Osnabrück Stephanuskirche in Osnabrück-Atter vor dem Aus: Gemeinde will Gebäude verkaufen
Abschied in der Nordwestgemeinde Osnabrück: Die Stephanuskirche und das Pfarrhaus in Atter sollen verkauft werden. Warum der Schritt aus Sicht der Kirche unausweichlich ist.
Weniger Mitglieder bei gleichzeitig steigenden Kosten für Personal und Unterhalt: Die evangelisch-lutherische Nordwestgemeinde Osnabrück steht unter finanziellem Druck. Die Kirche kommt um Einsparungen nicht herum und reagiert: Die Stephanuskirche und das Pfarrhaus in Atter sollen verkauft werden.
Der Kirchenvorstand hat die Pläne jetzt in einer Gemeindeversammlung vorgestellt. Er sprach von schwierigen Entscheidungen. Der Kirchenkreis hatte zuvor seine Gebäude anhand von Kriterien wie dem baulichen Zustand, dem kulturellen Wert, der Nutzung und dem energetischen Standard bewertet. Die Standorte wurden in die A-, B- oder C-Gruppe einsortiert. Die Eingruppierung entscheidet darüber, ob und mit wie viel Geld von der hannoverschen Landeskirche zu rechnen ist. Es geht damit auch um die Frage, welche Kirchen langfristig erhalten werden können und welche nicht.
Die Stephanuskirche wurde vom Kirchenkreis als sogenannte „B-Kirche“ eingestuft. Da keine Investitionen sinnvoll möglich seien, sollen Gebäude und Pfarrhaus verkauft werden. Damit will sich die Gemeinde auf die Markuskirche am Julius-Heywinkel-Weg, das Gemeindehaus und das von der Jugend genutzte Blockhaus am Stephanusweg konzentrieren.
Der Verkauf schafft laut der Nordwestkirche Spielraum für andere Aktionen vor Ort, etwa in den Stadtteilen und im Landwehrviertel. Auch der musikalische Schwerpunkt und die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Musik und Kultur (AG MuK) sollen gestärkt werden. „Wir brauchen Luft, finanziell und personell, um unsere Arbeit in den Stadtteilen fortsetzen zu können“, wird ein Mitglied des Kirchenvorstands in der Pressenotiz zitiert.
Die Stephanuskirche stammt aus dem Jahr 1965. Mit ihr erhielten die lutherischen Gemeindeglieder in Atter einen eigenen Kirchbau, nachdem sie erst zur St.-Michaelis-Kirche und dann zur Markuskirche gehört hatten. Ein eigenes Gemeindehaus gab es lange Jahre nicht. Es wurde erst 1991 eingeweiht und 2003 um ein Blockhaus ergänzt.
Zum Profil der Nordwestgemeinde gehören neben Gottesdiensten, Seelsorge und Besuchen auch kulturelle und diakonische Schwerpunkte: Der Chor „ChoirFire“, sozial-diakonische Projekte in den Stadtteilen, das Projekt „Landwehrviertel“ und gemeinschaftliche Aktionen wie das Tauffest auf dem Campingplatz Bullerby am Attersee oder ökumenische Veranstaltungen prägen die Arbeit, heißt es in der Mitteilung weiter.
Besuche bei Menschen, Begleitung in Trauer oder Krankheit und vielfältige Gottesdienste sind für Pastorin Jutta Tloka das Herzstück der Gemeinde. „Gleichzeitig brauchen wir Orte der Begegnung, Musik, Feste und Feiern, um Gemeinschaft zu erleben und Kraft zu schöpfen und auch unseren Beitrag für unsere Stadtteile zu geben. Das bleibt unser Ziel – gemeinsam als Teil des Kirchenkreises und der Gesellschaft, zusammen mit engagierten Menschen vor Ort“, betonte die Pastorin.