Innenstadt-Entwicklung Stadt Aurich reißt zwei Häuser in der Osterstraße ab
Nach Ostern sollen die Gebäude 34 und 36 fallen. Eine Grünfläche oder ein Spielplatz könnten das Quartier zwischen Marktplatz und Große Mühlenwallstraße beleben. Das ist geplant.
Aurich - Leere Ladenlokale, abrissfähige Häuser, karge Fensterfronten. Die Osterstraße in der Auricher Fußgängerzone gibt seit Jahren kein sehr attraktives Bild ab. Mindestens genau so lange kämpfen Kaufleute und Stadtplaner um dieses Geschäftsviertel. Mit bislang mäßigem Erfolg. So richtig kommt die Osterstraße nicht in Fahrt, findet keine Anbindung an den Rest der Innenstadt. Doch die Planer geben das Areal zwischen Marktplatz und Großer Mühlenwallstraße nicht auf. Ganz im Gegenteil. Im Hintergrund arbeiten Stadtbaurat Mirko Wento und sein Team an Ideen für das Viertel.
Blühwiese, Spielplatz oder Rastplatz in der City
Eine davon wird bereits in kürzester Zeit sichtbar werden. Denn die Stadt wird zwei Häuser, die in ihrem Besitz sind, abreißen lassen. Dabei handelt es sich um die Häuser Osterstraße 34 und 36. Schon jetzt wirkt das Gebäude, in dem ehemals im Jameson‘s Pub die Biere über den Tresen gingen, mehr als baufällig. Massive Stützen halten die Außenwand aufrecht, erste Löcher klaffen im Mauerwerk. Auch der Zustand des Nachbarhauses rechts daneben, in dem einst die Textilreinigung Meurer ansässig war, scheint nicht besser zu sein.
Die Arbeiten seien bereits vergeben, der Abriss werde wahrscheinlich nach Ostern beginnen, so Wento. Danach soll auf dem dann freien Grundstück im Herzen der Innenstadt eine „temporäre Lösung“ entstehen.
„Ob das ein Spielplatz, eine Blühwiese oder eine Rasenfläche mit Sitzbänken sein wird, steht noch nicht ganz fest“, so der Stadtbaurat. Derzeit sei man in Gesprächen mit der anliegenden Kunstschule, die sich an der Umsetzung beteiligen soll. Bis zum Sommer sollen die Schrottimmobilien also verschwunden und das Areal frisch gestaltet sein. Vielleicht, so die Hoffnung der Planer, locke das auch mehr Menschen in die Osterstraße oder auch Investoren. Denn die stehen für ein Invest in der Auricher Osterstraße leider nicht Schlange.
Mehrere Faktoren erschweren die Investorensuche
Im Herbst 2025 war ein erneutes Interessenbekundungsverfahren für mehrere Gebäude am Ende der Osterstraße ausgerufen worden. Konkret ging es dabei um den Verkauf der Grundstücke Osterstraße 28/30, 32, 34 und 36 – ehemals Möbel Jakobs, dann Kik und nun Zwischenraum (28/30), Zoo Meyer (32), die Textilreinigung Meurer (34) und Jameson’s Pub (36). Der Mindestverkehrswert für die 1.075 Quadratmeter große Gesamtfläche betrug laut Exposé 608.000 Euro. Mit Ablauf der Angebotsfrist im Dezember hatte sich kein potenzieller Investor gemeldet. Woran liegt das?
Laut Stadtbaurat Wento spielen unter anderem Faktoren wie Denkmalschutz, der Zustand der Bestandsimmobilien sowie die aktuelle wirtschaftliche Lage eine Rolle. Denn in dem „Paket“, das Investoren seitens der Stadt zuletzt offeriert wurde, befänden sich einige denkmalgeschützte Gebäude, die erhöhte Auflagen bei der Sanierung erfüllen müssten. Andererseits gäbe es gerade für solche Objekte auch entsprechende Zuschüsse und Fördergelder, die eine Investition wieder interessant machen könnten. Zum anderen befinden sich in dem Areal mit dem ehemaligen Möbelhaus, jetzt Zwischenraum, sowie dem ehemaligen Edeka-Markt großflächige Immobilien, die nur schwer etwa zu Wohnraum umzubauen seien. Ebenfalls nicht gerade ein Anreiz für mögliche Entwickler. „Das alles ergibt eine Gemengelage, die es nicht gerade einfach macht“, gibt Wento zu.
Mix aus privatem und öffentlichem Eigentum als Herausforderung
Ein weiterer Faktor, wenn nicht gar ein Hemmnis, sind die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse in der Osterstraße. So sind einige Geschäftshäuser in privater Hand, andere wiederum gehören der Stadt, ein Mix, der gerade bei Verhandlungen mit interessierten Investoren Geschick und Kompromissbereitschaft erfordert.
Trotz aller Hindernisse: Für die Osterstraße haben die Planer eine klare Vision, eine Idealvorstellung, wenn sie sich etwas wünschen dürften: „Wir könnten uns gut vorstellen in der Erdgeschosszone eine Kombination aus Gastronomie, Kultur und Einzelhandel zu etablieren und in den oberen Stockwerken innenstadtnahes Wohnen“, so Wento. Gerade mit Blick auf die alternde Gesellschaft seien gut angeschlossene seniorengerechte Wohneinheiten gefragt. Die Osterstraße verfüge über Potenzial, auch wenn es im Moment nicht so aussähe.
Trotz aller Herausforderungen haben Mirko Wento und sein Team die Osterstraße längst nicht aufgegeben. Ganz im Gegenteil: „Wir versuchen etwas Gutes draus zu machen“, so der Stadtbaurat, doch mögliche Konzepte müssten auch in die Innenstadt und zur Stadt passen. Wento weiß eben auch: „Manche Prozesse brauchen einfach etwas länger.“
Die jüngste Geschichte der Osterstraße
Die Geschichte der aktuellen Probleme in der Osterstraße reicht zurück bis ins Jahr 2008/2009. Damals wurde in der Stadtpolitik die sogenannte „Zweierlösung“ zur Erhöhung der Innenstadtattraktivität kontrovers diskutiert. Der Leeraner Bünting-Konzern plante damals einen großen Supermarkt am Standort Wallster Weg, sollte damit verbunden, aber zugleich in die Osterstraße investieren. Nach monatelangen politischen Debatten entschied sich die Politik 2010 letzten Endes gegen das Projekt. Zu dem Zeitpunkt hatte die Stadtverwaltung allerdings schon diverse bebaute Grundstück in der Osterstraße erworben, auf denen sie nun, 15 Jahre später, größtenteils immer noch „sitzt“. Bisher hat sich noch kein Interessent für die Entwicklung des Areals gefunden.