Bildung in Schulen.“ Denn ohne Bildung „verlieren wir die jungen Menschen an die sozialen Sicherungssysteme“, sagt sie, „aber wir brauchen genau diese jungen Menschen.“

Dafür verlässt sie Hannover, um mittelfristig nach Osnabrück zu ziehen, gemeinsam mit ihrem Mann. Die Landeshauptstadt will sie dabei kein bisschen gegen die kleine Großstadt Osnabrück ausspielen. „Wir haben kein Kestner-Museum, aber hier gibt es auch tolle Museen.“ Überhaupt ist Hannover für sie mehr Arbeits- als Wohnort, und zudem kennt sie aus ihrer Sozialisation kleinstädtische Strukturen sehr gut: Geboren auf Norderney, hat sie die Kindheit zum Teil in Bad Pyrmont verbracht, das Gymnasium in Hameln absolviert, und lebt jetzt nicht in, sondern bei Hannover.

Noch teilt sie sich mit ihrem Mann eine Zweitwohnung in Bad Oeynhausen, doch die will sie über kurz oder lang aufgeben zugunsten einer Wohnung in Osnabrück. „Ob ich da jetzt in Pye oder in die Innenstadt ziehe – das muss ich mir anschauen.“ Jedenfalls will sie aktiv am kulturellen Leben in Osnabrück teilnehmen. Eine Stadt, die sie jetzt schon „modern“ nennt: Internetauftritt, Medienpräsenz, der Markenname, all das nennt Blanke „innovativ und neu“. Der Hochschulstandort, die zentrale Lage: Jeannette Simone Blanke freut sich offensichtlich auf ihre neue Aufgabe und auf Osnabrück. Nur eines wird sie womöglich vermissen: Die Bratwurst von Stahls Imbiss in Bad Oeynhausen, „die weltbeste Bratwurst“, sagt sie. Aber auch da hat Osnabrück etwas zu bieten, wenn auch zeitlich eng begrenzt: Die Weihnachtsbratwurst der Wurstmanufaktur.

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