Osnabrück  Autozulieferer in der Krise: Zender Solutions in Osnabrück zum zweiten Mal insolvent

Karsten Frei
|
Von Karsten Frei
| 11.03.2026 16:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im Rückblick hat die Neuaufstellung von Zender vor zwei Jahren nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Foto: Karsten Frei
Im Rückblick hat die Neuaufstellung von Zender vor zwei Jahren nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Foto: Karsten Frei
Artikel teilen:

Der Neustart hielt nicht einmal zwei Jahre: Der Osnabrücker Autozulieferer Zender ist erneut insolvent. Dennoch läuft der Betrieb weiter. 27 Jobs stehen auf dem Spiel.

Vom Maskenhersteller in der Pandemie zum nächsten Insolvenzfall: Der Osnabrücker Automobilzulieferer Zender ist erneut pleite. Über das Vermögen der Zender Solutions GmbH ist das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet worden. Für den Standort in Osnabrück heißt das vorerst allerdings nicht Stillstand. Der Betrieb läuft weiter.

Sachwalter des Verfahrens ist Rechtsanwalt Stephan Michels. Auf Anfrage teilte Marcus Vorast aus dessen Osnabrücker Kanzlei Michels Wilmes mit, das Verfahren sei eröffnet, der Geschäftsbetrieb werde uneingeschränkt und vollumfänglich fortgeführt. Zender erlebt damit die zweite schwere Krise in kurzer Zeit.

Schon 2024 war das Unternehmen durch eine Sanierung in Eigenverwaltung gegangen. Damals wurden 35 von ursprünglich 65 Arbeitsplätzen gerettet. Die neu gegründete Zender Solutions GmbH sollte das Geschäft fortführen – allerdings nicht mit dem gewünschten Effekt.

Ganz am Ende ist der Betrieb nach Darstellung aus der Kanzlei des Sachwalters aber nicht. Derzeit beschäftigt Zender Solutions in Osnabrück noch 27 Mitarbeiter. Personalmaßnahmen seien aktuell nicht geplant. Auch die Auftragslage wird als stabil beschrieben. „Kunden platzierten regelmäßig kurz- und langfristige Aufträge“, teilt Vorast mit. Also: Insolvenz ja. Abwicklung wohl erst einmal nicht.

Zender ist in Osnabrück kein großer Name mit Tausenden Jobs, aber eben auch kein x-beliebiger Betrieb: Laut Handelsregister und Unternehmensangaben wird hier vor allem für die Automobilindustrie produziert – etwa Bauteile aus Kohlefaserverbundwerkstoff und anderen Composite-Materialien. Zum Geschäft gehörten nach eigenen Angaben etwa Spiegelkappen, Türverkleidungen, Armaturenbretter und Frontspoiler, oft aus Carbon.

Bekannt wurde das Unternehmen zeitweise allerdings aus einem ganz anderen Grund. In der Corona-Pandemie stellte Zender die Produktion teilweise auf Schutzmasken um. Nach eigenen Angaben fertigte die Firma damals erst Hunderttausende Masken pro Woche, später Millionen OP-Masken für den Bund. Aus dem Autozulieferer wurde kurzfristig ein systemrelevanter Hersteller.

Geblieben ist davon offenkundig wenig. Der Maskenboom war ein Ausnahmezustand, kein tragfähiges Geschäftsmodell auf Dauer.

Warum die Sanierung von 2024 nicht dauerhaft gereicht hat, beantwortet die aktuelle Stellungnahme des Sachverwalters nicht im Detail. Eine Anfrage unserer Redaktion an das Unternehmen blieb zunächst unbeantwortet. Vor zwei Jahren waren rückläufige Umsätze in der Autoindustrie, steigender internationaler Wettbewerb, hohe Finanzierungskosten und ein teilweise hoher Krankenstand als Gründe genannt worden.

Für die Zukunft von Zender Solution sind nun die kommenden Wochen entscheidend. „Ziel des Verfahrens ist die langfristige Fortführung. Hierbei werden regelmäßig sowohl externe Investoren als auch die Sanierung mittels Insolvenzplan, bei der das Unternehmen in seiner Rechtsform und Struktur erhalten bleibt, berücksichtigt“, heißt es aus der Kanzlei des Sachwalters. Geprüft würden zwei Wege: ein externer Investor oder eine Sanierung per Insolvenzplan. „Nach dem heutigen Stand gehen wir davon aus, dass die endgültige Entscheidung, ob die Fortführung mittels eines Investors oder mittels eines Insolvenzplanes umgesetzt wird, bis Ende Juni 2026 getroffen werden wird“, so Vorast.

Ähnliche Artikel