Mehrere Sichtungen Möglicher Wolf sorgt in Ihlow für Aufsehen
Gleich mehrere Aufnahmen gehen derzeit über mögliche Wolfssichtungen in Ihlow und Umgebung herum. Das ist derzeit über das Tier bekannt.
Ihlow - Für Aufsehen sorgen in Ihlow mehrere Aufnahmen eines mutmaßlichen Wolfes. Seit Donnerstagvormittag, 5. März, mehren sich in den sozialen Medien Beiträge von verschiedenen Sichtungen auf dem Gebiet der Gemeinde. Damit tauchte auch sofort die Frage auf, ob es sich um einen Wolf oder einen Hund handelt. Das ist bisher bekannt.
Auch eine Leserin schickte an die Redaktion ein Video. Im Bereich des Meendemoorwegs zwischen Bangstede und Fahne ist zu sehen, wie das Tier über einen Acker läuft und ein paar Rehe aufscheucht.
Am Freitagmorgen tauchte ein weiteres Video auf WhatsApp auf, das eine Aufnahme aus Westerende-Holzloog zeigt, also nicht weit entfernt von der ersten Sichtung. Dabei läuft ein Wolf über eine Straße. Das Video wurde aus einem Auto heraus aufgenommen. Das Tier wirkt auf beiden Aufnahmen groß und kräftig. Auf Facebook wurde ebenfalls gestern ein Foto geteilt, wonach in Ihlow, vermutlich Ludwigsdorf, mutmaßlich dasselbe Tier gesehen wurde. Unter dem Beitrag wird diskutiert, ob es ein Hund oder ein Wolf ist.
Das sagen die Auricher Jäger
Gernold Lengert, Vorsitzender der Jägerschaft Aurich, ist sich sicher, dass es sich bei dem Tier um einen Wolf hat. Er habe von Sichtungen aus Extum erfahren, die von Sachkundigen an die Jägerschaft gemeldet worden seien. „Das ist eindeutig ein Wolfsrüde“, sagt Lengert. Er vermutet, dass es sich dabei um den gleichen Wolf handelt, der auch schon im Auricher Außenbereich Tannenhausen, Spekendorf und Brockzetel unterwegs war. Ob das Tier jetzt ein neues Rudel suche, könne er nicht sagen. Diese Wanderbewegung im Frühjahr sei durchaus normal für einen Wolf. „Gott sei Dank gab es bislang keine Risse“, sagt Lengert. Was aber jetzt vermehrt geschehe, seien Wildunfälle. Der Wolf scheucht die Rehe auf und diese rennen in Panik auch mal über die Straße. Autofahrer sollten also derzeit vermehrt wachsam unterwegs sein.
Davon abgesehen müsse sich in Ihlow und Umgebung keiner um das gesichtete Tier sorgen. „Es können alle ganz entspannt sein“, sagt Lengert. Panik sei jedenfalls unangemessen. Der Wolf überlege es sich schon, ob er wirklich in den Dunstkreis der Menschen gehe, so der Jäger. Für den Menschen sei ein gesunder Wolf ungefährlich. Für ein verletztes, oder ausgehungertes Tier würde er aber nicht seine Hand ins Feuer legen.
Wölfe sind seit Jahren ein heiß diskutiertes Thema, in Ostfriesland und darüber hinaus. Besonders, wenn es zu Rissen von Weidetieren kommt, ploppen die Diskussionen wieder auf. In Ihlow sorgte ein Wolf das letzte Mal vor drei Jahren für Unruhe und bundesweites Aufsehen, weil das Tier nahe des Waldkindergartens im Ihlower Forst gesichtet wurde. Seitdem hatten Wildkameras rund um das Kitagelände aber keine Aufnahmen vom Wolf festhalten können, wie anderthalb Jahre später vom Umweltministerium auf Nachfrage der Redaktion mitgeteilt wurde.
Berlin entscheidet über Wolfsabschüsse
Im Bundestag wurde am Donnerstag, 5. März, beschlossen, dass der Wolf künftig auch als bejagbares Tier gilt. Die gesetzesänderung des Bundesjagdgesetzes wurde am Donnerstag mit Mehrheit verabschiedet. Linke und Grünen-Fraktion stimmten dagegen. Der Bundesrat muss noch zustimmen. Neben der möglichen Bejagung wurde auch beschlossen, dass die Länder mehr Mittel zum Herdenschutz bereitstellen sollen. Mit der Gesetzesänderung gibt es laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Rechtssicherheit für die „Entnahme“ von Wölfen, die Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Tiere verletzt oder tödlich gerissen haben. Eine weitere Besonderheit geht mit der Änderung einher: Die Bundesländer bekommen nun die Möglichkeit, bestimmte Weidegebiete auszuweisen, um hier den Schutz der Weidetiere durch die Entnahme der Wölfe sicherzustellen, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Das heißt, dass an Deichen oder auch in den Alpen, wo wolfssichere Zäune nicht umsetzbar sind, solche Gebiete eingerichtet werden könnten, also auch etwa in Ostfriesland im Küstenbereich.
Der Wolf in Ihlow hätte sich kaum einen kurioseren Zeitpunkt für sein Auftreten aussuchen können. Denn genau am Donnerstag, 5. März, hat der Bundestag eine Änderung des Bundesjagdgesetzes beschlossen. Demnach sieht die Änderung vor, dass Wölfe bejagt werden können. Der Bundesrat muss dem Beschluss des Bundestages noch zustimmen. Lengert begrüßt die Entscheidung aus Berlin. Die Sorgen aus Ostfriesland seien wahrgenommen worden. Es gebe möglicherweise auch die Option, dass Ostfriesland als wolfsfreie Region eingestuft wird, so der Auricher Jäger.