Osnabrück  VfL Osnabrück gegen Mannheim: Die Übermacht im Zentrum und zwei Spieler in Topform

Malte Artmeier, Benjamin Kraus
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Von Malte Artmeier, Benjamin Kraus
| 15.03.2026 11:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Wesentliche Faktoren für den 4:1-Sieg des VfL Osnabrück gegen Mannheim: Die Dominanz im Zentrum, verkörpert durch Bjarke Jacobsen (links), und die beiden Topscorer - Lars Kehl (18) und Robin Meißner. Foto: Michael Titgemeyer
Wesentliche Faktoren für den 4:1-Sieg des VfL Osnabrück gegen Mannheim: Die Dominanz im Zentrum, verkörpert durch Bjarke Jacobsen (links), und die beiden Topscorer - Lars Kehl (18) und Robin Meißner. Foto: Michael Titgemeyer
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Beim 4:1-Sieg des VfL Osnabrück gegen Waldhof Mannheim gehörte das Zentrum das Spiels den Lila-Weißen, die dazu in der Offensive die beiden herausragenden Kicker auf dem Feld hatten. Die Einzelkritik zum fünften Sieg in Serie.

#18 Lars Kehl (bis 80.): Der Spielmacher war der herausragende Mann auf dem Feld - dabei ging die Partie für ihn eigentlich ziemlich schlecht los. In der 2. Minute hatte er eine Riesenchance aus elf Metern und hätte eigentlich nur einschieben müssen, nagelte stattdessen aber meilenweit drüber. Er wird es verschmerzen können, denn danach gelang ihm fast alles: War an allen wesentlichen Offensivszenen beteiligt, schlug ordentliche Standards und bereitete die ersten drei Tore vor. Das erste mit einem guten Fernschuss, den Waldhof-Keeper Nijhuis nur abklatschen ließ, das zweite und dritte mit klugen Pässen auf Meißner. Was dazu bei ihm immer mehr heraussticht, ist die Arbeit gegen den Ball: Vor dem 2:0 sorgte er für den Ballgewinn von Fridolin Wagner, vor dem 3:0 fing er den Pass von Rieckmann ab. Mehrere weitere Chancen ermöglichte Kehl erst durch seinen defensiven Fleiß. Eine Top-Leistung.

#11 Robin Meißner: Der Torjäger bleibt in Hochform und erzielte gegen Mannheim seine Rückrundentreffer sechs und sieben. Insgesamt steht er nun bei 20 Scorern über die Saison, jetzt schon eine starke Quote. Ähnlich wie bei Kehl, gilt auch für Meißner: Offensiv geht beim VfL fast alles über ihn. Legte früh die Kopacz-Chance in der 9. Minute auf, kam aber lange selbst nicht so in die gefährlichen Aktionen. Beim 2:0 wählte er den Haken auf den starken rechten Fuß zwar etwas zu offensichtlich, dann aber die richtige Option durch Kryezius Beine. Hatte dennoch bei beiden Toren etwas Glück: Auch beim 3:0 prallte ihm der Ball von Nijhuis‘ Körper. Bei beiden Treffern war aber wieder mal auffällig, wie clever Meißner sich bewegt, sich Räume schafft und seinen Mitspielern Passoptionen bietet.

#27 Robin Fabinski: War defensiv von Beginn an gut im Spiel und bekam für seine Grätsche gegen Ogbemudia und das gewonnene Laufduell gegen Abifade zurecht Szenenapplaus. Spielte einen ziemlich katastrophalen Fehlpass in der elften Minute, der zum ersten (sehr harmlosen) Mannheimer Abschluss führte. Die einfachen Dinge erledigte er wieder mal gut, nur die etwas komplizierteren Pässe wollten nicht wirklich ankommen. Wie die Kollegen in der Verteidigung des eigenen Strafraums aber erneut eine Bank. Traf dazu mit einem stark gesetzten Kopfball zum 4:0 - sein erstes Tor für den VfL.

#24 Jannik Müller: Der Abwehrchef hat nicht an jedem Wochenende eine echte Highlight-Szene, diesmal aber schon: Das Tackling gegen Lohkemper in der sechsten Minute war herausragend. Der Mannheimer Torjäger wäre sonst frei durch gewesen. Auch den Querpass von Abifade (21.) antizipierte er gut und brachte den Ball weg. Vor Badjies-Schusschance in der ersten Hälfte kochte er Lohkemper einmal derart ab, dass dieser sich erstmal sammeln musste. Die langen Bälle nach vorne gingen zwar regelmäßig zum Gegner, aber ganz klar ist: Was Defensivzweikämpfe, Organisation und Cleverness angeht, macht Müller in dieser Liga kein Spieler etwas vor.

#15 Bjarke Jacobsen: Der Däne war ein wesentlicher Faktor dafür, dass der VfL das Zentrum dominierte. Behielt über 90 Minuten die Lufthoheit im Zentrum, sicherte Bälle und sorgte für Struktur auf dem Rasen, der eigentlich zum Chaos einlud. Drehte dabei allerdings auch so manche unnötige Pirouette, wo ein schnellerer Pass möglich und sinnvoll gewesen wäre. Hätte fast selbst getroffen, sein Kopfball wurde aber auf der Linie geklärt (51.). Holte sich in der Endphase - nach wiederholtem Foulspiel - die fünfte Gelbe Karte ab und ist in Hoffenheim gesperrt.

#26 Fridolin Wagner (bis 80.): Ähnlich wie Nebenmann Jacobsen war auch Wagner immer wieder im richtigen Moment zur Stelle: per Kopf, langem Bein oder Grätsche. Spielte wie schon in den vergangenen Wochen auch gegen seinen Ex-Club stark, weil er für Stabilität sorgt, aber auch eine große Laufstärke und spielerische Qualität einbringt. Leitete das 2:0 mit einem schönen Ballgewinn und schnellen Pass auf Kehl ein.

#29 David Kopacz (bis 69.): Der Deutsch-Pole hat sich nachhaltig wieder zurückgekämpft in die VfL-Startelf: Kam gut in die Partie und hätte schon nach zwei Minuten den ersten Assist auf dem Konto haben müssen, nachdem er schön auf Kehl zurücklegte. Hatte in der 9. Minute selbst einen Abschluss, traf den Ball aber nicht satt und zog knapp vorbei. Traf dann zum dritten Mal in Folge, als er den Abpraller nach Kehls Schuss aufsammelte und stark ins kurze Eck unters Tordach drosch. Zog in der 35. Minute noch eine gefährliche Flanke vor das Tor, tauchte aber letztlich immer mehr ab. Im Pressing mit Licht und Schatten - mal etwas zögerlich, mal eifrig.

#21 Lukas Jonsson: Dass sein Trikot zum Abpfiff das sauberste von allen eingesetzten Spielern war, sagt im Grunde alles über den Nachmittag des Torhüters aus. Jonsson musste einen einzigen ungefährlichen Ball parieren, bis Lohkemper in der Nachspielzeit doch noch traf. Verhindern konnte der Schwede das 1:4 aus Nahdistanz nicht, ärgern wird es ihn trotzdem, schließlich wäre das 16. Zu-Null-Spiel möglich und verdient gewesen. Wirklich auszeichnen konnte er sich so zwar nicht, Sicherheit strahlte er dennoch aus.

#25 Niklas Wiemann: Hatte weniger Highlight-Szenen als die Kollegen in der Dreierkette, machte aber defensiv einen ebenso soliden Job, diesmal vor allem im Bodenzweikampf. Mit dem Ball war gegen Mannheim dagegen nicht immer alles gut: Mehrere Pässe nach vorne misslangen ihm. In der ersten Halbzeit hatte er vielleicht etwas Glück, als er Bierschenk im Strafraum leicht traf und Schiedsrichter Grund nicht zum Strafstoß pfiff.

#31 Patrick Kammerbauer (bis 69.): Leitete Kehls Riesenchance zum Start mit einem schönen Chipball auf Kopacz ein. Zeigte auf der rechten Schiene viel Laufeinsatz, hatte aber insgesamt nicht besonders viele Anteile am Offensivspiel, weil die Kollegen ihn nicht oft genug fanden. Kam so zu keiner wirklich prägenden Szene. Defensiv meistens sicher, abgesehen von einer unnötig produzierten Ecke (34.) und zwei, drei Grätschen ins Leere.

#37 Ismail Badjie (bis 57.): Das Eigengewächs wurde etwas überraschend auf der linken Schiene aufgeboten und machte dort einen ordentlichen Job. Sorgte mit seinem Ballgewinn für den Umschaltmoment vor dem 1:0 und mit einem starken Sprint für die Gelbe Karte gegen Klünter. In der 24. Minute hatte er selbst eine Torchance, als er gut in die Mitte zog und den Schuss nur knapp rechts vorbeisetzte. Drei Minuten später setzte er einen Volley nach einer abgewehrten Ecke einen knappen halben Meter vorbei. Hatte defensiv mit Ba wenig Probleme, baute aber zum Ende der ersten Hälfte und zu Beginn der zweiten doch etwas ab und wurde dann ausgewechselt.

#3 Frederik Christensen (ab 57.): Ersetzte Badjie auf links und spielte eine insgesamt unauffällige halbe Stunde, weil die wesentlichen Szenen abseits von seinem Wirkungsbereich passierten. Reihte sich nahtlos in die stabile Defensive ein.

Nicht zu bewerten: #23 Tony Lesueur (ab 69., schöne Flanke mit dem „schwächeren“ rechten Fuß vor dem 4:0), #10 Kai Pröger (ab 69.), #9 Julian Kania (ab 80.), #8 Robert Tesche (ab 80.).

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