Osnabrück Jüdische Gemeinde Osnabrück feiert Purim – mit Bischof, Landrätin und Oberbürgermeisterin
Am Feiertag Purim gedenken Juden auf aller Welt ihrer Rettung aus höchster Gefahr. Aber auch in Osnabrück geht das nicht ohne Polizeischutz. Zur Wache der Solidarität kamen nun unter anderem Katharina Pötter, Anna Kebschull und Dominicus Meier.
Ein mächtiger Minister plant, alle Juden im großen Persischen Reich zu töten. Was er nicht weiß: Ester, die Frau des Königs, ist selbst Jüdin. Zusammen mit ihrem Verwandten Mordechai kann sie den Minister Haman stürzen, den Genozid verhindern und ihr Volk, das sich gegen die Verfolgung wehrt, retten.
Es ist eine der vielen grausamen Erzählungen über permanente Bedrohung aus der Geschichte des Judentums, die im Mittelpunkt des Festes Purim steht. Und gerade jetzt, wo der Nahe Osten mal wieder in Flammen steht, deprimierend aktuell klingt. Trotzdem ist es ein Freudenfest, das in der Osnabrücker Synagoge mit bunten Verkleidungen, Schnaps und Kinderlachen begangen wird.
Während drinnen Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, Landrätin Anna Kebschull, Bischof Dominicus Meier und Generalvikar Ulrich Beckwermert zu Besuch sind, stehen draußen auf der Straße 30 bis 40 Menschen und plaudern. Sie sind Mitglieder der Solidaritätswache, die sich zu Feiertagen vor der Synagoge einfinden, um der jüdischen Gemeinde zu versichern, dass sie in Osnabrück nicht allein ist.
Der Vollmond scheint hell über der Weststadt an diesem frühlingshaften Märzabend. Purim ermuntere dazu, Antisemitismus nicht einfach hinzunehmen, sondern sich ihm aktiv entgegenzustellen, sagt Winfried Verburg, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit: „Es geht nicht um Nahostpolitik, sondern darum, zu zeigen, dass es nicht sein kann, dass Jüdinnen und Juden hierzulande nur unter Polizeischutz beten können.“
Ein Streifenwagen parkt mit laufendem Motor wenige Meter entfernt. Chanukka am Bondi Beach in Australien, Jom Kippur in Halle an der Saale – wenn Extremisten planen, möglichst viele Juden auf einmal zu ermorden, wählen sie gerne hohe Feiertage aus. Es sind Angriffe, die Menschen und Religion gleichermaßen treffen sollen.
Ein kurzer Gottesdienst und karnevalsähnliche Fröhlichkeit können vielleicht für eine gewisse Zeit vergessen machen, was auf der Welt los ist. Doch viele Gemeindemitglieder seien in Gedanken bei ihren Angehörigen in Israel, das an der Seite der USA Krieg gegen das islamistische Regime im Iran führt, sagt Michael Grünberg, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde. Judentum ganz ohne Politik, das scheint unmöglich zu sein.
Den Teilnehmern der Solidaritätswache wird derweil Likörwein und Wodka gereicht. Aus der Synagoge strömt warmes Licht. In Osnabrück scheint die Welt an diesem Erev Purim, dem Vorabend des eigentlichen Feiertages, doch ein bisschen in Ordnung zu sein.