Kämpfe im Nahen Osten Chemiebranche fürchtet Lieferkettenengpässe wegen Iran-Krieg

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Von dpa
| 13.03.2026 09:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Chemieindustrie leidet seit Jahren unter teurer Energie und der schwachen Wirtschaft. (Symbolbild) Foto: Uwe Anspach
Die Chemieindustrie leidet seit Jahren unter teurer Energie und der schwachen Wirtschaft. (Symbolbild) Foto: Uwe Anspach
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Die deutsche Chemieindustrie steckt seit Jahren in der Flaute. Nun verschärft der Iran-Krieg ihre Lage. Die Branche fürchtet Engpässe bei wichtigen Rohstoffen wegen der blockierten Straße von Hormus.

Die deutsche Chemieindustrie warnt vor Störungen in den Lieferketten wegen des Kriegs im Iran. Grund sei die Blockade der Straße von Hormus, die längst nicht nur die Öl- und Gasversorgung betreffe. „Es besteht die Sorge ernster, zunehmender Versorgungsengpässe bei Rohstoffen – zum Beispiel bei Ammoniak und Phosphat, Helium und Schwefel“, berichtet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt. Es gebe erste Hinweise auf Störungen bei internationalen Lieferketten.

Düngemittel betroffen

Betroffen von der Blockade der Straße von Hormus seien etwa Düngemittel, denn 20 Prozent des Welthandels mit Ammoniak würden aus Nahost durch die Meerenge geliefert, sagte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Bei Schwefel verlaufe 50 Prozent des Seehandels durch die Straße von Hormus. Schwefelsäure ist essenziell etwa für Düngemittel und Chemikalien. „Bei Helium hat die Chipindustrie bereits erhebliche Sorgen, weil 40 Prozent des weltweiten Heliums aus Katar kommt“, sagte er. „Hier geht es um Elektronikindustrie, Halbleiterfertigung und Luft und Raumfahrttechnik.“

Je länger der Krieg dauere, desto heftiger seien die Folgen. Die hohen Preise und die anhaltende Unsicherheit brächte viele Betriebe an ihre Grenzen, sagte Große Entrup. „Strategische Planung ist immer weniger möglich. Stattdessen fahren die Unternehmen auf Sicht.“

Krieg verschärft Lage

Der Iran-Krieg trübt die Aussichten für die seit Jahren schwächelnde Chemiebranche, die unter hohen Energiepreisen, Überkapazitäten am Weltmarkt und der schwachen Wirtschaft leidet. Der VCI zog seine Prognose für 2026 zurück. Zuletzt hatte er eine stagnierende Produktion in der Chemie- und Pharmaindustrie erwartet und für die Chemie allein einen Rückgang um ein Prozent. In den vergangenen vier Jahren seien in Europa bereits rund zehn Prozent der chemischen Produktionskapazitäten stillgelegt worden, sagte Große Entrup.

Viele Chemiekonzerne haben wegen der Krise Sparprogramme aufgelegt. So baut Branchenführer BASF Tausende Jobs ab: Rund 4.800 Beschäftigte haben den Konzern zwischen Ende 2023 und Ende 2025 verlassen.

2025 litt die Chemie- und Pharmabranche mit 478.000 Beschäftigten unter Nachfrageschwäche und billiger Konkurrenz aus China. Der Umsatz fiel um 1,4 Prozent auf 219,6 Milliarden Euro. In der konjunktursensiblen Chemie sank die Produktion um 3,3 Prozent, in der Pharma-Branche stieg sie dagegen um 4,5 Prozent.

IG BCE warnt vor Kahlschlag in der Chemie

Die Gewerkschaft IG BCE warnt vor einem Kahlschlag in der deutschen Chemieindustrie wegen Überkapazitäten. Es bestehe die Gefahr eines „unkontrollierten Kapazitätsabbaus“ in der chemischen Grundstoffproduktion, sagte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Damit drohe der Verlust kompletter Industriecluster.

Viele Grundstoffhersteller erwägen laut der Gewerkschaft Schließungen von Anlagen, weil sich am Weltmarkt Überkapazitäten bei Grundchemikalien von geschätzt 20 Prozent gebildet haben. In der Chemie, wo Grundchemikalien als Ausgangsstoffe für Folgeprodukte wie Kunststoffe, Medikamente und Farbstoffe dienen, sorgt das für Preisdruck. Vassiliadis appellierte an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), sich für die Branche einzusetzen.

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