Osnabrück Preise zu hoch? Oldtimer-Auktion in Halle Gartlage verläuft ernüchternd
Es waren richtige Schätzchen und Schnäppchen dabei, aber für sie geboten wurde wenig bei der Oldtimer-Auktion in der Halle Gartlage in Osnabrück. Wir waren vor Ort und betreiben Ursachenforschung.
Auch bei den Liebhabern und Sammlern alter Fahrzeuge scheint das Geld nicht mehr so locker zu sitzen wie noch vor einigen Jahren. Den Eindruck konnte man zumindest bei der Oldtimer-Auktion im Rahmen der zwölften „Osna-Oldies“-Messe in der Halle Gartlage gewinnen. Zwar war unter den mehr als ein Dutzend zu ersteigernden Fahrzeugen so manches alte Schätzchen dabei, aber mangels angemessener Gebote gingen die meisten von ihnen wieder an ihren Besitzer zurück.
Schon im Vorfeld gibt es Gemunkel auf den gut besuchten Zuschauertribünen und auch unter denjenigen, die eine Bieterkarte erworben hatten. Die für die Fahrzeuge veranschlagten Mindestgebote werden im Allgemeinen als zu hoch erachtet. Das spiegelt sich dann auch im Verlauf ihrer Versteigerung wider. Auktionator Wolfgang Schulz aus Wallenhorst muss immer wieder mit dem Preis runtergehen, um überhaupt Gebote einholen zu können.
Die erweisen sich aber in den meisten Fällen als so tief unter Wert, dass der Inhaber der „Osnabrücker Klassik Auktionen“ (Oska) in den meisten Fällen ein Kopfschütteln der Besitzer auf den vorderen Tribünenreihen erntet. Ohne dazu bereit zu sein, größere finanzielle Abstriche zu machen, bleiben so die meisten auf ihren Fahrzeugen sitzen, die sie aus Platz- oder Altersgründen verkaufen wollten. Einige haben sich allerdings noch zu Nachverhandlungen hinreißen lassen, wollen aber gegenüber der Zeitung gern anonym bleiben und keine Auskünfte darüber erteilen.
Ausgerechnet eines von zwei sogenannten Restaurierungsobjekten ist dann neben zwei schriftlichen Vorab-Angeboten der einzige Deal, der während der regulären Aktion tatsächlich zustande kommt. Auch der Opel Admiral Automatic in Gold-Metallic, der in den Siebzigerjahren zur Oberklasse der KAD-Reihe (Kapitän, Admiral, Diplomat) gehörte, bleibt zwar 500 Euro unter dem veranschlagten Verkaufswert von 4000 Euro. Hier signalisiert der Besitzer aber sofort Diskussionsbereitschaft.
„Keine Chance“ gibt demgegenüber der Besitzer eines 25 Jahre alten, sportlichen „Newtimer“-Jaguars den gebotenen 20.000 Euro. Er möchte für das Fahrzeug mindesten 2000 Euro mehr haben. Zumal es durch einen Osnabrücker Fachhändler kontinuierlich gut gepflegt und auf rund 360 PS aufgemotzt worden ist. Vielleicht wolle man sich im Anschluss ja „nochmal unterhalten“, regt Schulz an. Das geschieht dann später auch. Das Ergebnis bleibt aber unbekannt.
Ein seltener Touring-BMW aus dem Jahr 1974 und eine typisch dunkelrote Borgward Isabella mit weißem Dach aus dem Fünfzigerjahren finden mangels akzeptabler Gebote ebenso wenig einen Abnehmer wie Mittelklasse-Opel Olympia oder ein amerikanischer Chevrolet-Straßenschlitten im schrillen Original-Farbton „Twilight Tourquise“. Ein Smaragd-grüner Saab 96, Baujahr 1978, und ein robuster roter „Buckel-Volvo“ aus dem Jahr 1961 schaffen es immerhin in die Nachverhandlungen.
Besonders überrascht ist der Auktionator darüber, dass selbst das schicke und gut gepflegte VW-Käfer-Cabrio aus dem Hause Karmann in Osnabrück, gebaut im Jahr 1972, nicht an den Mann oder die Frau gebracht werden kann. Zumindest „unter Vorbehalt“ läuft dagegen ein Unter-Wert-Gebot (2500 statt 4000 Euro) für ein VW-Golf-Cabrio mit schwarzem Stoffdach aus dem selben Hause, mit Baujahr 2000 aber noch ein „Newtimer“
Fazit: Auktionator Scholz hat sicher schon bessere Tage erlebt. Und die Auto-Krise scheint über den schleppenden Absatz von Neu- und Gebrauchtwagen hinaus nun auch den Liebhaber-Handel mit Oldtimern erreicht zu haben. Aber zumindest hat die ernüchternde Auktion in der Halle Gartlage noch einmal daran erinnert, dass in Osnabrück einmal lange Zeit legendäre Cabrios produziert und vom Band gelaufen sind. Für sie wäre das Wetter derzeit eigentlich wieder optimal.