Formel-1-Desaster für McLaren „Mir fehlen die Worte“: Antonelli bejubelt Premierensieg

Martin Moravec und Thomas Wolfer, dpa
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Von Martin Moravec und Thomas Wolfer, dpa
| 15.03.2026 09:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Erst Pole, dann auch Sieg: Kimi Antonelli genießt sein Shanghai-Wochenende. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
Erst Pole, dann auch Sieg: Kimi Antonelli genießt sein Shanghai-Wochenende. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
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In Shanghai bleibt die dritte Startreihe frei. Warum bloß? Im Grand Prix zeigt ein Teenager seine ganze Reife. Kimi Antonelli gewinnt erstmals einen Grand Prix. Ferrari liefert ein packendes Duell.

Formel-1-Teenager Kimi Antonelli umarmte nach seiner denkwürdigen Fahrt seinen Vater Marco und brach dann in Tränen aus. Der Mercedes-Youngster hat in Shanghai eine souveräne Show hingelegt und seinen Premierensieg in der Formel 1 gefeiert.

Der jüngste Pole-Mann in der Geschichte der Motorsport-Königsklasse konterte beim Grand Prix von China in Shanghai sogar eine Start-Attacke von Rekordchampion Lewis Hamilton im Ferrari. Mit erst 19 Jahren und 202 Tagen bescherte der Italiener vor seinem Teamkollegen und Australien-Auftaktsieger George Russell den Silberpfeilen den zweiten Doppelerfolg in dieser noch jungen Saison.

Hamiltons erstes Ferrari-Podest

„Mir fehlen die Worte, mir kommen die Tränen. Mein Team hat mir geholfen, diesen Traum wahr werden zu lassen“, sagte Antonelli und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Sein Renningenieur Peter Bonnington lobte ihn über Funk: „Klasse gemacht, Kumpel. Erster Rennsieg. Daran wirst du dich für immer erinnern.“

Auf das Podest raste am Sonntag noch China-Rekordgewinner Hamilton als Dritter, der sich mit seinem Teamkollegen Charles Leclerc ein aufregendes und schonungsloses Duell lieferte. Es war das erste Podium für den 41 Jahre alten Superstar mit der Scuderia, der nach der Zieldurchfahrt von seiner Mama Carmen geherzt wurde.

„Es war eines der schönsten Rennen, die ich seit langem, wenn nicht sogar überhaupt, gefahren bin“, sagte Hamilton, der Vorgänger von Antonelli bei Mercedes war. „Der Zweikampf mit Charles war großartig, Rad an Rad, aber fair.“

Aus für Verstappen

Am Tag zuvor hatte Antonelli mit seiner Premieren-Pole Sebastian Vettel (21 Jahre und 72 Tage) in der Bestenliste abgelöst. Der jüngste Rennsieger ist der Youngster aus Bologna aber nicht: Nur Max Verstappen war bei seinem ersten Karriereerfolg in Barcelona 2016 mit 18 Jahren und 228 Tagen jünger. Die WM-Führung verteidigte Russell aber vor Antonelli.

Nico Hülkenberg konnte eine Woche nach seinem Technik-Aus in Melbourne den Großen Preis von China zwar zu Ende fahren, verpasste im Audi als Elfter aber knapp einen Zähler. Der viermalige Weltmeister Max Verstappen erlebte mit Red Bull das nächste Frust-Wochenende. Er lag auf Position sechs in den Punkten, als ihn in der Schlussphase ein Defekt zum Parken zwang.

Debakel für McLaren

Konstrukteurschampion McLaren erlebte ein Desaster schon vor dem Start. Die dritte Startreihe blieb frei, da die Ingenieure sowohl am Auto von Weltmeister Lando Norris als auch am Wagen von Vorjahressieger Oscar Piastri einen Schaden feststellten. In der Garage wurde noch fieberhaft gearbeitet, beim MCL40 von Norris wegen Problemen im Elektronikbereich der Unterboden entfernt - doch es half nichts. Doppel-Aus für McLaren und für Piastri schon der zweite vorzeitige K.o. in diesem Jahr!

Lando Norris kann in Shanghai gar nicht losfahren. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
Lando Norris kann in Shanghai gar nicht losfahren. Foto: Vincent Thian/AP/dpa

„Es ist frustrierend. Es lag an der Power Unit“, sagte der zerknirschte Norris, der eine Stunde vor dem Start von den erheblichen Problemen an seinem Wagen erfuhr. „Die Jungs haben noch versucht, eine Lösung zu finden. Es hat aber nicht geklappt.“ Erstmals in der Formel 1 einen Grand Prix nicht beginnen zu können, sei für ihn enttäuschend.

Verstappen konnte wenigstens starten. An seinem Red Bull musste aber kurzfristig der Heckflügel ausgetauscht werden. Der Niederländer, der von seinem Dienstwagen sichtlich gefrustet ist, wurde nach dem Erlöschen der Roten Ampeln von Rang acht gleich auf Position 14 durchgereicht. „Ich versuche, nicht zu viele Plätze am Start zu verlieren“, hatte Verstappen noch vorher gesagt.

Kollision zwischen Hadjar und Bearman

Einen spektakulären Auftakt erwischte Hamilton. Der Sprint-Sieger des vergangenen Jahres - einer der wenigen Lichtblicke für ihn bei Ferrari in seinem Premierenjahr - schob sich an den Mercedes vorbei an die Spitze. In Runde zwei verlor der Rekordweltmeister die Topposition zwar wieder an Antonelli, er konnte aber immerhin zeigen, dass mit der Scuderia wieder zu rechnen ist.

Lewis Hamilton führt das Feld in die erste Kurve. Foto: Vincent Thian/AP/dpa
Lewis Hamilton führt das Feld in die erste Kurve. Foto: Vincent Thian/AP/dpa

Eine Kollision zwischen Verstappens Teamkollege Isack Hadjar und Oliver Bearman im Haas verlieh dem Start schon früh weitere Brisanz. Es dauerte aber bis zur elften Runde, als nach einem Aus von Aston Martins Lance Stroll das Safety Car auf den Shanghai International Circuit fuhr. Die Topteams nutzten das, um ihren Autos frische harte Reifen zu verpassen.

Nachdem das Rennen wieder freigegeben wurde, behauptete Antonelli Rang eins vor dem drängenden Hamilton. Russell, der tags zuvor den Sprint über 100 Kilometer für sich entschieden hatte, kam dagegen erstmal nur schleppend voran. „Ich habe keinen Grip“, klagte der Engländer.

Keine Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien

Die Fans, die wegen der militärischen Eskalation im Nahen Osten die Absage der Grand Prix von Bahrain am 12. April und eine Woche später in Saudi-Arabien verkraften müssen, kamen in Shanghai weiter auf ihre Kosten. Vor allem Hamilton und sein Ferrari-Stallrivale Charles Leclerc schenkten sich bei der Verfolgung des enteilten Antonelli nichts.

Russell nutzte diesen übermotivierten Abreibungszweikampf und nahm nun selbst die Jagd nach Antonelli auf. Doch selbst im Verkehr behielt der junge Italiener den Durchblick und raste zur Freude von Papa Marco zu seinem ersten Formel-1-Sieg im erst 26. Grand Prix.

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