Osnabrück  Besonderes Stadtteilauto: Bands fahren günstig im Bandbulli des Osnabrücker Musikbüros

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 08.03.2026 14:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Förderer und ihr Förderobjekt: Die Akteure und Sponsoren würden – fast – alle in den Bandbulli des Musikbüros Osnabrück passen. Und Platz für Equipment gibt es auch noch jede Menge. Foto: Swaantje Hehmann
Die Förderer und ihr Förderobjekt: Die Akteure und Sponsoren würden – fast – alle in den Bandbulli des Musikbüros Osnabrück passen. Und Platz für Equipment gibt es auch noch jede Menge. Foto: Swaantje Hehmann
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Osnabrücker Bands können jetzt mit dem Bandbulli des Musikbüros zu ihren Auftritten fahren. Das Fahrzeug ist günstig zu mieten und bietet exakt das, was eine Band auf Tour braucht: Platz für Musiker und fürs Equipment.

Da steht er also, gut acht Meter lang und über drei Meter hoch, der neue Bandbulli. Ausgestattet mit allem, was eine Band auf Tour braucht: Sieben Sitzplätze plus Fahrer, Klimaanlage und vor allem: Ladefläche, die durch ein stabiles Gitter die Sitzbänke schützt. „Es will ja kein Musiker bei einer Vollbremsung vom eigenen Gitarrenverstärker erschlagen werden“, sagt Marco Gausmann, Leiter des Musikbüros Osnabrück.

Wer in einer Band spielt und den Proberaum gelegentlich gegen die Bühne eintauschen will, braucht ein Fahrzeug, das Musiker sowie Verstärkeranlage und Instrumente zum Konzertort bringt. Doch die wenigsten Bands verfügen über einen passenden Transporter – also geht man zur Autovermietung seines Vertrauens und leiht sich ein Fahrzeug. Das Problem: Normale Autovermietungen sind teuer.

Hier kommt der neue Bandbulli ins Spiel: Gausmanns Idee war es, ein Fahrzeug bereitzuhalten, in dem Band und Equipment Platz haben. Geschenkt gibt es so etwas allerdings nicht. Also machte er sich auf die Suche: nach einem erschwinglichen Fahrzeug und nach Sponsoren, sowohl für den Kauf als auch für den Unterhalt. Dabei kam ihm eine Steuererstattung fürs Musikbüro zuhilfe – das war der finanzielle Grundstock fürs Auto.

Den Rest steuerten Landkreis Osnabrück und Marketing Osnabrück bei – Gausmann konnte sein Auto, einen einstigen Transporter für Rollstuhlfahrten, in Bad Oeynhausen kaufen. Aber wie die laufenden Kosten decken und sogar Rücklagen bilden für den nächsten Bandbulli und trotzdem den Transporter zu einem günstigen Preis anbieten? Wie das Auto versichern und vor allem: Wer vermietet das Auto?

Gausmann schrieb E-Mails, telefonierte. Etliche Osnabrücker Institutionen sponsorn die laufenden Kosten mit kleinen Beträgen: Zukunftsmusik, Timezone Records, Docmaklang, die Mühle der Freundschaft; sogar Christian Steiffen hat sich beteiligt. Und so prangen nun die Logos auf dem Transporter. Die Gestaltung hat Daniel Brüggemann von der Grafikagentur GG/TT übernommen.

Für die Vermietung holte Gausmann das Carsharing-Unternehmen Stadtteilauto Osnabrück ins Boot: Die statten das Auto mit der nötigen Technik aus, die es erlaubt, das Auto per Handy-App zu öffnen, und wickelt die Vermietung ab. Dafür müssen sich die Bands beim Musikbüro anmelden und eine Freigabe erhalten. „Für normale Nutzer des Stadtteilautos taucht dieser Transporter gar nicht auf“, sagt Ralf Enger von Stadtteilauto Osnabrück.

Die Kooperation mit dem Carsharing-Anbieter hat noch einen weiteren großen Vorteil: Über den Flottentarifvertrag ist der Bandbulli bei Stadtteilauto zu einem deutlich günstigeren Tarif haftpflichtversichert, als ihn das Musikbüro selbst bekommen würde.

Das ermöglicht es, den Bandbulli zu günstigen 70 Euro pro Tag zu mieten. Zum Vergleich: Bei einer normalen Autovermietung fallen für einen vergleichbaren Transporter zwischen 100 und 150 Euro an. Damit wird der Bandbulli zum Werbeträger, der Stadt und Landkreis Osnabrück in der ganzen Republik bekannt macht.

Deshalb hat das Musikbüro das neue Auto gebührend gefeiert – mit veganer und vegetarischer Bratwurst und Bier und natürlich mit einer ordentlichen Taufe am Standort des Autos neben dem Kaff am Hafen. „Wie wollen wir die Bandgondel nennen?“, fragt Gausmann in die Runde aus Sponsoren und Kulturakteuren. Die Antwort gibt er selbst: „Ich taufe die Gondel auf den Namen Gundel“, sagt er, Kollege Moritz Fabian schmeißt einen mit Wasser gefüllten Luftballon gegen die Seitentür – Applaus für eine gelungene und sehr praktische Maßnahme der Musikförderung in Osnabrück.

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