Osnabrück Feministischer Streik am Weltfrauentag in Osnabrück: „Sexismus darf nicht normal sein“
Alltägliche Erfahrungen, Gender Pay Gap, Femizide: Am Sonntag, 8. März, demonstrierten etwa 600 Menschen in Osnabrück. Warum sie auf die Straße gingen, wofür sie sich einsetzen und was sich verändern soll.
Plakate ragen über die Köpfe der Menge, Stimmen hallen durch die Osnabrücker Innenstadt, Sprechchöre wiederholen sich. Am Sonntag, 8. März, steht für rund 600 Menschen beim Feministischen Kampftag in Osnabrück das Thema Gleichberechtigung im Mittelpunkt. Anlässlich des Weltfrauentags ruft der Feministische Streik Osnabrück für 15 Uhr zu einer Demonstration am Ledenhof auf.
Noch bevor sich der Demonstrationszug in Bewegung setzt, richten sich Rednerinnen über Lautsprecher an die Menge: „Wir wollen Gleichberechtigung, bei der wir nicht um unsere Rechte kämpfen müssen. Wir werden nicht aufhören zu kämpfen, bis alle gleichberechtigt und sicher leben können.“ Der Streik soll laut Veranstalter dazu beitragen, patriarchale Strukturen zu überwinden und feministischen Widerstand sichtbar zu machen.
Zwischen zahlreichen selbstgebastelten Schildern stehen auch Menschen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität Diskriminierung erfahren – darunter Frauen sowie queere, trans* und nicht-binäre Personen. Für viele geht es an diesem Nachmittag um persönliche Erfahrungen, aber auch um die Frage, wie sich Gesellschaft verändern kann.
Eine von ihnen ist Viktoria Berkestam Drysen. Sie will dazu beitragen, die Welt zum Guten zu verändern. Veränderung geschehe ohnehin schon, erklärt sie gegenüber unserer Redaktion. Entscheidend sei nur, in welche Richtung.
Auch Cedric Haskamp wartet auf den Start der Demonstration. Für ihn beginnt Gleichberechtigung im Alltag. Männer müssten Verantwortung übernehmen und andere Männer auf unangemessenes Verhalten aufmerksam machen. Demonstrationen wie diese seien eine Gelegenheit für Haskamp, sich bewusst mit solchen Themen auseinanderzusetzen.
Ein paar Meter weiter steht Lina Beninga. „Seit Jahrzehnten werden Probleme diskutiert, die immer noch aktuell sind“, sagt sie und erklärt damit ihre Gründe für die Teilnahme an der Demonstration. Als Beispiel nennt die 21-Jährige den Gender Pay Gap – den Unterschied beim durchschnittlichen Einkommen von Männern und Frauen.
„Aber auch die Sorge, als Frau im Dunkeln rauszugehen oder im Club auf sein Getränk aufpassen zu müssen, sind Teil des Problems“, sagt Beninga. Laut der Studentin müssten Männer stärker zuhören und Verantwortung übernehmen. „Frauen sollten Respekt bekommen. Egal, was sie anhaben.“
Karoline Braun kennt solche Situationen ebenfalls. Nach einem abendlichen Seminar an der Universität Osnabrück fährt sie häufig lieber mit dem Auto nach Hause. Denn die 19-Jährige fühlt sich nachts im Auto sicherer als in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Für Mel Kloska reicht der Blick über Osnabrück hinaus. Gleichberechtigung sei ein weltweites Thema, sagt die 24-Jährige. Frauen in Ländern wie Afghanistan oder dem Iran lebten weiterhin unter massiven Einschränkungen und müssten um ihre Rechte fürchten. Auch People of Colour sind häufig von Diskriminierung betroffen. Deshalb bleibt der Einsatz für Gleichberechtigung eine internationale Aufgabe, so Kloska.
Als der Demonstrationszug für die Zwischenkundgebung am Platz der Deutschen Einheit hält, erzählt Frauke Domgörgen, warum sie teilnimmt: „Um für meine Rechte, mein Leben einzustehen. Und für die Rechte und Leben der Frauen, die es nicht können.“
Aus der Sicht der Deutsch- und Musikstudentin müsse sich vieles ändern. Frauen werden oft nicht ernst genommen oder ihnen werden Kompetenzen abgesprochen, sagt Domgörgen. Die Probleme reichen dabei von alltäglichen Situationen bis hin zu schweren Verbrechen wie Femiziden oder unzureichenden Zugängen zu selbstbestimmten Schwangerschaftsabbrüchen.
„Ich musste feministisch werden, weil es durch die Männer in meinem Umfeld sein musste“, erklärt Domgörgen. Sie wünsche sich außerdem mehr Selbstreflexion bei Männern. Ihre Botschaft zum Feministischen Kampftag steht fest: „Sexismus keinen Raum geben. Sexismus darf nicht normalisiert werden.“