Regensburg Im Stile einer Spitzenmannschaft: Wie der VfL Osnabrück die Tabellenführung festigt
Der VfL Osnabrück hat mit einem 2:0-Sieg bei Jahn Regensburg die Tabellenführung in der 3. Fußball-Liga gefestigt. In der Rückrunde ist die Mannschaft das Maß aller Dinge. Wieso das so ist, was den VfL gerade auszeichnet und worauf es nun ankommt. Die Analyse:
Die Band Juli hat sie in den 2000ern einst besungen, jeder Surfer sucht sie, nur wenige treffen sie: „Die perfekte Welle“. Der VfL Osnabrück hat sie gerade gefunden. Drei Spiele, drei Siege - die englische Woche hätte nicht besser laufen können für die Lila-Weißen. Mit einem Sieg in Aue eroberte die Mannschaft die Tabellenführung, mit drei Punkten gegen Viktoria Köln wurde sie gefestigt. Und am Samstag mit dem 2:0-Sieg beim SSV Jahn Regensburg wurde sie ausgebaut.
Zwei Punkte liegt der VfL nun vor Energie Cottbus. Zu Platz vier ist es zumindest schon ein kleines Pölsterchen, dass die Osnabrücker sich erarbeitet haben. Wer auf die Tabelle der Rückrunde schaut, weiß, woher es kommt.
23 Punkte sammelte die Mannschaft von Trainer Timo Schultz in neun Spielen, siebenmal siegte sie, dazu gab es zwei Unentschieden. Nur Energie Cottbus ist neben dem VfL in diesem Jahr in den ersten drei deutschen Profiligen noch ungeschlagen. Der Tabellenzweite aus Brandenburg spielte im Ostderby gegen Hansa Rostock am Wochenende allerdings schon das fünfte Mal unentschieden.
Wieso es beim VfL gerade so gut läuft? Auch das zeigen die Zahlen. Zur besten Defensive (vier Gegentore in der Rückrunde, 25 insgesamt) gesellt sich nun die beste Offensive. 19 Tore stehen zu Buche, kein anderes Team traf häufiger 2026 in der 3. Liga. Keine andere Mannschaft hat in dieser Saison ein besseres Verhältnis aus erzielten und kassierten Toren. Zum 15-Mal spielte der VfL zu Null. Auch das ist Liga-Spitze.
Wer es noch genau wissen will, kann die Partie in Regensburg zur Erklärung gut heranziehen, in der der VfL ganz im Stile einer Spitzenmannschaft agierte. Trainer Timo Schultz attestierte seinen Spielern eine „reife Leistung“. Vor allem, weil sie sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ. Anlässe hätte es gegeben.
Etwa die Anfangsphase, als Ballverluste den Rhythmus hemmten. Statt hektisch zu werden, blieb der VfL vor allem defensiv fokussiert. Auch zwei kritische Schiedsrichterentscheidungen warfen die Mannschaft nicht aus der Bahn. So wurde ein Tor von Robin Fabinski wegen einer vermeintlichen Abseitsposition nicht gegeben. Eine fragliche Entscheidung, die sich dazu noch zeitlich hinzog, weil sich der Linienrichter nicht sicher war, ob vor Fabinski noch ein anderer Osnabrücker am Ball war oder nicht. Zwölf Minuten später erzielte David Kopacz das 1:0.
In der zweiten Halbzeit gab es trotz eines Regensburger Handspiels nach einem Schuss von Robin Meißner keinen Elfmeter für den VfL. Wenige Minuten später traf Lars Kehl, nach einem schnellen Konter über Kopacz und Meißner zum 2:0 per Außenrist.
Dass die Mannschaft den Fokus schnell wiederfindet, ist kein Zufall. „Jeder weiß, was er zu tun hat und konzentriert sich schnell wieder auf seine Aufgabe“, sagt Schultz. Für manche Situationen hat er kleine Hilfestellungen eingebaut. Etwa nach eigenen Toren, wenn die Spieler kurz zusammenkommen und sich noch einmal daran erinnern, über allem Jubel nicht zu vergessen, gleich besonders aufmerksam zu sein. Denn oft trifft nach eigenen Toren auch der Gegner - nicht beim VfL.
Innerhalb der festen Abläufe bleibt genügend Platz für Kreativität. Und für Flexibilität, auch beim Personal. Die Breite des Kaders zahlte sich in der Englischen Woche besonders aus. Auf zwei Positionen veränderte Schultz die Startelf nach dem Spiel in Aue, auf drei nach der Partie gegen Köln. Insgesamt kamen 22 Profis aus dem Kader in den drei Partien zum Einsatz. Nur die beiden Ersatztorhüter Niklas Sauter und Mats Remberg fanden keine Berücksichtigung sowie Stürmer Luc Ihorst und Innenverteidiger Yigit Karademir, die aber schon 15 beziehungsweise 13 Ligaspiele absolviert haben.
So kann Schultz nach Leistung, Gegner oder Bedarf entscheiden, wen er bringt. Das feste Gerüst hilft. Die klaren Strukturen und Aufgabenverteilungen und ein „Wir-Gefühl“, das die Mannschaft aktuell lebt. Auf die Frage, was den VfL gerade auszeichnet, sagte Vizekapitän Niklas Wiemann kürzlich: „Dass wir das, was wir machen, zusammen durchziehen.“
Es bedeutet nicht, dass jeder ersetzbar ist. Kurzfristig vielleicht. Doch das Gerüst sollte stabil bleiben - und die Konzentration hoch, will der VfL dauerhaft an der Spitze bleiben. Auch das zeigte die Partie in Regensburg. Am Ende agierte der VfL in manchen Szenen zu lässig, zog nicht immer an einem Strang. Es fiel nicht mehr ins Gewicht. Doch der Trainer dürfte ein Auge darauf haben. Den großen Mahner muss er trotzdem nicht geben. Auch für diese Aufgabe finden sich genügend Spieler. So wie Kehl, der kurz vom „geilen Gefühl auf dieser Welle zu schwimmen“, schwärmte, um sofort anzumerken: „Basis dafür ist aber, dass jeder einzelne von uns weiter hart arbeitet.“
Nicht nur Surfer wissen: Die perfekte Welle zu treffen, ist das eine, das Größte aber ist es, möglichst lange auf ihr zu bleiben.