Osnabrück „Jazz49“ gestaltet die Jazzszene neu: Ein Verein, ein Festival und Mut zur Vielfalt
Osnabrück braucht mehr Jazz: Das findet zumindest der Verein „Jazz49“, der die Szene neu formieren und Bestehendes zusammenführen möchte. Mit einem dreitägigen Jazzfestival will der Verein ein erstes Ausrufezeichen setzen. Das ist geplant.
In einem waren sich die Gründungsmitglieder von „Jazz49“ einig: Wir brauchen mehr Jazz in Osnabrück. Kurzerhand gründeten sie im vergangenen Sommer den Verein „Jazz Initiative Osnabrück e. V.“. Aus sieben Mitbegründern sind inzwischen rund 40 Vereinsmitglieder geworden. Im März startet der Verein mit einem ersten Jazzfestival in Osnabrück. Im Gespräch erklären Frank Otte, der erste Vorsitzende, und Shabnam Parvaresh, Kuratorin des Projekts, warum ihnen der Jazz in der Stadt am Herzen liegt.
Obwohl die Osnabrücker Hochschule eine der größten Jazz-Abteilungen Deutschlands hat, gebe es keine richtige Szene dafür in der Stadt, betont Parvaresh. Das soll sich nun ändern: Im Vordergrund des Vereins steht es, die lokale Jazzszene aufleben zu lassen. Dabei liegt der Fokus auf der Region 49, ganz nach dem Namen „Jazz 49“.
Der Verein legt großen Wert auf gegenseitige Unterstützung: Auf der Website von „Jazz49“ werden nicht nur eigene Veranstaltungen gelistet, sondern auch Konzerte anderer lokaler Veranstalter. Jeder Veranstalter habe schließlich mit den gleichen Problemen zu kämpfen, sei es in Sachen Finanzierung oder Aufmerksamkeit. Da brauche es vereinte Kräfte, betont Frank Otte, der von 2013 bis 2024 Stadtbaurat in Osnabrück war.
Längerfristig plant der Verein auch eine überregionale Zusammenarbeit jenseits der Region 49: etwa Austausche, bei denen eine Band aus Osnabrück und eine Band von einer anderen Hochschule hier auftreten – und umgekehrt. Der Austausch zwischen Musikern sei im Jazzstudium besonders wichtig, so Parvaresh.
Der Nachwuchs liegt dem Verein besonders am Herzen: Parvaresh selbst hat Jazz in Osnabrück studiert und setzt deshalb stark auf Kooperationen mit Hochschulen. Durch Workshops und gemeinsame Auftritte will „Jazz49“ den Nachwuchs zukünftig gezielt fördern.
„Jazz49“ versteht sich nicht nur als Vertreter des klassischen Jazz. Jede Art von Jazz habe ihre Berechtigung, sagt Otte. In der Reihe „Klangfenster“ stellen sich bereits seit mehreren Jahren regelmäßig Musiker vor, die experimentellen und improvisierten Jazz präsentieren. Das lockt sogar aus Bielefeld und Münster Stammgäste an.
Das Publikum schätze, dass es dabei nicht um die Frage geht, ob die Musik „schön“ klingt, sondern um das Erlebnis und das Neue. Der Verein möchte das Publikum dazu anregen, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, fügt Otte hinzu. Die Vermittlung von Kultur und Musik – vor allem außerhalb des Mainstreams – steht bei der Vereinsarbeit immer im Vordergrund.
Als Auftakt des „Jazz49“-Programms findet vom 13. bis 15. März 2026 das „Jazzfestival Osnabrück“ statt, ehrenamtlich vom kleinen „Jazz49“-Team organisiert. Das Programm kann sich sehen lassen. An drei Tagen treten sowohl international bedeutende Musiker wie Jakob Bro und das Aaron Parks Trio auf als auch Newcomer aus der Region.
Die Ticketpreise wurden möglichst niedrig gehalten, um das Angebot für ein breites Publikum zugänglich zu machen. Überschüssige Einnahmen fließen in die Finanzierung zukünftiger Konzerte. So kann der Verein auch schwächere Veranstaltungen tragen, ohne jedes Mal auf externe Fördermittel angewiesen zu sein.
Der Veranstaltungsort des Festivals ist das Blue Note, ein wichtiger Partner, dessen Betreiber Christian Saßnack selbst Mitglied von „Jazz49“ ist. Der Club soll zu einem zentralen Anlaufpunkt der lokalen Jazzszene werden.
Die Festivalplanung ist reines Ehrenamt. Das Organisationsteam besteht aus rund zehn Personen, davon ein Kernteam von drei bis vier, das die wichtigsten Aufgaben – Künstlermanagement, Verträge, Marketing, Logistik – übernimmt. Alles wird vom Verein selbst erledigt, vom Kontakt zu Musikern bis hin zum Drucken der Flyer.
Dank einer guten Zusammenarbeit mit Sponsoren – darunter der NDR, die Sparkasse Osnabrück, die Sievert‑Stiftung und die Köster‑Familie – konnte das Festival finanziell abgesichert werden. Der Verein sieht in seinem Projekt nicht nur eine Kulturförderung, sondern auch einen Image‑Boost für die Stadt: Internationale Künstler machen Osnabrück über die Region hinaus sichtbar. Ein Win-win also für den Verein und die Stadt.
In Zukunft plant „Jazz49“ mit etwa acht bis zehn Konzerten pro Jahr. Ab Herbst soll das Programm in diesem Jahr losgehen. Das Festival dient als Auftakt – eine Art Rückenwind für die weitere Arbeit. Der Anspruch: Jeden Auftritt nutzen, um das Publikum neu zu überzeugen, mit einer Mischung aus Vertrautem und Neuem. Auch die jährliche Organisation eines Festivals steht auf dem Plan.
Auch eine Zusammenarbeit mit Schulen kann sich der Verein gut vorstellen. Damit Schüler im Unterricht hautnah mehr als nur Klassik- und Popmusik kennenlernen können. Jazz bleibe allgemein oft ein Nischenphänomen – außerhalb der etablierten Jazzfans müsse man Zugänge schaffen, so der Plan. Mit zugänglichen Preisen und gezielter Zusammenarbeit soll das Genre nun breiter in die Stadt getragen werden.