Osnabrück Eine Idee zieht weiter Kreise: Wo ist in Osnabrück Platz für das „Haus des Wissens“?
Ein Initiativkreis treibt die Idee vom „Haus des Wissens“ in Osnabrück weiter voran. Jetzt traf sich eine Gruppe mit Oberbürgermeisterin Katharina Pötter im Rathaus. Auch sie findet die Idee gut. Nur einen Haken gibt es.
Eine neue Stadtbibliothek, die als „Haus des Wissens“ mitten in Osnabrück allen Menschen kostenlos offensteht: Diese Idee verfolgt ein Initiativkreis, der dafür schon einen Ort in den Blick genommen hat, das Gebäude der ehemaligen Hauptschule Innenstadt. Im Rathaus sieht man das allerdings kritisch.
Vertreter des Initiativkreises haben ihren Plan für eine neue Stadtbibliothek jetzt im Rathaus vorgestellt. Bernd Dälken, Stefan Lüddemann, Lioba Meyer und Oliver Vornberger trafen sich mit Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und Stadtbaurat Thimo Weitemeier. Das „Haus des Wissens“ soll ein zentraler Ort für Bildung, Begegnung und Austausch in der Innenstadt sein.
Der Initiativkreis übergab der Oberbürgermeisterin eine Liste mit Unterstützern aus der Stadtgesellschaft. Dazu zählen unter anderem der frühere Oberbürgermeister und Ehrenbürger Hans-Jürgen Fip, der ehemalige Oberbürgermeister Boris Pistorius, sieben Träger der Justus-Möser-Medaille sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Wissenschaft und weiteren Bereichen des öffentlichen Lebens.
Der Initiativkreis spricht sich dafür aus, am Standort der heutigen Hauptschule Innenstadt in der Hakenstraße die neue Stadtbibliothek zu errichten. Das Schulgebäude ist im Eigentum der Stadt und wird ab 2028 leerstehen, wenn die neue Friedensschule nebenan fertiggestellt ist.
Nach Vorstellung der Initiatoren soll dort ein Ort entstehen, der „nichtkommerzielle Aufenthaltsqualität“ bietet und damit die Innenstadt jenseits von Konsumzwängen belebt. Jugendliche sollen hier einen geschützten Raum als Treffpunkt finden. Durch Kooperationen mit Schulen und Hochschulen soll das Haus die Chance bieten, die Lese-, Schreib- und Medienkompetenz – insbesondere für bildungsferne Milieus – nachhaltig zu stärken.
Katharina Pötter und Thimo Weitemeier halten die Idee eines sogenannten „Dritten Ortes“ für ein wichtiges Zukunftsthema, wie aus einer Mitteilung der Stadt hervorgeht. „Die Förderung von Bildung und Medienkompetenz hat für uns eine hohe Bedeutung“, wird die Oberbürgermeisterin in der Mitteilung zitiert. Ein zentraler Ort, der Begegnung, Lernen und kulturelle Angebote verbindet, könne für die Stadtgesellschaft einen großen Mehrwert schaffen.
Gleichzeitig machten Pötter und Stadtbaurat Weitemeier deutlich, dass sie den vom Initiativkreis vorgeschlagenen Standort im Gebäude der Hauptschule Innenstadt kritisch sehen. Nach Fertigstellung des Neubaus der Friedensschule werde das Gebäude voraussichtlich noch für längere Zeit für schulische Übergangslösungen benötigt. Zudem gebe es offene Fragen im Hinblick auf die Erreichbarkeit, die städtebauliche Wirkung und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
Alle Beteiligten waren sich einig, dass ein Projekt dieser Größenordnung – unabhängig vom endgültigen Standort und Konzept – eine breite Unterstützung in Politik und Stadtgesellschaft benötigt. Auch Fragen der Finanzierung und möglicher Förderprogramme müssten in den kommenden Schritten vertieft geprüft werden. Oberbürgermeisterin, Stadtbaurat und Initiativkreis vereinbarten, den Austausch zu diesem Thema fortzusetzen.
Der Vorschlag für die neue Stadtbibliothek steckt noch im Stadium einer Konzeptstudie. Bernd Dälken, Mitglied des Initiativkreises und von Hause aus Architekt, hat Ansichten und ein Raumkonzept anfertigen lassen. Über die Kosten macht der Initiativkreis keine Angaben. Dazu sei es noch zu früh.
Das Konzept zeige, „dass es funktionieren kann“, schreibt Dälken in seinem Exposé. Der Neubau einer Bibliothek habe sich in anderen Städten als „erfolgreicher Zukunftsmotor für die Stadtentwicklung erwiesen“. Beispiele fänden sich in Aarhus, Helsinki, Amsterdam, Groningen oder Münster.
Die Idee für ein „Haus des Wissens“ oder „Dritten Ort“, in dem sich Menschen ohne Konsumzwang treffen, bilden und gemeinsam kreativ werden können, steht in Osnabrück schon seit Jahren im Raum. Erstmals ins Spiel gebracht hatte sie der Kulturberater Reinhard Richter, der 2017 auf dem Höhepunkt der Diskussion über ein Einkaufszentrum am Neumarkt einen „Plan B“ mit einem „Dritten Ort“ am Neumarkt in die Diskussion warf.
Im Kommunalwahlkampf 2021 lenkte die damalige OB-Kandidatin Katharina Pötter den Blick auf die Dominikanerkirche, die sie zu einem offenen Begegnungsort weiterentwickeln wollte. Daraus ist bislang nichts geworden.