Osnabrück Wieder schwarze Zahlen: Niels-Stensen-Kliniken gelingt die Wende nach der Beinahe-Pleite
Ende 2023 standen die Niels-Stensen-Kliniken vor der Insolvenz. Ein harter Sparkurs mit Schließung mehrerer Häuser trägt nun erste Früchte. Ein Krankenhaus schreibt sogar wieder schwarze Zahlen.
Er war vor zwei Jahren noch sterbenskrank. Jetzt lebt der katholische Niels-Stensen-Klinikverbund langsam wieder auf und kommt zu Kräften: Die Jahresabschlüsse der Niels-Stensen-Krankenhäuser in der Region Osnabrück für das Jahr 2025 zeigen einen deutlichen Trend nach oben, wie die Geschäftsführung berichtet. Das Marienhospital Osnabrück (MHO) schreibt sogar wieder schwarze Zahlen. Wenn auch noch kleine.
Die Mehrzahl der Einrichtungen in der Region Osnabrück ist zwar weiterhin defizitär. Aber die Ergebnisse, zumeist im „niedrigen siebenstelligen Bereich“, wertet Niels-Stensen-Geschäftsführerin Christina Jaax als „ermutigend“.
Den größten Sprung machte das Flaggschiff des Klinikverbundes, das Marienhospital Osnabrück: Es verbuchte für 2025 ein positives Ergebnis von rund 1,4 Millionen Euro. Zur Einordnung: 2024 lag das Minus bei 8,8 Millionen Euro, im bislang schlimmsten Krisenjahr 2023 sogar bei 26 Millionen Euro.
Das Marienhospital profitierte stark von der Konzentration von Leistungen auf den Maximalversorger im Zentrum von Osnabrück. Die Operationssäle sind nach den Worten der Geschäftsführerin optimal ausgelastet.
Die Teams im MHO konzentrieren sich auf die aufwendigen Operationen, möglichst viele Routineeingriffe werden im Haus am Natruper Holz ambulant vorgenommen. Wir haben im Marienhospital Osnabrück und Franziskus-Hospital Harderberg kaum noch Lücken im OP-Plan“, sagt Jaax. Die Prozesse seien schlanker geworden, das Personal könne effizienter arbeiten.
Im Zuge der Medizinstrategie 2028 wurden den Krankenhäusern Schwerpunkte zugeordnet, was die Verlagerung ganzer Fachabteilungen verlangte. Die Geburtshilfe des Franziskus-Hospitals Harderberg etwa zog um ins MHO, das Christliche Klinikum in Melle (CKM) wurde zum Geriatrischen Zentrum. Das Franziskus-Hospital konzentriert sich auf Orthopädie und Lungenmedizin.
Das sei für die Beschäftigten mit zum Teil tiefgreifenden Veränderungen verbunden gewesen. Doch inzwischen seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „angekommen“, so Jaax. „Die Umzüge haben gut funktioniert.“
Auch das Klinikum Melle schloss 2025 mit einem Ergebnis im niedrigen einstelligen Millionenbereich ab. Das Minus habe sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert, so Jaax. Die Geriatrie in Melle zeige eine „sehr gute Entwicklung“ und werde von den Patienten und ihren Angehörigen auch wegen der überschaubaren Größe geschätzt.
Die Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik in Bramsche ist wirtschaftlich solide aufgestellt. Das leicht positive Jahresergebnis ist daher keine Überraschung.
Die wirtschaftliche Gesundung des Franziskus-Hospitals auf dem Harderberg wird nach Einschätzung der Geschäftsführerin noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Es stehen erhebliche Investitionen in den OP-Bereich an, was die derzeitigen Operationskapazitäten einschränkt. Die Entwicklung sei dennoch „gut“, so Jaax. Zum Gesamtergebnis trage auch bei, dass im Franziskus die größte Krankenhausapotheke Norddeutschlands* arbeite.
Ist die Wende geschafft? Christina Jaax lässt sich zu so viel Euphorie nicht hinreißen. Aber sie äußert sich im noz-Gespräch zuversichtlich, dass die Medizinstrategie zur Gesundung des Konzerns beitragen wird. Die Niels-Stensen-Kliniken haben aus ihrer Sicht jedenfalls das getan, was in ihrer Macht steht. Jetzt hänge viel davon ab, wie Bund und Länder die lange diskutierte Krankenhausreform umsetzten, sagte Jaax.
Zum Jahreswechsel 2023/2024 stand den Niels-Stensen-Kliniken das Wasser bis zum Hals. Die Angst vor der Zahlungsunfähigkeit war so groß, dass der damalige Geschäftsführer Werner Lullmann in einem Brandbrief Stadt und Landkreis Osnabrück um schnelle Finanzhilfen bat. Am Ende sprang das Bistum mit Sicherungen im Umfang von 31 Millionen Euro ein, um den Klinikverbund vor der Insolvenz zu bewahren.
Im nächsten Schritt verordnete sich Niels Stensen einen Konsolidierungsplan, der schmerzhafte Einschnitte vorsah. Die Krankenhäuser St. Raphael in Ostercappeln und St. Elisabeth in Thuine (Emsland) wurden geschlossen, die Klinik am Natruper Holz in Osnabrück umfunktioniert. Das Marienhospital Ankum-Bersenbrück war bereits zuvor in ein regionales Gesundheitszentrum umgewandelt worden.
Zugleich haben der Klinikverbund und die Stadt Osnabrück als Trägerin des Klinikums Osnabrück einen Prozess zur engeren Kooperation gestartet. Ziel ist eine Holding, die das Marienhospital, das Franziskus und das Klinikum wirtschaftlich zusammenführt. Außerdem wird eine weitgehende Arbeitsteilung und Schwerpunktbildung angestrebt. Im April und Mai sollen erste konkrete Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen vorliegen.
* In der ersten Fassung des Textes war irrtümlich die Rede vor der größten Krankenhausapotheke Deutschlands. Wir haben die Aussage korrigiert.