Osnabrück Deutsche sitzen in Dubai und Doha fest: Wadephuls unglückliches Krisenmanagement
Das Krisenmanagement von Außenminister Johann Wadephul (CDU) zu Beginn des Iran-Krieges wirkt unglücklich. Schade, denn die in der Golfregion gestrandeten Deutschen hätten dringend eine professionellere Hilfe verdient.
30.000 Deutsche sollen in der Golfregion wegen des Iran-Krieges festsitzen. Teilweise werden sie in Dubai und Doha Zeugen von Raketen- und Drohnenangriffen. Kreuzfahrtschiffe wie „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ liegen in Häfen fest. Wichtige Drehkreuze sind gar nicht oder nur eingeschränkt geöffnet. In dieser brenzligen Krisensituation reagierte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) äußerst ungeschickt.
Zunächst machte der Außenminister den gestrandeten Landsleuten kaum Hoffnung, dass sie zeitnah mit Flugzeugen nach Hause geholt werden könnten, und appellierte an die Eigenverantwortung. Dann ruderte er nach massiver Kritik am Montag zurück und sprach davon, dass vulnerable Gruppen, Schwangere und Kinder mit Flugzeugen aus den Krisenregionen nach Deutschland ausgeflogen werden könnten.
Für großes Stirnrunzeln sorgte dann Wadephul im Fernsehen mit seiner Aussage, das Auswärtige Amt habe schon Wochen zuvor für die gesamte Golfregion eine Reisewarnung herausgegeben. Doch das stimmte gar nicht. Erst als am Samstag die ersten Raketen flogen, wurden entsprechende Warnungen für Katar und die Emirate veröffentlicht. Wadephul musste sich öffentlich korrigieren.
Damit wurde auch das wichtigste Argument für die zurückhaltende Haltung der Bundesregierung entkräftet, wonach die gestrandeten Deutschen selbst für eine Rückkehr sorgen müssten. Nach dem Motto: Selbst schuld, die Betroffenen hätten ja die offizielle Reisewarnung missachtet.
Das ist für viele gestrandete Urlauber doppelt ärgerlich, weil sie zum einen als verantwortungslose Abenteurer hingestellt wurden. Zum anderen hätten wohl etliche Betroffene ihre Urlaubsreisen erst gar nicht angetreten, wäre ihnen die Größe des Risikos bekannt gewesen, Zeugen eines Krieges werden zu können. Auch für die Reiseveranstalter ist die Einstufung durch das Auswärtige Amt enorm wichtig, wenn es darum geht, ob eine Reise aus Sicherheitsgründen überhaupt durchgeführt werden kann. Ganz zu schweigen von Entschädigungs- und anderen Kostenfragen.
Was also jetzt tun? Die Bundesregierung wäre gut beraten, in dieser schwierigen Situation schnelle und pragmatische Lösungen gemeinsam mit Fluglinien und Reiseveranstaltern zu suchen. Dabei muss sichergestellt werden, dass nicht der Steuerzahler am Ende auf den Kosten sitzen bleibt. Doch die in der Golfregion festsitzenden Deutschen haben eine professionellere Unterstützung verdient, als sie das Auswärtige Amt bislang geleistet hat. Wenn aber der Außenminister schon so schlecht informiert ist, wundert es nicht, wenn auch das Krisenmanagement zu wünschen übrig lässt.
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