Osnabrück  Rheinmetall winkt bei VW Osnabrück ab: Wie der Rüstungskonzern das begründet

Wilfried Hinrichs, Tim Prahle
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Von Wilfried Hinrichs, Tim Prahle
| 12.03.2026 15:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wird das VW-Werk in Osnabrück eine Panzerfabrik? Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Wird das VW-Werk in Osnabrück eine Panzerfabrik? Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Die Produktion von VW-Autos in Osnabrück steht vor dem Aus. Das Gerücht eines Einstiegs von Rheinmetall hielt sich. Warum der Konzern dem Standort nun eine Absage erteilt.

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat einer möglichen Übernahme des VW-Werks Osnabrück eine Absage erteilt. „Eine Übernahme des Werkes in Osnabrück ist unter den gegebenen Voraussetzungen kein Thema für Rheinmetall“, sagte ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Zunächst hatte die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet.

VW sucht derzeit nach einer neuen Verwendung für den Standort, wenn dort 2027 die Pkw-Fertigung ausläuft. Rheinmetall aus Düsseldorf galt lange als möglicher Interessent. Dessen Vorstandschef Armin Papperger hat die Fabrik vor einem Jahr besucht und dort auch Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit ausgelotet. Das hatte in Osnabrück auch zu Protesten geführt.

Nun ist klar: Rheinmetall hatte das VW-Werk vor allem für die Produktion des Transportpanzers „Fuchs Evolution“ benötigt. Doch die Bundeswehr als potenzieller Großabnehmer entschied sich für ein anderes Produkt, jenes des finnischen Rüstungsherstellers Patria. Die Entscheidung hatte damals sogar die niedersächsische Landesregierung auf den Plan gerufen. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) beteiligte sich an einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz, in dem eine „Deutschland-Garantie“ bei Rüstungsvorhaben gefordert wurde.

Offenbar hatte das Land damals auch das taumelnde VW-Werk in Osnabrück im Blick, offiziell begründet das Ministerium auf Anfrage unserer Redaktion den offenen Brief damit, dass ein „starkes Industrie- und Bundeswehrland wie Niedersachsen bei großen Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr angemessen berücksichtigt wird“.

Es kam anders. Rheinmetall zog beim Bundeswehr-Auftrag den Kürzeren, zusätzliche Kapazitäten und damit das Werk Osnabrück wurden nicht mehr benötigt. So hatte es Rheinmetall-Chef Papperger auch schon vergangenen Herbst verlautbaren lassen. Dennoch hielten sich die Gerüchte eines Rheinmetall-Einstieges hartnäckig, jüngst hieß es, Osnabrück könne von einem anderen Rheinmetall-Auftrag profitieren. Angeblich wolle der Konzern schusssichere Fahrerkabinen für Militärlaster in Osnabrück bauen lassen. Ob mit der Absage einer kompletten Übernahme des Werkes nun auch dieser vergleichbar kleine Auftrag vom Tisch ist, ließ das Unternehmen aus Düsseldorf offen. Klar ist, dass dieser Auftrag nur einen kleinen Teil der 2300 Mitarbeiter in Osnabrück beschäftigt hätte.

Und am Werk selbst gehen die Verantwortlichen entsprechend gelassen mit der Rheinmetall-Absage um: „Für uns ändert sich dadurch nichts“, sagte die Sprecherin der VW Osnabrück GmbH. „Wir prüfen weiter intensiv verschiedene Optionen für die langfristige Auslastung des Werkes.“

Für die VW-Belegschaft in Osnabrück kommt die Absage von Rheinmetall nicht überraschend. Insider hatten die Signale aus Düsseldorf schon vor Monaten so gedeutet, dass die Waffenschmiede keine zusätzlichen Kapazitäten für den Bau gepanzerter Fahrzeuge benötige, vor allem nicht ein ganzes Werk wie VW Osnabrück. Auch den Osnabrücker IG-Metall-Chef Stephan Soldanski schockte die Rheinmetall-Absage am Donnerstag nicht. Kommentieren wollte er die Entwicklung allerdings nicht, dafür sei im Moment „zu wenig berechenbar“ und „zu viel in Bewegung“. Spekulationen weiter anzuheizen, helfe weder VW Osnabrück noch den hier Beschäftigten weiter, so Soldanski. Der Standort Osnabrück hat in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach Besuch von potenziellen Auftraggebern oder Investoren bekommen. Die Treffen fanden immer unter großer Verschwiegenheit statt. Auch am Donnerstag soll sich die Delegation eines Unternehmens im Werk aufgehalten haben.

Offen bleibt, ob die derzeit boomende Rüstungsindustrie der Rettungsanker für das Werk bleiben könnte. Erst am Dienstag hatte VW-Chef Oliver Blume angekündigt, bis Ende 2026 über die Zukunft des Werkes Osnabrück zu entscheiden. Zugleich bestätigte er, dass es dort auch Gespräche mit Rüstungsunternehmen gebe. Zudem hatten Mitarbeiter aus Osnabrück einen eigenen Militär-Amarok entwickelt und auf einer Rüstungsmesse zur Markterkundung präsentiert.

Die Produktion der in Osnabrück gebauten Porsche-Modelle ist bereits ausgelaufen, Mitte 2027 dann auch die Fertigung des VW T-Roc Cabrios.

Osnabrück ist das kleinste VW-Werk. Der Standort war 2009 nach der Insolvenz von Karmann zu VW gekommen. Zuvor war Karmann jahrzehntelang Auftragsfertiger für VW.

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