Osnabrück  Aura des VfL Osnabrück zeigt sich beim 4:1-Sieg gegen Waldhof Mannheim

Malte Artmeier, Benjamin Kraus
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Von Malte Artmeier, Benjamin Kraus
| 15.03.2026 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bereit zum Abheben: Robin Meißner und der VfL Osnabrück (hier gegen Lukas Klünter, Waldhof Mannheim) haben die nächste Entwicklungsstufe gezündet. Foto: Michael Titgemeyer
Bereit zum Abheben: Robin Meißner und der VfL Osnabrück (hier gegen Lukas Klünter, Waldhof Mannheim) haben die nächste Entwicklungsstufe gezündet. Foto: Michael Titgemeyer
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Souverän, dominant, irgendwie unantastbar: Der VfL Osnabrück ist nicht zu stoppen und baut mit dem 4:1-Heimsieg gegen den SV Waldhof Mannheim seinen Vorsprung an der Tabellenspitze der 3. Fußball-Liga aus. Der Aufstieg ist möglich - und die Chancen steigen immer weiter.

26 Punkte aus zehn Rückrundenspielen, zuletzt fünf Siege in Serie, inzwischen schon sechs Punkte (sowie zwölf Treffer im Torverhältnis) Vorsprung auf einen Tabellenplatz, der nicht direkt zum Aufstieg berechtigt: Soweit die Zahlen zum VfL Osnabrück in einem bisher überragenden Kalenderjahr 2026 nach dem 4:1-Erfolg gegen Waldhof Mannheim.

Es ist ein Lauf mit Ansage, dessen Basis vor etwas mehr als einem Jahr gelegt wurde: Mit der konsequenten personellen Umstrukturierung der Mannschaft, etwa durch die Installation des Defensivstrategen Jannik Müller im Abwehrzentrum. Schon im Jahr 2025 fuhr der VfL auf Basis einer stabilen Abwehrleistung im Schnitt an die zwei Punkten pro Partie ein.

Mit dem weiteren Umbau der Mannschaft im Sommer kamen unter anderem Bjarke Jacobsen als weiterer Ankerspieler sowie die Offensivmaschine Robin Meißner dazu. Diese Achse stand schon in der Hinrunde für weiter ausgebaute Stabilität - seit im Jahr 2026 aber auch das Thema Effektivität vor dem gegnerischen Tor stimmt, riecht es gewaltig nach Aufstieg rund um die Bremer Brücke. 23 Tore in zehn Rückrundenparten sind Liga-Topwert mit Essen und Aachen - aber die nur fünf Gegentreffer hat bei weitem kein anderes Team in seinen Büchern stehen.

Die Mannschaft von Trainer Timo Schultz hat die nächste Entwicklungsstufe gezündet. Ihre Auftritte sind nicht grundsätzlich spektakulär: Der VfL spielte auch gegen Mannheim nicht 90 Minuten lang per Tiki-Taka die Sterne vom Himmel. Aber trotzdem hatten alle 14.743 Beobachter im Stadion über 90 Minuten - selbst in den schwächeren 15 bis 20 Minuten vor der Pause - nie ein anderes Gefühl, als dass der Sieger am Ende in jedem Fall VfL Osnabrück heißen wird. Aura, würde man heute in Jugendsprache sagen. Übersetzt ist es eine überragende Sicherheit und Selbstverständlichkeit, die die Mannschaft als Ganzes und jeder Einzelne in jeder Spielsituation auf dem Platz ausstrahlt.

Basis dafür ist - so unpopulär es klingt - harte Defensivarbeit: Jeder Feldspieler ist zu 100 Prozent dabei in den Abläufen gegen den Ball, keiner ist sich dafür zu schade, auch nicht Topscorer wie Lars Kehl und Robin Meißner. Offensivpressing, Gegenpressing, Mittelfeldpressing oder notfalls auch mal tiefes Stehen im Block wie gegen Mannheim vor der Pause: Die Osnabrücker beherrschen aktuell jede Form des Verteidigens. Und dabei gelingt es, auch auf den Gegner das Gefühl zu übertragen: Ihr könnt heute alles probieren mit dem Ball, aber am Ende kommt ihr sowieso nicht durch unseren Abwehrblock.

Gelingt dem VfL eine Balleroberung, geht es inzwischen schnell - nach vorn in die Spitze, in schnörkellosem vertikalen Spiel, oft über Robin Meißner als erste kurz kommende Anspielstation und Ball-Weiterverteiler. Gegen Mannheim fielen die ersten drei Tore durch schnelles Eindringen in den gefährlichen zentralen Raum vor dem Strafraum. Dies stets über Lars Kehl: Beim 1:0 nach Balleroberung von Ismail Badjie, ehe David Kopacz konsequent den Abpraller des Aufsetzer-Schusses des Kreativspielers verwertete. Danach mit Kehl-Pässen auf Meißner, der zweimal vor der Ostkurve mit Geschick und auch etwas Glück erfolgreich abschloss.

Der Ehrentreffer für Mannheim durch Felix Lohkemper in der letzten Aktion des Spiels fiel nur statistisch ins Gewicht. Zuvor belohnte sich Robin Fabinski mit dem ersten Saisontreffer per Kopf nach einer feinen Lesueur-Flanke zum 4:0 für seine stets so engagierten, zweikampfstarken Auftritte als Verteidiger. Es war die Kirsche auf der Sahnetorte beim Festtag an diesem Samstag an der im Heimbereich erneut ausverkauften Bremer Brücke. „Man sieht Woche für Woche, dass es brutal schwer ist, gegen uns zu spielen, wenn wir unsere Aufgaben machen“, sagte Fabinski - und der 22-Jährige ergänzte: „Wir wissen, dass wir jede Mannschaft in der Liga schlagen können. Nur wir selber können uns noch aufhalten.“

In der Entwicklung der Mannschaft hatte VfL-Trainer Timo Schultz Anfang Oktober vor dem Hinspiel gegen Regensburg verlauten lassen, er könne sich vorstellen, dass man eine Menge Spaß zusammen haben werde in dieser Saison, wenn es gelingt, die Partie gegen den Jahn zu gewinnen. Es folgte ein 2:0-Heimsieg und dann der 4:1-Auswärtserfolg in Mannheim. Zwei Ergebnisse, die der VfL in der Rückserie nun exakt so bestätigt hat in Regensburg und am Samstag gegen den Waldhof - nur mit noch souveräneren Auftritten, die den VfL-Fans noch mehr Spaß gemacht haben.

Aber Achtung: Im Herbst folgte diesen Spielen die erste von zwei eiskalten Duschen im Saisonverlauf mit der 0:4-Heimniederlage gegen die TSG Hoffenheim II. Die Kraichgauer Bundesliga-Reserve musste zwar im Winter einen gewaltigen personellen Aderlass verkraften - aber der nächste VfL-Gegner am kommenden Sonntag spielt immer noch diesen temporeichen Stil mit vielen Positionswechseln, der dem VfL ähnlich wie die Art und Weise des SC Verl (Hinspiel 1:4) nicht liegt.

Zudem müssen die Lila-Weißen die Partie ohne Jacobsen angehen: Der Ankerspieler holte sich wohl ganz bewusst in der Schlussphase des Mannheim-Spiels seine fünfte Gelbe Karte ab. Der 32-Jährige darf am Wochenende seine Wehwehchen auskurieren und Platz machen für im Antritt dynamischere und wendigere Akteure, die vielleicht sogar besser zum Gegner passen.

Sollte es gelingen, auch im Kraichgau zu punkten, kann der VfL im Heimspiel gegen den Tabellenletzten Schweinfurt 05 einen weiteren großen Schritt in Richtung Aufstieg machen. „Es fühlt sich richtig gut an. Man hat tatsächlich langsam das Gefühl, dass wir die einzigen sind, die uns aufhalten können“, sagt Kehl und gibt direkt die Marschroute für die verbleibenden neun Spiele vor: „Wir müssen nur Woche für Woche weitermachen.“

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