Berlin Kaum Jesus im neuen Religionsunterricht? Stimmt nicht – sagt die Landesregierung
Niedersachsen führt das ökumenische Schulfach Christliche Religion ein. Die Landesregierung betont, dass zentrale „christliche Narrative“ vermittelt werden. Der Eindruck, Jesus komme zu kurz, sei falsch.
Wenn im Sommer in Niedersachsen das neue Schuljahr startet, soll auch ein neues Fach Einzug in die Klassenzimmer erhalten: Christliche Religion. Doch anders, als es der Name vermuten lässt, könnte Jesus in dem ökumenischen Unterricht nur eine Nebenrolle spielen (unsere Redaktion berichtete). Diesen Eindruck weist die Landesregierung zurück.
Das geplante Schulfach rücke „christliche Inhalte, Themen, Handlungsperspektiven und Glaubenserfahrungen in Geschichte und Gegenwart in den Fokus und ist bekenntnisgebunden“, teilte Kultusministerin Julia Willie Hamburg am Samstag mit. „Anders ist ein christlicher Religionsunterricht auch schlicht nicht denkbar.“ Nach den Worten der Grünen-Politikerin soll das Fach vor allem „die großen christlichen Narrative“ vermitteln. Im Mittelpunkt stünden demnach „biblische Texte, theologische Traditionen und das Wissen über das Leben engagierter Christinnen und Christen“.
Die Landeskirchen gehen davon aus, dass sich am Entwurf noch Änderungen ergeben werden. Die Lehrplanentwürfe für das neue Fach stecken derzeit im Anhörungsverfahren, wie die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen in einer Stellungnahme betont. Gemeinsam mit der katholischen Kirche ist sie an der Entwicklung des Fachs beteiligt. Über die endgültigen Inhalte sei bislang noch nicht entschieden. Die Endfassungen der Lehrpläne sollen voraussichtlich Ende April vorliegen.
Mit ihren Stellungnahmen reagieren Hamburg und die Kirchen auf einen Bericht unserer Redaktion vom Wochenende. Darin ging es um die Ausrichtung des neuen Fachs. Demnach soll der Unterricht nicht nur christliche Schülerinnen und Schüler erreichen, sondern auch konfessionslose Jugendliche sowie Angehörige anderer Religionen. Das geht aus den Entwürfen der Lehrpläne für die Grundschule und den Sekundarbereich I hervor, also für die Klassen fünf bis zehn. Vorgesehen ist demnach eine Gliederung in fünf sogenannte Kompetenzbereiche, darunter „Identität“, „Sinn und Glaube“ sowie „Freiheit und Zukunft“.
Auffällig ist vor allem der 52 Seiten umfassende Lehrplanentwurf für den Sekundarbereich I. Er listet rund 130 Themen und Aspekte auf – doch nur fünf davon beziehen sich unmittelbar auf Jesus. Genannt werden etwa das „Vaterunser als Spiegel menschlicher Grundbedürfnisse“, das „Kreuz als Symbol“ sowie die „Auferweckung Jesu – Auferweckung aller Menschen“. Zugleich sieht der Entwurf vor, dass der Unterricht auch Themen wie „Meditationspraxis im Buddhismus“, die Scharia oder die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen behandelt.
Das Fach Christliche Religion soll in Niedersachsen künftig den bisherigen evangelischen und katholischen Religionsunterricht ersetzen und von beiden Kirchen gemeinsam verantwortet werden. Damit beschreitet das Bundesland einen bundesweit bislang einmaligen Weg.