Osnabrück  Die graue Maus vom Rhein: Viktoria Köln bleibt trotz Umbruch konstant und gefährlich

Marcel Bechtel
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Von Marcel Bechtel
| 03.03.2026 12:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ähnlich umkämpft wie dieses Kopfball-Duell zwischen dem Kölner Jamil Siebert und dem Osnabrücker Florian Kleinhansel war auch das 0:0 im Hinspiel. Im Hintergrund: Robin Meißner, heute Top-Torschütze bei Lila-Weiß. Foto: Helmut Kemme
Ähnlich umkämpft wie dieses Kopfball-Duell zwischen dem Kölner Jamil Siebert und dem Osnabrücker Florian Kleinhansel war auch das 0:0 im Hinspiel. Im Hintergrund: Robin Meißner, heute Top-Torschütze bei Lila-Weiß. Foto: Helmut Kemme
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Spitzenreiter gegen graue Maus: So lässt sich im Vorfeld auf das Spiel am Dienstagabend (19 Uhr) vom VfL Osnabrück gegen Viktoria Köln blicken. Und auch wenn die Kölner, wie das Mittelmaß aller Dinge wirken, sollte der VfL gewarnt sein.

Um sonderlich viel dürfte es für den FC Viktoria Köln in dieser Saison nicht mehr gehen – zumindest nicht in der 3. Fußball-Liga. 14 Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, neun Punkte hinter der Relegation: macht in Summe Platz zehn. Viel mehr Niemandsland geht eigentlich nicht.

Aber: Die Viktoria ist seit fünf Pflichtspielen ungeschlagen und besiegte zuletzt die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart mit 2:0 – gegen die hat Osnabrück kurz vor Weihnachten noch verloren. Und auch wenn die Bilanz zwischen den Kölnern und den Lila-Weißen klar für den VfL spricht (vier Siege, zwei Unentschieden, eine Niederlage), das Hinspiel in Köln endete mit einem glanzlosen 0:0.

Ein wenig überraschendes Ergebnis: Bereits zehnmal spielten die Kölner in dieser Drittliga-Saison hinten zu null. Nur drei Teams kassierten weniger Gegentore: Wiesbaden, Stuttgart und der VfL Osnabrück. Cheftrainer Marian Wilhelm, der seit Sommer 2025 im Amt ist, setzt also vor allem auf eine starke Defensive. Das, was auch den VfL Osnabrück in dieser Saison auszeichnet.

Mit dieser Herangehensweise ist Viktoria Köln auf einem guten Weg, das von Wilhelm ausgerufene Saisonziel von 45 Punkten zu erreichen – was wohl gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt wäre. Sieben Punkte müssten sie dafür aus den letzten acht Spielen noch holen. In der vergangenen Saison landete man mit 59 Punkten auf Platz 6 – die bisher beste Platzierung des 2010 neu gegründeten Vereins. Die Kölner stehen also eher nicht für Spektakel.

Auch nicht in der Offensive, hier befindet sich Viktoria Köln mit 38 Toren im Mittelfeld der Liga. Top-Scorer Lex Tyger Lobinger (9 Treffer) spielt seit Januar für den Liga-Konkurrenten und Aufstiegsaspiranten aus Duisburg. Die Tore müssen also jetzt andere machen. Zum Beispiel Jacob Sachse: die Winterleihe vom aktuellen Tabellenführer der zweiten Liga, dem FC Schalke 04. In den bisherigen drei Spielen für die Kölner netzte der 19-Jährige bereits zweimal – und das jeweils nach Einwechslung.

Dass ein so junger Spieler gerade groß aufspielt, ist kein Zufall. Das Team von Marian Wilhelm hat mit 24,4 Jahren im Schnitt einen der jüngsten Kader der Liga. Das liegt zum einen daran, dass der Verein in den letzten Jahren vermehrt auf eigene Talente setzt und sich zu einer soliden Talentschmiede entwickelt hat. Zum anderen gab es einen großen Umbruch vor der Saison. Einige Spieler wechselten zu höherklassigen Vereinen. Der wohl prominenteste Abgang: Said El Mala, mittlerweile Shootingstar beim großen Stadtrivalen, dem 1. FC Köln.

Aber nicht nur auf dem Platz findet man neue Gesichter. Anfang des Jahres wurde es unruhig um die Führungsetage. Mitte Januar verkündete der Verein, dass man sich mit dem sportlichen Leiter Stephan Küsters auf eine sofortige Trennung geeinigt habe. Hintergrund war, dass Küsters seinen Vertrag nicht für die neue Saison verlängern wollte. „Damit der Verein, der für mich über allem steht, in Ruhe die kommende Saison planen kann, habe ich mich entschlossen, meinen Posten mit sofortiger Wirkung freizugeben“, wird er auf der Vereinswebsite zitiert. Anfang Februar übernahm Valentin Schäfer, der bis dato Chefscout und Kaderplaner des Drittligisten war.

Für die Viktoria liegt der Fokus an diesem Dienstagabend nicht nur auf dem Spiel gegen den VfL Osnabrück, der Blick wird auch neben den Platz gerichtet sein. Parallel wird nämlich der Halbfinalgegner im Landespokal Mittelrhein ausgelost. Als höchstklassiges verbliebenes Team sind die Kölner in jedem Fall Favorit. Der Pokalsieg ist aus sportlicher und finanzieller Sicht wichtig, denn er qualifiziert für den DFB-Pokal.

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