Teheran Blockade der Straße von Hormus: Welche Ausweichrouten haben die Ölkonzerne?
Das iranische Regime in Teheran blockiert die Straße von Hormus, das Nadelöhr des Weltmarkts für Öl. Die Exporteure am Persischen Golf haben nur wenige Ausweichrouten. Echte Alternativen sind das nicht.
Die Straße von Hormus ist die Achillesferse der Ölwirtschaft. Über die schmale Meerenge transportieren Ölkonzerne einen Teil der Ware, die den globalen Energiemarkt am Laufen hält – jedenfalls normalerweise.
Das iranische Regime blockiert den Seeweg für Öltanker de facto mit militärischen Drohungen sowie Raketen- und Drohnenangriffen. Es lässt nur Schiffe durch, die eine Erlaubnis Teherans haben. Sogar Seeminen soll es gelegt haben.
Der Schaden für Mineralölkonzerne ist riesig. Laut dem US-Wirtschaftsmagazin „Barron’s“ summiert er sich innerhalb der ersten Blockade-Woche auf mehrere Milliarden US-Dollar. Geladenes Öl geht nicht verloren, kann aber nicht bewegt werden. Dadurch verlieren Konzerne Exporterlöse.
Gleichzeitig steigen die Kosten. Viele Tanker gehören nicht Mineralölkonzernen, sondern Reedereien; die Ölkonzerne chartern sie. Nach Angaben des Branchendienstes Clarksons Research liegen die Charterkosten für große Tanker bei Zehntausenden US-Dollar pro Tag und Schiff.
Hinzu kommen laufende Betriebskosten. Besonders teuer sind sogenannte War-Risk-Versicherungen, die bei Fahrten durch Konfliktgebiete fällig werden. Laut Lloyd’s List Intelligence können diese Hunderttausende US-Dollar pro Passage betragen. Reedereien verlangen von Mineralölkonzernen außerdem Vertragsstrafen für verzögerte Be- und Entladung der Tanker.
Der Ölpreis sprang deswegen zeitweise auf fast 120 Dollar pro Barrel. Analysten der Investmentbank Goldman Sachs warnen laut „Arise News“ vor Preisen bis 150 Dollar, sollte die Blockade anhalten.
Ganz ohne Ausweichrouten stehen Ölkonzerne nicht da. Einige Exportländer haben Pipelines gebaut, um im Krisenfall einen Teil des Öls an der Straße von Hormus vorbei zu transportieren.
Die wichtigste Route liegt in Saudi-Arabien. Die East-West-Pipeline, auch Petroline genannt, führt von Ölfeldern im Osten des Landes quer über die Arabische Halbinsel in den Hafen Yanbu am Roten Meer. Von dort fahren Tanker das Öl über den Suezkanal nach Europa. Die saudische Erdölfördergesellschaft Aramco teilte am 10. März mit, die Pipeline werde „in den nächsten Tagen“ auf ihre volle Kapazität von sieben Million Barren pro Tag erreichen.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verfügen über eine Umgehungsroute. Die Habschan-Fudschaira-Pipeline verbindet die Ölfelder von Abu Dhabi über rund 365 Kilometer mit dem Hafen von Fudschaira am Golf von Oman. Von dort aus Tanker fahren in den Indischen Ozean. Laut EIA liegt die Kapazität der Leitung bei 1,5 bis 1,8 Millionen Barrel pro Tag.
Die Ausweichrouten können das festgesetzte Handelsvolumen jedoch nicht annähernd ersetzen, selbst bei ausgelasteten Leitungen. Zusammen schaffen sie rund acht bis neun Millionen Barrel täglich.
Kuwait, Irak und Katar sind sogar fast vollständig auf Öltanker angewiesen, die den Persischen Golf über die Straße von Hormus verlassen. Sie können ihr Öl nur schwer umleiten. Erstens liegen die Ölfelder dieser Staaten am Persischen Golf. Ihre Exportinfrastruktur – Terminals, Tanklager, Verladestationen – ist auf Export über die Straße von Hormus ausgelegt.
Zweitens fehlen ihnen leistungsfähige Pipelines zu Häfen am Roten Meer oder am Mittelmeer. Der Irak verfügt über die Irak-Türkei-Pipeline von seinen Ölfeldern um Kirkuk zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Doch die kann nur einen Teil umgeleiteten Öls aufnehmen.
Drittens lassen sich Ölpipelines nicht kurzfristig einrichten. Ihr Bau dauert Jahre und kostet Milliarden. Sie müssen durch Transitländer, Gebirge und Wüsten gebohrt werden.
Die Staaten am Persischen Golf sind also darauf angewiesen, dass das Regime in Teheran Öltanker die Straße von Hormus passieren lässt. Derzeit können sie nur warten. Echte Alternativen haben sie nicht.