Schiffbau Emden wird Ausrüstungshafen der Meyer Werft
Emden löst Eemshaven als Ausrüstungshafen ab: Ab 2027 sollen vier neue Schiffe im Außenhafen fertiggestellt werden.
Emden/Papenburg - Der Emder Hafen steigt in den Bau von Kreuzfahrtschiffen ein und wird Ausrüstungshafen für vier Neubauten der Meyer Werft. Voraussichtlich 2027 und 2028 werden vier Kreuzfahrtschiffe im Hafen Emden liegen, um dort endausgerüstet zu werden. Zusätzlich besteht eine Option für drei weitere Schiffe. Das teilte am Freitag, 6. März, Christian Budde, Sprecher der Landesregierung mit. Das Land Niedersachsen und der Bund sind mit 80 Prozent Mehrheitseigentümer des Schiffbaubetriebs.
Mit der Entscheidung für Emden wird die bisherige Endausrüstung der Meyer-Schiffe im niederländischen Eemshaven schrittweise abgelöst. Die Kreuzfahrtschiffe werden in Zukunft nach der Überführung aus Papenburg über die Ems in unmittelbarer Nähe der Getreidesilos im Emder Außenhafen festmachen. Dort wurde 2025 bereits die „Asuka III“ ausgerüstet.
Mehrere tausend Beschäftigte – NPorts muss Liegewanne erweitern
Auf den vier neuen, bis zu 350 Meter langen Schiffen, die 2027 und 2028 fertiggestellt werden, werden während der Ausrüstung voraussichtlich mehrere tausend Menschen arbeiten, kündigt Budde an: Sie werden an Bord die finalen Arbeiten an Kabinen, öffentlichen Bereichen und technischen Systemen erledigen.
Vorausgegangen waren intensive Gespräche zwischen der Werft, der Stadt Emden, der Emder Hafenwirtschaft, der Lotsenbrüderschaft Emden, dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ems‑Nordsee sowie der landeseigenen Hafengesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts). Der Emder Hafen muss zur Ausrüstung der Kreuzfahrtschiffe gezielt ausgebaggert werden – Hafenbetreiber NPorts schafft die infrastrukturellen Voraussetzungen inklusive der Erweiterung der Liegewanne im Außenhafen.
Volksfeststimmung bei Aida-Besuchen
Schon mehrere Schiffe der Meyer Werft wurden in Emden endausgerüstet - zuletzt im März 2025 das japanische Kreuzfahrtschiff „Asuka III“: Das hatte am 2. März erfolgreich die Ems-Passage von Papenburg bis Eemshaven absolviert. Nach technischen und nautischen Erprobungen auf der Nordsee kehrte die „Asuka III“ nach Emden zurück, wo die Endausrüstung und die Übergabe des Schiffes an die Reederei erfolgten.
Ein Riesenspektakel war, als 2007, 2008 und 2009 Aida-Schiffe jeweils mehrere Wochen lang am ehemaligen Marinekai des Emder Hafens zur Endausrüstung festmachten: Die Luxusliner „Aida Blu“ und „Aida Bella“ hatten 130.000 Schaulustige an den Liegeplatz gelockt. Für die „Aida Luna“ hatte die Stadt Emden im Februar und März 2009 deshalb neben Aussichtsplattform und Gastronomie ein Riesenrad aufbauen lassen, damit jeder auch einen Blick von oben auf das Schiff werfen konnte. Für Unterhaltung sorgten zusätzlich Bootsfahrten zum Schiff, ein Drachenbootrennen und Livemusik.
2020 hatte der Emder Hafen Besuch von den Kreuzfahrtschiffen „Amadea“ – bekannt aus der ZDF-Sendung „Traumschiff“ – und „Amera“: Sie wurden im ersten Corona-Jahr in der Emder Werft generalüberholt. Auch die „MS Albatros“ wurde schon in Emden überholt. Die „MS Artania“ hätte das Phoenix-Quartett vervollständigen sollen. Die schaffte es aufgrund ihres Tiefgangs aber nicht in den Hafen.
Kruithoff erwartet ein Erlebnis für Gäste – und ein Signal für Ostfriesland
Für Tim Kruithoff, Oberbürgermeister der Stadt Emden, steht bereits fest: Es wird auch jetzt „für viele Einheimische und Gäste ein besonderes Erlebnis sein, wenn diese großen Kreuzfahrtschiffe in Emden liegen und hier in einer echten logistischen Meisterleistung endausgerüstet werden.“ Er freue sich über die Entscheidung der Meyer Werft, die Endausrüstung der nächsten vier Schiffe in Emden vorzunehmen und für drei weitere eine Option zu geben. „Das ist ein starkes Signal für unsere Region und zeigt einmal mehr, dass die Häfen und Anrainer entlang der Ems zusammenhalten und gemeinsam Wertschöpfung in Ostfriesland generieren“, wird Kruithoff zitiert.
Er dankt besonders NPorts: „In einer Phase, in der wir gleichzeitig am Ausbau neuer Kaianlagen arbeiten, ist es alles andere als selbstverständlich, solche zusätzlichen Projekte möglich zu machen. Das hat organisatorisch und logistisch einige Herausforderungen bedeutet – umso beeindruckender ist es, dass alle Beteiligten hier gemeinsam Lösungen gefunden haben.“
„Niedersachsen-Lösung“: Wertschöpfung vom Bau in Papenburg bis Fertigstellung Emden
Grund dafür, dass nun der Emder Hafen erneut zum Ausrüstungshafen für Kreuzfahrtschiffe wird, ist, dass die Meyer Werft in Papenburg eine vollständig in Niedersachsen verankerte Wertschöpfung im Kreuzfahrtschiffbau anstrebt. Dabei setze sie auf eine 100‑prozentige „Niedersachsen‑Lösung“, so Budde. So entstehe erstmals eine durchgehende Wertschöpfungskette vom Bau in Papenburg bis zur Endausrüstung in Emden. Ziel sei, den maritimen Wirtschaftsstandort Niedersachsen zu stärken. Durch die Unterstützung des Landes und die Zusammenarbeit aller regionalen Partner entstehe so eine weitere nachhaltige Perspektive für den Hafen Emden.
„Wir können Schiffbau – und wir können ihn komplett“, kommentierte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies. Und weiter: „Mit der Entscheidung für Emden setzen die Meyer Werft und das Land ein starkes Zeichen für industrielle Kompetenz, regionale Wertschöpfung, wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit und Beschäftigung. Die Durchführung der Endausrüstung im eigenen Bundesland stärkt nicht nur unseren maritimen Sektor, sondern zeigt auch, was möglich ist, wenn Unternehmen, Hafenwirtschaft und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen. Niedersachsen beweist einmal mehr: Wenn mehr Wertschöpfung im Land bleibt, stärkt das unsere Häfen, unsere Betriebe und unsere Regionen. Genau darum geht es: industrielle Kerne zu sichern, neue Perspektiven zu eröffnen und vorhandene Stärken konsequent auszubauen.“