Lotte  „Auch mal lachen“: Armin Laschet beim Herrenabend in Wersen zum Krautkönig gekrönt

Frank Klausmeyer
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Von Frank Klausmeyer
| 14.03.2026 19:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Beim 48. Herrenabend des Bürgervereins Wersen wurde Armin Laschet vor rund 300 Gästen zum Krautkönig gekrönt. Sprücheklopfer waren auch diesmal das Salz in der Suppe.

Der Mann war ja schon fast alles: Europaabgeordneter, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, CDU-Bundesvorsitzender und 2021 sogar Kanzlerkandidat. Und jetzt ist er auch noch Krautkönig, eine Ehre, auf die sich Armin Laschet nach eigenen Worten seit seinem 15. Lebensjahr vorbereitet hat. Bevor er am Freitagabend beim 48. traditionellen Herrenabend des Bürgervereins Wersen die Königskette entgegennahm, wurde er von den fast 300 Männern im Saal tüchtig ausgelacht.

Der 48. Herrenabend war in der nunmehr 50-jährigen Historie dieser männerlastigen Veranstaltung einer der stärksten. Ein Indiz war die Ruhe, die – abgesehen von Lachsalven und mitunter tosendem Beifall – während der Wortbeiträge im Saal herrschte. Das war nicht immer so. Mit Kay Scheffel, Bauchredner, Parodist, Komiker und Entertainer, hatte Vorsitzender Olaf Wienhaus für den Showteil zudem mal wieder einen Volltreffer gelandet.

„Da war noch was offen“, hatte Wienhaus eine Woche zuvor beim Probeessen hinter vorgehaltener Hand schon einmal durchblicken lassen, wer denn neuer Krautkönig werden soll. Für das hohe Amt war Laschet, damals noch NRW-Ministerpräsident, nämlich schon im Jahr 2020 auserkoren.

Doch damals mussten sein Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, der am Freitag die Laudatio hielt, und er drei Tage vor dem Herrenabend eine Coronaschutzverordnung erlassen, die derlei gesellige Treffen nicht mehr zuließ.

Bürgermeister Philip Middelberg oblag es, das ausverkaufte Haus mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu begrüßen. Während in der Vergangenheit die Wersener und die Osnabrücker Fraktion gegenseitig spaßeshalber Spitzen zur Bedeutungslosigkeit der jeweils anderen Seite verteilten, blieben derlei Seitenhiebe dieses Mal aus. Vielleicht liegt der schiedlich-friedliche Umgang ja daran, dass das Gasthaus Thies im Grenzgebiet von Osnabrück und Lotte seit vier Jahren ein recht neutraler Austragungsort ist.

Grüße aus dem „Paris an der Hase“ überbrachte dieses Mal Robert Alferink, Oberbürgermeisterkandidat der Osnabrücker SPD bei der Kommunalwahl im September. Er freute sich, dass er als Sozialdemokrat überhaupt sprechen durfte. „Die SPD ist ja zuletzt in Baden-Württemberg in den Prozentbereich dieses Bieres geschrumpft“, erhob er sein Glas. In Osnabrück komme die Partei immerhin noch auf den Wert eines guten Eierlikörs. „Aber siegen lernen, heißt von Lotte lernen. Hier haben die Sozialdemokraten seit jeher den Prozentgehalt eines gut brennbaren Whiskys.“

Unverständnis äußerte Alferink über seine Kontrahentin bei der OB-Wahl, Katharina Pötter (CDU). „Die weigert sich seit Jahren, beim Herrenabend zu erscheinen. Das macht man nicht!“

Nachdem rund 300 Haxen mit Sauerkraut und Püree verputzt waren, enterte Kay Scheffel die Bühne. Der Mann sieht nicht nur so aus wie der unvergessene Heinz Erhardt, „ich bin auch genauso schwer.“ Mit einigen Gedichten seines großen Vorbildes und, als Hommage an ihn, eigenem Wortwitz aus „Das Gelbe von Kay“ sorgte er ebenso für Vergnügen wie mit Kalauern aus dem Munde seiner Puppen „Rocky“ und „Juanita“.

Richtig komisch wurde es, als der Künstler des Jahres 2024 Laschet als Probanden auf die Bühne holte und dieser sich aus Scheffels Bauch heraus in tiefem Ton als Jodelkönig outen musste. Und als der Ehrengast mit gleicher Technik und im Duett mit Wirtstochter Anne Thies noch einen Rock ’n’ Roll und das französische Kinderlied „Frère Jacques“ anstimmte, blieb kein Auge trocken. Köstlich.

Laschet erträgt seinen Auftritt nicht nur mit Gelassenheit, sondern hat sichtlich Spaß daran. Wie überhaupt der neue Krautkönig sich auch selbst auf die Schippe nehmen kann. Das gilt sogar für seine wohl als Kanzlerkandidat schmerzlichste politische Niederlage. „Im Bundestagswahlkampf 2021 hat man mir gesagt, ich soll nicht immer so ernst gucken und muss auch mal lachen.“ Dass er dies dann ausgerechnet im Hintergrund bei einer Rede des Bundespräsidenten im Flutgebiet in Nordrhein-Westfalen tat, fiel ihm auf die Füße. Nach dem sogenannten „Laschet-Lacher“ sackten seine Umfragewerte und die der CDU in den Keller.

Aber Laschet wollte, wie er am Freitag bei seiner Thronrede verriet, seit seiner Jugend sowieso immer lieber Krautkönig werden. Diesen Titel habe der Bürgerverein 1976 erfunden, um nach der kommunalen Neugliederung den Zusammenhalt zwischen Lotte und Wersen zu stärken.

Doch dafür muss ein Anwärter einige Voraussetzungen erfüllen, wie Laschet – bestens vorbereitet auf den Herrenabend – deutlich machte: Nicht schaden kann der Orden wider den tierischen Ernst, den der Karnevalsverein in seiner Heimatstadt Aachen alljährlich verleiht und den bereits seine königlichen Vorgänger Heeremann, Rüttgers und Westerwelle bekommen hatten. Laschet war 2020 an der Reihe.

Das Ministerpräsidentenamt kann auch nicht schaden, wie er von Wulff, Weil, McAllister und wieder Rüttgers wusste. Und nicht weniger vorteilhaft ist eine Affinität zum Fußball, wie die Krautkönige Lemke, Niebaum und Holger Elixmann, Präsident des VfL Osnabrück und Majestät im Jahr 2024, unterstreichen. Für Letztgenannten hatte der bekennende Aachen-Fan noch ein besonderes Gastgeschenk im Gepäck: Seine Alemannia hatte am Abend den Osnabrücker Aufstiegskontrahenten Cottbus mit 4:1 geschlagen. Jubel im Saal.

„Jetzt bin ich nicht Bundeskanzler geworden, aber Krautkönig von Wersen“, erklärte Laschet und versprach, sein Bestes zu geben, um dieser Auszeichnung gerecht zu werden. Bei allem Spaß schlug Laschet zum Schluss aber noch ein paar ernsthafte Töne an. „Diese Region ist in Kriegszeiten immer eine Region der Hoffnung gewesen“, sagte das Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag mit Hinweis auf den Westfälischen Frieden.

Gegenwärtig werde jedoch vieles infrage gestellt, was Frieden und Freiheit ausmache. Gerade nachfolgende Generationen müssten immer wieder neu dafür gewonnen werden. „Lasst uns alles tun, dass unsere Demokratie geschützt wird, Europa stabil bleibt und wir den Frieden bewahren“, appellierte Armin I. „Humor ist dafür eine wichtige Voraussetzung.“ Seine Untertanen signalisierten mit lang anhaltendem, stehendem Applaus ihre Unterstützung.

Sprücheklopfer sind bei den Herrenabenden des Bürgervereins Wersen das Salz in der Suppe. Das war bei der 48. Auflage am Freitag nicht anders. Schlüpfrig, wie zu früheren Zeiten durchaus nicht unüblich, wurde es aber nicht. Lieber nahmen sich die Redner auch mal selbst auf die Schippe. Hier eine Auswahl:

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