Osnabrück Margaryta Grynyvetska inspiriert das Osnabrücker Publikum und sammelt Geld für die Ukraine
Mit einem richtigen Frühlingsprogramm begeistert die ukrainische Dirigentin Margaryta Grynyvetska beim Konzert mit dem Osnabrücker Symphonieorchester. Das Publikum in der Osnabrückhalle ist begeistert, und eine Musikschule in Odessa profitiert auch davon.
Am Ende wendet sich Margaryta Grynyvetska ans Publikum im Europasaal der Osnabrückhalle. Erinnert daran, dass, während wir uns auf den Frühling einstellen, in der Ukraine nach wie vor Krieg herrscht. Deshalb bittet die Dirigentin um Spenden: Sie sollen der Stolarsky-Musikschule in ihrer Heimatstadt Odessa zufließen, einer Institution, an der nicht nur Grynyvetska erste musikalische Schritte unternommen hat, sondern auch Legenden wie David und Igor Oistrach.
Dem Aufruf ist das Osnabrücker Publikum nachgekommen; Reinhard Richter vermeldet, dass über 5500 Euro zusammengekommen sind. Der Kulturberater hat ja schon etliche Hilfsprojekte für die Ukraine organisiert und durchgeführt. Inspiriert durch das Porträt der Dirigentin in der noz, gewann er sie für die Spendenaktion. „Wir werden ein Notstromaggregat für die Stolarsky-Musikschule erwerben“, sagt er auf Nachfrage der noz-Redaktion.
Die Spendenaktion war gewissermaßen die Zugabe zu einem ausgesprochen frühlingshaften Konzert. Das zeigt das Programmheft in zartem Blütenrosa mit dem Bild „Die rosa Wolke“ des französischen Pointillisten Henri-Edmond Cross. Vor allem aber ist das Programm frühlingshaft leicht gestaltet, zumindest in den Eckwerken: „Masques et Bergamasques“ von Gabriel Fauré und die vierte Sinfonie A-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy, die „Italienische“ atmen beide linde Lüfte. Dazwischen erklingt die Sinfonie Nr. 53 von Joseph Haydn mit dem Beinamen „L‘Impériale“.
Nun hieß es im noz-Vorbericht zu diesem Konzert, Grynyvetska sei die erste Dirigentin eines Sinfoniekonzerts – was nicht stimmt, wie eine aufmerksame Leserin festgestellt hat. Richtig ist: Bereits 1968 leitete die Schweizerin Sylvia Caduff ein Konzert des Osnabrücker Symphonieorchesters, 2003 dirigierte die Amerikanerin Catherine Rückwardt. Dennoch: Dirigentinnen spielen eine recht kleine Rolle auf dem Osnabrücker Dirigentenpodest – noch. Generalmusikdirektor Christopher Lichtenstein ist dabei, das zu ändern – wie jetzt mit Margaryta Grynyvetska.
Den Dirigierstab lässt sie vor der Pause in ihrer Garderobe; mit bloßen Händen formt sie Faurés und Haydns Musik. Das stellt Nähe zu den Musikern her, die junge Dirigentin führt das Osnabrücker Symphonieorchester mit fließenden Gesten, setzt weiche Akzente, wirkt dabei dynamisch und agil.
Für Felix Mendelssohn Bartholdys vierte Sinfonie, die „Italienische“, hat sie den Taktstock dabei. Doch ob mit oder ohne Dirigentenstab: Orchester und Dirigentin finden an diesem Abend nicht richtig zusammen. Die Pianokultur des Osnabrücker Symphonieorchesters schöpft sie nicht aus, Kontraste bleiben stumpf, das Klangbild diffus und undifferenziert.
Die Schönheit, die Anmut, die Eleganz der drei Werke transportiert sich trotzdem; das feiert das Publikum auch ausgiebig. Aber die Gegensätze, die Haydns Musik braucht, Mendelssohns euphorischer Jubel, die Energie, die seiner Musik innewohnt, gerade der „Italienischen“, die dramatische Tiefe des zweiten Satzes, all das bleibt unterbelichtet. Am stimmigsten gelingt es, Faurés heiter-elegante Welt nachzuzeichnen.
Was ist da schief gegangen? Die knappe Antwort lautet: Musiker sind Menschen. Die ausführliche: Bei aller gegenseitigen Wertschätzung finden Dirigenten und Orchester nicht zwangsläufig zusammen – das kommt bei den besten Orchestern und Dirigenten vor.
Außerdem ist der Mensch keine Maschine und damit von der Tagesform abhängig. Ein Konzert spult sich eben nicht auf Knopfdruck ab, sondern ereignet sich im Hier und Jetzt. Und wie lautet eine alte Fußballweisheit? „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ Aber, um eine andere Weiheit abzuwandeln: Nach dem Konzert ist vor dem Konzert, für Margaryta Grynyvetska und für das Osnabrücker Symphonieorchester.