Leerstand in Aurich Neue Mieter für die Burg- und Norderstraße
Nagelstudio und Fischimbiss ziehen in die Auricher Fußgängerzone. Doch weitere Ladenlokale stehen leer. City-Managerin Maike Theesfeld erklärt, warum die Vermittlung manchmal Zeit braucht.
Aurich - Aus dem Ladenlokal in der Burgstraße, in dem einst Gesundheitsschuhe über den Ladentisch gingen, sind Schleifgeräusche zu hören. Ein Baustellenradio dudelt. Handwerker richten hinter abgehängten Fenstern den Geschäftsraum für den neuen Mieter her. In Kürze wird hier ein Nagelstudio eröffnen. Und auch in der Norderstraße herrscht Anfang März frühlingshafte Betriebsamkeit. Im ehemaligen Violas kurz vor dem ZOB bezieht in den kommenden Wochen der Fischimbiss „AalWatt“ sein Quartier, will nach eigener Aussage norddeutsche Klassiker und hochwertige Küche mit maritimem Charakter anbieten. Damit sind zwei längere Leerstände in der Auricher Fußgängerzone beseitigt. Doch noch mindestens sechs weitere Geschäftsflächen warten in der Fußgängerzone auf neue Mieter, unter anderem die ehemalige Deichmann-Filiale und der alte Thalia-Standort. Warum dauert es scheinbar lange, bis Leerstände wieder behoben sind? Wir haben beim Stadtmarketing der Stadt Aurich nachgefragt.
Gut gefüllter Werkzeugkasten, aber begrenzte Zuständigkeit
Im Besprechungsraum des Rathauses beugt sich Maike Theesfeld an diesem Vormittag über die mitgebrachten Unterlagen. Ein Überblicksplan der Innenstadt, Screenshots von der Stadt-Homepage, Veranstaltungskalender, Listen, Konzepte. Seit Mai 2024 ist die City-Managerin und Veranstaltungsfachwirtin für das Stadtmarketing in Aurich zuständig. Seitdem hat sie so manches Konzept gestrickt, um die Innenstadt voranzubringen. Dazu gehören auch einige Werkzeuge, um gezielt Leerstände zu beheben.
Grundsätzlich, so schickt Theesfeld vorweg, sei man in der Verwaltung in den meisten Fällen als Vermittler und Berater tätig. Denn: „Viele der Gewerbeflächen in der Auricher Fußgängerzone gehören privaten Eigentümern.“ Auf deren Mieterwahl, Mietpreise oder auch Investitionen bei in die Jahre gekommenen Immobilien habe die Verwaltung keinen Einfluss. Dennoch hat Theesfeld ein waches Auge auf leerstehende Ladenlokale, ist regelmäßig in der Fußgängerzone unterwegs, achtet auf Schilder und ausgeräumte Schaufenster. Regelmäßig streift sie durch ihr Revier – analog und digital. Ist ein Leerstand aufgetreten, sei es vor allem wichtig, diesen schnell sichtbar zu machen für mögliche Interessenten, weiß die City-Managerin.
Sichtbarkeit der leerstehenden Gewerbeimmobilien erhöhen
Eigens dafür wurde etwa in den vergangenen Monaten eine Online-Immobilienbörse in die Homepage der Stadt integriert. Hier finden potenzielle Mieter gebündelt Informationen zum Standort Aurich und eine Übersicht verfügbarer Ladenlokale, mit einem Klick. „Immobilienmakler können ihre Inserate, die sie vielleicht schon in anderen Portalen geschaltet oder auf der eigenen Homepage platziert haben ganz einfach spiegeln“, erklärt Theesfeld. Für die Makler habe das den klaren Vorteil, dass sie die Informationen und Fotos des Objektes nicht noch einmal händisch einpflegen müssen. „Wir sind in eine der wenigen Kommunen, die das so anbieten“, sagt Theesfeld und wundert sich, dass das Projekt noch nicht so richtig zündet. Bislang stelle nur ein Auricher Makler seine Angebote ein. In den kommenden Wochen erhalten die anderen Immobilienvermittler nun noch einmal ein Anschreiben vom Stadtmarketing, um auf das Angebot aufmerksam zu machen.
Währenddessen durchforstet Theesfeld kontinuierlich das Internet, soziale Plattformen, Tageszeitungen und Wirtschaftsmagazine, um interessante Mieter für die Innenstadt zu finden. „Unternehmen, die expandieren möchten, kontaktiere ich dann gezielt“, erzählt sie. So wie im Fall der Kreativschneiderei, die vor einigen Wochen in der Lilienstraße eröffnet hat. „Auf Facebook habe ich einen Post der Inhaberin entdeckt, die sich über mangelnde Kundschaft an ihrem alten Standort beklagte“, erinnert sich Theesfeld. Kurzerhand schrieb sie die Schneiderin an und bot ihr eine Alternative im Herzen Aurichs. Man müsse proaktiv vorgehen, bringt es Theesfeld auf den Punkt. Das gelte auch bei der Beratung von Interessenten, die sich beim Stadtmarketing melden und nach einem Ladenlokal suchen.
Theesfeld legt für jeden Interessenten eine Vita an, um nicht den Überblick zu verlieren, fragt nach einer gewissen Zeit nach, liefert Informationen, bleibt dran. Das kostet Zeit und führt auch nicht in jedem Fall zum Erfolg, wie ein Beispiel zeigt, in dem sie über anderthalb Jahre immer wieder mit einer Interessentin über verschiedenste Ladenlokale „verhandelte“, letzten Endes ohne Ergebnis. Solche Fälle halten Theesfeld aber nicht davon ab, weiterzumachen und weiterzudenken. Sie bastelt weiter an der Basis einer funktionierenden Fußgängerzone - der Attraktivität und Frequenz.
Newsletter, Schaufenster-Gestaltung
Denn neben der Betreuung von Mietinteressenten, steht dafür die Pflege der bereits ansässigen Kaufleute sowie die Belebung der Innenstadt ganz oben auf der Agenda der Veranstaltungsfachwirtin. So gibt es in einem internen Newsletter für die Kaufmannschaft Infos und Neuigkeiten aus der Verwaltung und der Innenstadt. „Uns ist wichtig, zu zeigen, dass wir da nicht schlafen“, schmunzelt Theesfeld. Das soll auch mit einer attraktiven Schaufenstergestaltung leerstehender Ladenlokale erreicht werden.
Statt wilder Plakatierung setzt das Stadtmarketing auf klar strukturierte Hinweisschilder etwa zu Kontaktmöglichkeiten oder kommenden Mietern. Ergänzend wird auf den Social-Media-Kanälen der Stadt auf aktuelle Entwicklungen und Neueröffnungen hingewiesen. Und besondere Aktionen, wie die Walking-Acts im Sommerhalbjahr, sollen die Fußgängerzone weiter bereichern. „Eine positive Außenwirkung ist unheimlich wichtig, um für Frequenz zu sorgen“, weiß Maike Theesfeld. Und mehr Frequenz mache die Innenstadt wiederum interessant für Investoren und Geschäftsleute mit frischen Ideen.
Messung zeigt stärkste Wochentage und Frequenzbringer
Belastbare Zahlen liefert in dieser Hinsicht seit rund einem Jahr das Frequenzmessgerät in Höhe des Modehauses Silomon in der Burgstraße. Absolute Spitzenwerte zeigte das Gerät, wie zu erwarten, bei den Großveranstaltungen im Laufe des vergangenen Jahres an, wie dem Hollandmarkt, dem Heidemarkt oder dem Geranienmarkt. Vor allem in der frühen Mittagszeit brummte es in der Fußgängerzone mit stündlich rund 1.500 Passanten, die das Gerät in der Burgstraße passierten. Aufgrund dieser Zahlen hat sich die Kaufmannschaft auf Empfehlung des Stadtmarketings für dieses Jahr dazu entschieden, den jeweils flankierenden verkaufsoffenen Sonntag bereits um 12 Uhr zu starten. Doch auch der Blick auf das gesamte Jahr 2025 ist durchaus interessant. So zeigt die Wochenübersicht vom 1. Januar bis 31. Dezember nach einem im Schnitt schwachen Montag (3.213 Passanten) im Wochenverlauf einen kontinuierlichen Anstieg der Passantenzahlen mit im Schnitt 4.700 bis 5.500 Kontakten. Der deutlich stärkste Wochentag war über das gesamte Jahr gesehen der Sonnabend mit 6.166 Passanten, die der Frequenzmesser registrierte.