Bünde  In der Zauberwerkstatt der Ehrlich Brothers – ein Blick hinter die Magie

Sophie Handl
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Von Sophie Handl
| 10.03.2026 15:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Ehrlich Brothers sind für extravagante Illusionen bekannt – können aber auch mit Klassikern beim Publikum punkten. Foto: IMAGO/Future Image
Die Ehrlich Brothers sind für extravagante Illusionen bekannt – können aber auch mit Klassikern beim Publikum punkten. Foto: IMAGO/Future Image
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Selten empfangen die Ehrlich Brothers in ihrer Zauberwerkstatt Gäste. Immerhin sollen die Illusionen des Zauberduos geheim bleiben. Dieses Mal machen sie eine Ausnahme. Ein Besuch an dem Ort, an dem die Magie der Brüder entsteht.

Illusionskünstler Chris Ehrlich bittet das Publikum um einen Geldschein – Summe egal. Er bekommt 20 Euro von einem Mann, der einen genauen Blick auf die Hände des Magiers wirft – wie alle Zuschauer, die sich im Halbkreis um ihn versammelt haben. Langsam faltet er den Schein zu einem kleinen Quadrat, dreht ihn einmal, und zack: Daraus werden 100 Euro. Zauberei, mitten im ostwestfälischen Bünde.

Dabei sieht die Halle, in der Ehrlich seinen Trick aufführt, alles andere als magisch aus. Sie steht in einer Nebenstraße, umgeben von Feldern, gegenüber liegt ein rotes Ziegelhaus. Es ist ländliche Idylle, rund um das graue Gebäude mit dem Wellblechdach. Draußen stehen Gabelstapler, Bauschuttcontainer und Paletten.

Die Fahrzeuge am anliegenden Parkplatz liefern einen Hinweis auf das, was sich im Inneren abspielt. Auf einem Lkw grinsen zwei Gesichter von der Plane: Andreas und Chris Ehrlich – bekannt als die Ehrlich Brothers. In dieser grauen Halle haben die zwei Zauberer ihre Zentrale – ihre sogenannte Zauberwerkstatt.

Wer über die kleine Treppe durch die riesigen Tore die Zauberwerkstatt betritt – etwas, das den meisten Menschen verwehrt bleibt –, sieht auf den ersten Blick mehr Werkstatt als Zauber.

Auf dem quietschenden Linoleumboden türmen sich Metallregale bis zur Decke. Darauf: Werkzeug, Kabelrollen, Eimer, Gasflaschen, Schaumstoffplatten – alles säuberlich beschriftet, es erinnert an einen Baumarkt. Entgegen den Erwartungen riecht es nicht nach ausgebrannter Pyrotechnik – immerhin sind die Ehrlich Brothers auch für ihre Feuershows und Pyroeinlagen bekannt –, sondern ein wenig nach Metall und Gummi.

Chris und Andreas Ehrlich führen durch ihre Werkstatt. Sie stehen im linken Ende der Halle, dort, „wo alles vor 20 Jahren angefangen hat“, eröffnet Andreas Ehrlich die Führung durch das Gebäude. Was jetzt Teil des großen Gebäudes ist, war einmal eine Garage. „Dort haben wir mit der technischen Zauberarbeit angefangen und begonnen, Illusionen zu bauen“, sagt Andreas Ehrlich. Dann dreht er sich um und deutet stolz auf eine Maschine.

Es ist ein überdimensionaler Bohrer. „Das ist ein Unterarm eines zehn Meter großen Roboters, die größte Illusion, die wir je gebaut haben“, erklärt er. Kabel stehen davon ab, Post-its markieren Stellen, an denen noch gearbeitet werden muss, das Gerät schimmert in metallenem Grau und Rot.

Dass es Teil eines Riesenroboters werden soll, ist noch nicht so recht zu erkennen. Seit drei Jahren baut das Team der Brüder an der Roboter-Illusion. „Hier sieht man, was uns wirklich von anderen Zauberproduktionen weltweit unterscheidet: unser konstruktiver Ingenieursansatz“, erwähnt Ehrlich, nicht ohne Stolz. Bei der Stadionshow wird der Roboter mit dem Schraubarm einen der beiden Zauberer durchbohren. „Ich hoffe, es wird mein Bruder sein“, scherzt Andreas Ehrlich.

Beim Besuch ist es ziemlich leer in der Ehrlich-Brothers-Zentrale. Es wurde extra für den Besuch aufgeräumt – immerhin sollen unbeteiligte Personen nicht die Geheimnisse der Brüder enthüllen können.

Außerdem ist die Mehrheit der Zaubertricks und Showelemente schon unterwegs – gemeinsam mit vielen Mitarbeitern und 30 Lkw – in Richtung Süddeutschland. Dort steht der nächste Auftritt der Ehrlich Brothers an.

Berlin, Köln, Wien – für das Zauberduo geht es in viele große Städte in Deutschland und Österreich. Seit zehn Jahren sind die beiden weltweit unterwegs. Dieses Jubiläum wollten sie mit der „Diamonds“-Tour feiern.

Ein lautes technisches Rauschen erfüllt den Raum. Das Surren kommt aus der oberen rechten Ecke der Halle. In rund drei Meter Höhe stehen Metallregale, die nicht mit Werkzeugen gefüllt sind, sondern mit Servern. Sie passen mit ihrer modernen Optik, den grün und magenta leuchtenden Lämpchen, kaum in die Lagerhallenästhetik des restlichen Gebäudes.

Einem Mitarbeiter lässt sich entlocken, was sich auf den vielen Speichereinheiten befindet: ein großes Archiv. Einige seiner Kollegen sind hauptsächlich damit beschäftigt, alle TV-Auftritte der Brüder zu schneiden und abzuspeichern – jede einzelne Show, die sie aufgeführt und gefilmt haben, ist dort digital gebunkert.

Am anderen Ende der Halle erinnert vieles an die Auftritte der beiden. Der berühmte, funkensprühende Todesengel mit dem Kreissägeblatt, der schon oft einen der Brüder in der Mitte durchtrennt hat, steht an der Wand. Davor ein futuristisch anmutendes Auto.

Aufregender, passender zum Programm der Brüder, wird es, als die beiden Feuerwerfer auspacken. Sie dimmen das Licht, richten die Flammenwerfer zur Decke. Einmal abgedrückt, sticht eine knallorange Flamme in den Raum. Schlagartig wird es brennheiß in der direkten Umgebung. Gelassen drückt Chris Ehrlich immer wieder und wieder ab. Als Zuschauer hat man Angst, dass die hochgestylten Haare seines Bruders Andreas Feuer fangen könnten – durch das Haarspray vielleicht sogar in einer Stichflamme.

Wenige Meter neben dem funkensprühenden Sensenmann stapeln sich Fan-Geschenke bis zur Decke: Basteleien mit dem Logo des Zauberduos, ein gestickter Monstertruck, selbst gestaltete Poster. Auf diese Art haben die Ehrlich Brothers ihre Fans so immer bei sich. Dazu erzählt ein Mitarbeiter: „Fans, die hundertmal zur Show gekommen sind, bekommen ein Ticket auf Lebenszeit.“ Wie viele das sind? „Zwölf. Alle weiblich, lustigerweise.“

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