Osnabrück Wenn Grün zur Gefahr wird: Darum wird an Regenrückhaltebecken in Osnabrück so viel gefällt
Bürger in Osnabrück beklagen einen Kahlschlag an Regenrückhaltebecken. Die Stadtwerke halten dagegen: Der radikale Rückschnitt ist für den Hochwasserschutz der Stadt unverzichtbar.
In Osnabrück sorgen radikale Rückschnitte von Bäumen und Sträuchern an Regenrückhaltebecken derzeit für Unmut unter den Bürgern. Anwohner nehmen die Arbeiten als „Verstümmelungen“ von gesundem Grün wahr. Die Stadtwerke Osnabrück (SWO) hingegen betonen, solche Eingriffe seien notwendig für die Sicherheit der Stadt.
Regenrückhaltebecken mögen für viele wie kleine Naherholungsgebiete wirken, sind in Wahrheit aber wichtige technische Anlagen. „Sie dienen der Entwässerung und auch dem Hochwasserschutz“, erklärt Stadtwerke-Sprecher Sebastian Philipp.
Ein zu starker Bewuchs gefährdet diese Funktion. Pflanzen und Wurzeln lassen die Becken mit der Zeit versumpfen. Dadurch verlieren sie an Speichervolumen und können ihre Schutzfunktion bei Starkregen nicht mehr ausreichend erfüllen.
Ohne die Rückhaltebecken als Puffer würde das Regenwasser von Straßen und Dächern ungefiltert in die Kanalisation und Flüsse wie Hase und Düte schießen – was das Überflutungsrisiko laut Philipp massiv erhöht.
Neben der Speicherkapazität spielt auch die Erreichbarkeit der Becken eine zentrale Rolle. Besonders kritisch ist Bewuchs an den Bauwerken für Zu- und Ablauf: Ab einem gewissen Grad drohen Rechen zu verstopfen und somit den Wasserfluss zu behindern.
Als Betreiber müssen die Stadtwerke dem Sprecher zufolge auch jederzeit in der Lage sein, sämtliche Bauwerke für Inspektionen oder bei Störungen zu erreichen. Regelmäßige Gehölzarbeiten dienen daher auch der Verkehrs- und Arbeitssicherheit.
Pflanzen werden laut Philipp nur entfernt, wenn es unbedingt nötig ist. In der Regel erfolgt ein Rückschnitt – die Pflanzen werden „auf den Stock gesetzt“, damit das Grün gesund nachwachsen kann.
Ein aktuelles Beispiel für diese Pflege findet sich in Osnabrück-Hellern an der Ecke Im Grünen Tal/Haunhorstberg. Dort wurden die Wasserlinie freigeschnitten und erkrankte Gehölze entfernt – zur Vorbereitung einer im Herbst geplanten Entschlammung, sagt Philipp. Auch Fällungen unter Hochspannungsfreileitungen waren dort aus Sicherheitsgründen notwendig.
Der Stadtwerke-Sprecher betont den ökologischen Aspekt. „Die Pflegearbeiten finden grundsätzlich außerhalb der Brut- und Setzzeit statt.“ Ziel bleibe es, die über 100 Becken im Stadtgebiet auch künftig naturnah und grün zu gestalten.