Teheran  Der Machtzirkel im Iran zerfällt: Welche Regime-Mitglieder leben noch? Ein Überblick

Jannik Wilk
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Von Jannik Wilk
| 05.03.2026 18:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Seit Ende Februar tobt der Irankrieg. Einige der sechs wichtigsten Mitglieder des iranischen Regimes sind inzwischen von Israel und den USA getötet worden. Welche das sind und wer noch am Leben ist.

Der israelische Geheimdienst Mossad und die CIA haben teils exakte geheimdienstliche Informationen, wo, wann und wie sich Mitglieder des iranischen Regimes aufhalten. Einigen Funktionären hat das bereits das Leben gekostet. Wir zeigen Ihnen die sechs wichtigsten Mitglieder der Mullah-Diktatur – wer von ihnen ist noch am Leben und wer nicht?

Ali Khamenei war seit 1989 Oberster Führer der Islamischen Republik. Das machte ihn qua Verfassung zum Staatsoberhaupt, zur obersten religiösen Autorität und zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Khamenei sprach das letzte Wort in zentralen Fragen der Staatspolitik. Er kontrollierte Regierung, Parlament, Justiz, Militär, Geheimdienste und Staatsmedien.

Khamenei wurde am 28. Februar 2026 bei einer koordinierten Serie US-israelischer Luft- und Raketenangriffe in und um einen Regierungskomplex in Teheran getötet. Regierungsvertreter aus Israel und den USA meldeten seinen Tod, Irans Regime bestätigte den Vorfall am 1. März. Im Jargon heißt so eine Militäroperation „Enthauptungsschlag“, weil sie sich gegen die Köpfe einer Organisation richtet.

Der Angriff war offenbar Ergebnis einer monatelangen Jagd von CIA und Mossad auf Khamenei. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, erfassten die Geheimdienste der USA und Israels systematisch dessen Bewegungsprofil. Wie genau, ist nicht überliefert, vermutlich aber über das Abhören oder Mitlesen von Kommunikation und Hacker-Attacken. Berichte etwa der „New York Times“ schreiben der CIA zu, die entscheidenden Informationen an Israel gegeben zu haben.

Massud Peseschkian ist seit 2024 Präsident der Islamischen Republik Iran. Zuvor war er Herzchirurg, später Gesundheitsminister. Peseschkian ist zuständig für Regierungsgeschäfte wie den Haushalt, die Innenpolitik oder die Umsetzung großer Linien in Wirtschafts- und Sozialpolitik. In der Außen- und Sicherheitspolitik kann er Impulse setzen, bleibt aber gebunden an den Obersten Führer und andere Funktionäre.

Nach Khameneis Tod gehört Peseschkian zu einem Übergangsrat mit drei Mitgliedern, der laut iranischem Staatsfernsehen und nach Verfassung vorübergehend zentrale Aufgaben des Obersten Führers wahrnimmt. Damit ist Peseschkian eine Schlüsselfigur in der Frage, ob das Regime Kontinuität oder Umbruch sucht.

Berichte vergangener Jahre deuten darauf hin, dass Israel Peseschkian ins Visier genommen hat: Mindestens ein mutmaßlicher Luftangriff auf ein Treffen mit Spitzenfunktionären soll ihn knapp verfehlt haben. Er sagte in einem Interview mit US-Moderator Tucker Carlson im Juli 2025, Israel habe versucht, ihn zu töten.

Unter Experten gilt Peseschkian als vergleichsweise reformorientiert, aber auch systemloyal. Als Aushängeschild der Moderaten im Mullah-Regime ist er für Washington und Jerusalem womöglich unwichtiger als die militärische Führung Teherans.

Asis Nassirsadeh war seit 2024 Verteidigungsminister des Iran. Der frühere F-14-Pilot hatte zuvor die Luftwaffe geführt und war Vize-Generalstabschef. ​Nassirsadeh verantwortete die strategische Ausrichtung der Streitkräfte, die Rüstungsplanung und Teile des Raketen- und Drohnenprogramms. Er war auch zuständig für Projekte im Zusammenhang mit nuklearen, biologischen und chemischen Waffen.

Nassirsadeh war Schnittstelle zwischen Revolutionsgarden, Armee und politischer Führung. Vertreter von Israel und USA stellten ihn als einen Architekten der iranischen Militärstrategie sowie der Angriffe auf Ziele in Israel und gegen US-Stützpunkte dar.

Nassirsadeh wurde am 28. Februar 2026 bei einem US-israelischen Luftangriff getötet. Mehrere Medien berichteten, dass er bei einem Treffen mit der Militärspitze des Iran im Zentrum Teherans umkam – laut Medien wie „Le Monde“ ganz in der Nähe Khameneis in einem Nachbargebäude im Regierungskomplex. Iranische Staatsmedien haben seinen Tod bestätigt.

Ali Laridschani, altgedienter Regime-Funktionär, ist Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates (SNSC). Er bereitet Ratssitzungen vor, bündelt Informationen aus Geheimdiensten und Armee und setzt Beschlüsse um. Einst war Laridschani Parlamentspräsident, später Chefunterhändler in den Verhandlungen über Atomwaffen mit den USA.

Laridschani wurde bei den US-israelischen Luftschlägen Ende Februar nicht getroffen. Westliche Medien zeichnen ihn seither als „Sicherheitszar“, der die Reaktion des Regimes organisiert. Laridschani ist also einer der wichtigsten Überlebenden der Angriffe auf Teheran.

Ali Schamkhani war jahrzehntelang einer der wichtigsten Funktionäre des Regimes. Bis vor seinem Tod führte er den Verteidigungsrat, der nach dem israelisch-iranischen Zwölftagekrieg im Sommer 2025 gegründet worden war. Zuvor war Schamkhani Kommandeur der Marine, Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats (SNSC) und ein wichtiger Berater Khameneis.

Der Verteidigungsrat ist ein untergeordnetes Gremium des Nationalen Sicherheitsrates SNSC und befasst sich mit Militärfragen: Er plant Verteidigungsstrategien, Aufrüstung, Einsatz- und Kriegsführung und trifft rasche Entscheidungen in Krisen.

Schamkhani war beteiligt an den Atomverhandlungen mit den USA und setzte sich ein für eine Annäherung des Iran an Staaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Laut dem israelischen Militär wurde Schamkhani am 28. Februar 2026 bei dem Luftschlag von USA und Israel auf die Militärspitze des Iran im Zentrum Teherans getötet. Es war derselbe Angriff wie auf Verteidigungsminister Asis Nassirsadeh und SNSC-Chef Ali Laridschani.

Mohammad Pakpour war seit 2025 der Kopf der berüchtigten iranischen Revolutionsgarden (IRGC). Die Revolutionsgarden sind eine militärische Elite-Truppe, die unmittelbar dem Obersten Führer unterstellt ist. Sie sollen das Regime nach innen wie außen absichern und gehen dabei mit rücksichtsloser Härte vor.

Die Revolutionsgarden verfügen über eigene Streitkräfte zu Land, zu Wasser sowie in der Luft. Sie führen eigene Spezialeinheiten wie die Quds-Brigaden für Auslandseinsätze. Durch Beteiligungen an Konzernen und Bauprojekten sind die Revolutionsgarden zudem eine wirtschaftliche Macht im Iran.

Westliche Staaten führten Pakpour jahrelang auf Sanktions- und Terrorlisten. Vertreter von Israel und USA beschrieben ihn in Hintergrundgesprächen als einen der Hauptplaner der Angriffe auf Israel und US-Stützpunkte im Nahen Osten. Die israelischen Streitkräfte bezeichnen ihn in einer Mitteilung als einen der Anführer des Plans zur „Zerstörung Israels“. Pakpour leitete zudem die gewaltsame Unterdrückung iranischer Demonstranten in den vergangenen Monaten.

Entsprechend wichtig war sein Tod für den Westen: Pakpour wurde am 28. Februar 2026 beim Angriff auf den Regierungskomplex in Teheran getötet.

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