Osnabrück  VfL Osnabrück: Von der Tribüne zum Torschützen - David Kopacz und die Gefühlsachterbahn

Susanne Fetter
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Von Susanne Fetter
| 05.03.2026 08:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mit der Hacke hintenrum ins Tor: VfL-Spieler David Kopacz trifft artistisch gegen Viktoria Köln. Foto: Helmut Kemme
Mit der Hacke hintenrum ins Tor: VfL-Spieler David Kopacz trifft artistisch gegen Viktoria Köln. Foto: Helmut Kemme
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In der Rückrunde saß David Kopacz bei Spielen des VfL Osnabrück bisher entweder auf der Tribüne oder vor dem Fernseher. Beim 2:0-Sieg gegen Viktoria Köln stand er plötzlich wieder in der Startelf und traf - wunderschön per Hacke. Der 26-Jährige ist damit kein Einzelfall im Kader des Fußball-Drittligisten.

So richtig gerne wollte David Kopacz eigentlich nicht reden nach dem 2:0-Sieg des VfL Osnabrück gegen Viktoria Köln. Er wusste ja, welche Fragen kommen. Aber wenn der 26-Jährige in den vergangenen Monaten etwas gelernt hat, ist es Geduld, wie er selbst sagt. Und so erzählte er nach kurzem Zögern doch, wie die Fahrt auf der Gefühlsachterbahn für ihn war - denn nicht nur sportlich ging es bei ihm rund.

„Ich glaube, so etwas wie die vergangenen Monate habe ich noch nicht erlebt“, sagte Kopacz und schnaufte einmal kurz, aber tief durch. Der Wechsel nach Osnabrück, die Geburt des Kindes Ende August, Spiele, Tore, Tribünenplatz. 14-mal kam der Deutsch-Pole bisher für den VfL zum Einsatz. Zum Auftakt stand er in der Startelf, insgesamt 16-mal war er im Kader, elfmal aber auch nicht - fünfmal davon in der Rückrunde. Drei Treffer, eine Vorlage standen in der Hinrunde für ihn zu Buche. 2026 saß er bei den Heimspielen auf der Nordtribüne, fieberte mit, musste aber eben auch zuschauen, wie die Kollegen Punkt um Punkt sammelten - ohne ihn.

„Natürlich freue ich mich mehr, wenn ich der Mannschaft auf dem Platz helfen kann“, drückte er seine Gefühlslage in dieser Zeit diplomatisch aus. Was ihm half? Bei der Antwort muss Kopacz nicht lange nachdenken: „Meine Familie“, sagt er und führt aus: „Unser kleiner Sohn wurde im Sommer geboren. Mein Kleiner und meine Frau geben mir so viel Halt. Ich merke, wie mich das verändert. Es macht einen auch etwas ruhiger.“

Eine Eigenschaft, die ihm half, mit der nicht einfachen Situation umzugehen. Denn was Kopacz in den vergangenen Monaten am meisten brauchte, auch das weiß er sofort; „Geduld. Du musst geduldig sein“, sagt er. Seine Stärke? Der 26-Jährige denkt kurz über seine Wortwahl nach. „Man hat sie sich angeeignet“, sagt er und lächelt.

Was neben der Familie auch half, ist die Gewissheit, dass beim VfL in dieser Saison vieles möglich ist und jeder immer wieder seine Chancen bekommt. „Ich habe in meiner Karriere vieles erlebt. Ich hatte schon Situationen, in denen ich lernen musste, mit so etwas umzugehen. Deshalb bin ich drangeblieben. Ich weiß, wie schnell es gehen kann, nicht dabei zu sein, aber auch wie schnell es gehen kann, wieder dabei zu sein. “, sagt Kopacz. Er selbst hat es diese Saison zuvor schon einmal erfahren, als er sich nach einer sportlich schwierigen Anfangsphase beim VfL durch eine gute Leistung im Test beim Hamburger SV wieder in die Mannschaft gespielt hatte. Beim VfL ist genau das in dieser Saison kein Zufall, sondern hat System.

Nur wenige Trainer setzen derart konsequent auf das Prinzip Leistung wie Timo Schultz. Einsatz im Training ist keine Garantie für einen Platz im engen Kader, doch er erhöht die Chancen enorm. Natürlich hat auch der VfL ein festes Gerüst. Um dieses herum, ist vieles flexibel. Nur die beiden Ersatztorhüter Niklas Sauter und Mats Remberg sind bisher noch ohne Einsatz. Zumindest nicht in einem Liga-Spiel. Regelmäßig testet der VfL gegen Mannschaften auf gutem bis hohem Niveau, um auch den Spielern, die gerade nicht im Einsatz waren, Praxis zu geben. Hier können sich die Profis anbieten und sich die so genannten „Körner“ holen, um auch im Ligabetrieb sofort auf Betriebstemperatur zu sein. Manch einer in der Mannschaft schaffte es schon von der Tribüne direkt in die Startelf. Oft war es erfolgreich.

So wie bei Kopacz gegen Köln, der den Platz des gelbgesperrten Lars Kehl eingenommen hat. Doch nicht immer waren Verletzungen oder Sperren die Gründe für Veränderung. Formstärke, Trainingsleistung, Spielweise und System des Gegners - Schultz wechselte schon aus vielen Gründen Kader und Startelf.

Für Niklas Wiemann einer der Erfolgsfaktoren in dieser Saison. „Wir sprechen es oft an, dass wir, wenn wir wechseln, einen Impact haben wollen, und das bekommen wir aktuell extrem gut hin. Wir können auch in der Startelf wechseln und unsere Abläufe sitzen trotzdem. Da sieht man, dass auch allem die vielleicht gerade in erster Linie die Rolle spielen, im Training trotzdem aufpassen und die Abläufe verinnerlichen“, sagt der Vizekapitän.

Es spricht auch für eine „gute Breite im Kader“, wie Kopacz betont: „Wir haben viele Jungs, die auf der Bank sitzen oder nicht im Kader sind, aber wenn sie gebraucht werden, direkt da sind. Diese Qualität haben wir. Das sieht man auch im Training, jeder kann und jeder will spielen.“ Es sind Sätze, wie sie oft von Fußballern verwendet werden. Selten haben sie so gestimmt, wie in dieser Saison beim VfL.

Kopacz veredelte seinen guten Auftritt mit seinem vierten Saisontor. Nach einer Balleroberung von Robin Fabinski (auch einer, der zwischenzeitlich auf der Tribüne saß, zuletzt aber regelmäßig zur Startelf zählt), der den Ball dann noch einmal am Strafraum bekam und in die Mitte legte, nahm Kopacz die Hacke, um diesen vorbei am Gegenspieler und am Keeper zum 2:0 ins Tor zu ziehen. „Ich habe einfach nur versucht, den Ball aufs Tor zu bringen. Dass er dann so reingeht, freut mich natürlich“, beschrieb Kopacz die Entstehung und fügte an: „Auch wenn ich fünf Spiele lang nicht im Kader war. Als ich heute auf dem Platz stand, fühlte es sich an, als würden wir schon lange zusammen spielen.“

Ob Kopacz auch in Regensburg zum Einsatz kommt? Natürlich würde er es sich wünschen. Doch auch vor dieser Antwort überlegt er kurz: „Ich nehme es, wie es kommt. Das muss man im Leben so, das muss man im Fußball so. Wenn ich spiele, bin ich für die Mannschaft da. Und wenn nicht - dann auch.“

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