Osnabrück  „Schlechter Scherz“: Scharfe Kritik für Aus der Umweltspuren auf Iburger Straße

Jörg Sanders
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Von Jörg Sanders
| 10.03.2026 05:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schmale Radfahrstreifen, hohes Dooring-Risiko: Für Radfahrer kann die Fahrt auf der Iburger Straße schnell gefährlich werden. Foto: Benjamin Beutler
Schmale Radfahrstreifen, hohes Dooring-Risiko: Für Radfahrer kann die Fahrt auf der Iburger Straße schnell gefährlich werden. Foto: Benjamin Beutler
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Zwei der vier Spuren der Iburger Straße in Osnabrück werden wohl doch keine Umweltspuren für Bus und Rad. Der Radentscheid kritisiert das scharf. Nicht ohne Grund: Schließlich starb dort vor drei Jahren fast eine Radfahrerin aufgrund der beengten Verhältnisse.

Der Osnabrücker Radentscheid kritisiert das voraussichtliche Aus für die vom Rat der Stadt beschlossenen Umweltspuren auf der Iburger Straße. Die Mitteilung der Stadtverwaltung, die Umsetzung sei rechtlich nicht möglich, „zeigt mal wieder, dass in der Verkehrsplanung das Auto oberste Priorität hat – selbst auf Kosten der Sicherheit und Attraktivität anderer Verkehrsmittel“, wird Philip Erpenbeck vom Radentscheid in einer Mitteilung zitiert.

Der Rat der Stadt hatte im Juli vergangenen Jahres beschlossen, zwei der vier Fahrspuren zu Umweltspuren für Bus und Rad zu machen. Am Donnerstag informiert die Stadtverwaltung den Stadtentwicklungsausschuss darüber, dass das rechtlich nicht möglich sei. Sie erwarte negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit sowie Einbußen bei der Leichtigkeit des fließenden Verkehrs.

Letztere ist in der Straßenverkehrsordnung verankert und bedeutet: Der fließende Verkehr hat möglichst flüssig und ohne unnötige Behinderungen abzulaufen. Näher definiert ist das aber nicht.

„Besonders irritierend ist die Begründung zur Verkehrssicherheit. Heute existieren auf der Iburger Straße extrem schmale Radfahrstreifen, die von vielen Menschen als unsicher empfunden werden. Das Dooring-Risiko ist auf weiter Strecke real. Dass breite Umweltspuren nun unsicherer sein sollen als der aktuelle Zustand, klingt wie ein schlechter Scherz“, lässt sich Daniel Doerk vom Radentscheid wiedergeben.

Also wohl doch keine zwei Umweltspuren. Stattdessen wolle die Verwaltung nun prüfen, welche „Optimierungsmaßnahmen für den Fuß- und Radverkehr“ sowie die Busse umsetzbar sind, ohne gleich die ganze Straße neu auszubauen.

Wie das aussehen könnte, geht aus der Mitteilung an die Politik nicht hervor und dürfte mit Spannung erwartet werden. Schließlich ist der Platz begrenzt, Fahrspuren, Rad- und Gehwege müssen Mindestbreiten aufweisen.

Viel mehr Platz wäre folglich nur mit dem Wegfall der zahlreichen öffentlichen Parkplätze auf beiden Seiten zu bekommen. Der wird aber offenbar nicht angestrebt, weil damit ein nicht gewollter Ausbau der Straße einherginge. Zudem birgt der Wegfall von Parkplätzen politisch stets Sprengkraft.

Daher wird der Radentscheid der Stadt bei ihren Vorschlägen genau auf die Finger schauen – das kündigt er bereits an. „Die Stadt hat sich verpflichtet, seine Ziele umzusetzen. Dazu gehört auch, auf Hauptverkehrsstraßen durchgängige und sichere Infrastruktur für den Radverkehr zu schaffen“, so Christoph Drepper vom Radentscheid.

„Daher fordern wir, dass die Verwaltung einen neuen Vorschlag vorlegt, der den Beschlüssen des Rates und den Zielen des Radentscheids entspricht. Er resümiert: „Die Iburger Straße muss bessere Radwege bekommen.“

Aktuell stehen Radfahrern auf der Straße über weite Teile nur deutlich zu schmale Radfahrstreifen zur Verfügung – ohne jeglichen Abstand zu den Parkstreifen. Rechts droht folglich die Gefahr sogenannter und potenziell tödlicher Dooring-Unfälle – Unfälle, bei denen Radfahrer in unachtsam geöffnete Autotüren krachen. Links drohen sie, sprichwörtlich unter die Räder fahrender Fahrzeuge zu kommen.

So wie vor fast genau drei Jahren: Damals war eine Radfahrerin vom Radfahrstreifen auf die Straße gestürzt und von einem Auto angefahren worden. Sie erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

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