Berlin Statt Vermögen: Deshalb fordert DIW-Chef Fratzscher, Immobilien stärker zu besteuern
Im internationalen Vergleich besteuert die Bundesrepublik Deutschland Vermögen auffallend gering. DIW-Chef Fratzscher fordert nun eine radikale Kehrtwende – die vor allem Hausbesitzer trifft.
Deutschland braucht Geld: Angesichts massiver Investitionsbedarfe in Bildung, Klimaschutz und Infrastruktur steht die deutsche Finanzpolitik unter hohem Druck – und in der Staatskasse klafft ein Loch von über 30 Milliarden Euro pro Jahr.
Vor diesem Hintergrund rückt die Debatte um die Wiedereinführung der Vermögensteuer erneut in den Fokus. Während Befürworter auf die starke Konzentration von Reichtum verweisen, warnen Experten vor den praktischen Hürden und wirtschaftlichen Risiken einer rein nationalen Umsetzung.
Der Grund: Kapital ist mobil. Per Mausklick lassen sich Millionen-Depots ins Ausland verschieben. Ohne weltweite Regeln würde eine solche Abgabe Deutschland eher schaden und Investitionen im Inland bremsen, vermutet der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.
In einem Gastbeitrag für die „Zeit“ hat er nun eine grundlegende Reform der vermögensbezogenen Steuern gefordert. Dabei spricht er sich gegen die einfache Wiedereinführung einer nationalen Vermögensteuer aus – und schlägt stattdessen vor, Eigentümer stärkere zu belasten.
Fratzschers Lösung: Der Staat soll dort zugreifen, wo niemand weglaufen kann – bei Immobilien. Häuser und Grundstücke lassen sich schließlich nicht über die Grenze bringen. Sein Vorschlag klingt simpel: Wer Land und Gebäude besitzt, soll über die Grundsteuer stärker zur Kasse gebeten werden. Und auch Gewinne beim Verkauf von Immobilien sollen konsequent besteuert werden.
Fratzscher betont, dass Deutschland Arbeit im internationalen Vergleich ungewöhnlich stark und Vermögen hingegen sehr gering besteuere. Während Länder wie die USA oder Großbritannien rund drei bis vier Prozent ihrer Wirtschaftsleistung aus vermögensbezogenen Steuern erzielen, liege dieser Wert in Deutschland bei lediglich einem Prozent.
Eine stärkere Gewichtung der Grundsteuer würde laut Fratzscher nicht nur stabile Einnahmen für staatliche Zukunftsinvestitionen sichern, sondern auch spekulative Anreize am Immobilienmarkt dämpfen und eine effizientere Nutzung von knappem Wohnraum fördern.