Istanbul  Kommt der Regime Change? Welche Politiker und Militärs die USA im Visier haben

Thomas Seibert
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Von Thomas Seibert
| 28.02.2026 13:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wohl das primäre Ziel der Luftangriffe auf den Iran: der geistliche Führer Ali Chamenei. Foto: ZUMA Press Wire
Wohl das primäre Ziel der Luftangriffe auf den Iran: der geistliche Führer Ali Chamenei. Foto: ZUMA Press Wire
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Die USA und Israel haben den Iran mit Luftschlägen angegriffen. Ziel der Angriffe waren mutmaßlich der geistliche Führer Ali Chamenei und hochrangige Militärs. Es gab wohl bereits ein prominentes Opfer.

Die USA und Israel zielen bei ihren neuen Angriffen im Iran auf ranghohe Vertreter des Regimes, um die Islamische Republik mit einem Enthauptungsschlag zu stürzen. Prominentestes Opfer der ersten Stunden des Krieges am Samstag war nach israelischen Angaben der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarde, Generalmajor Mohammad Pakpur.

Auf der Abschussliste stehen auch Regimechef Ali Chamenei, Präsident Massud Peseschkian sowie weitere Politiker der Regierung und Militärs.

Eine iranische Bestätigung, dass Pakpur getötet wurde, gab es am Samstag zunächst nicht. Das bedeutet nicht, dass die israelischen Angaben falsch sind: Der Iran hat ein Interesse daran, eigene Verluste zu kaschieren. Pakpur hatte sein Amt erst im vergangenen Jahr angetreten, nachdem sein Vorgänger Hossein Salami bei israelisch-amerikanischen Luftangriffen im damaligen Zwölf-Tage-Krieg getötet worden war.

Israel wählte nach Armeeangaben als Ziele seiner ersten Luftschläge die vermuteten Aufenthaltsorte hoher Regimevertreter. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufung auf Quellen im Iran, mehrere hochrangige Politiker und Offiziere der Revolutionsgarde seien bei den Angriffen getötet worden. Namen wurden nicht genannt.

Esmail Kaani dürfte als Chef der sogenannten Kuds-Einheit – der Auslandstruppe der Revolutionsgarde – ebenfalls zu den anvisierten Regimevertretern gehören. Im Juni-Krieg des vergangenen Jahres wurden Gerüchte verbreitet, Kaani sei umgekommen, doch der Offizier zeigte sich nach dem Ende des Krieges in der Öffentlichkeit.

Wenn die Revolutionsgarde durch den Verlust hoher Kommandeure geschwächt würde, wäre das ein schwerer Schlag für Chameneis Regime. Nach einem Bericht der „New York Times“ hatte sich die iranische Führung auf den Kriegsfall vorbereitet, indem für alle wichtigen Posten jeweils vier Nachfolger bestimmt wurden. Berichte, wonach auch Generalmajor Amir Hatami, der Kommandeur der iranischen Landstreitkräfte, am Samstag starb, wurden vom Iran dementiert.

Als Revolutionsführer ist der 86-jährige Chamenei der wichtigste Mann in der Islamischen Republik und damit auch das oberste Ziel. Israel versuchte nach Medienberichten, Chamenei und Peseschkian mit gezielten Luftschlägen zu töten.

Sehen Sie hier noch einmal den Clasen Talk zum Iran:

Die „New York Times“ meldete, eine Residenz von Chamenei in Teheran sei von einem Luftangriff getroffen worden. Iranische Staatsmedien berichteten aber, beide Politiker seien in Sicherheit. Chamenei saß bereits im Krieg des vergangenen Jahres wochenlang im Bunker.

Auf der israelisch-amerikanischen Liste dürfte auch Ali Laridschani stehen, der als Vorsitzender des iranischen Sicherheitsrates und Berater von Chamenei einer der einflussreichsten Funktionäre des Regimes ist. Laridschani, ein antiwestlicher Hardliner und früherer Offizier der Revolutionsgarde, hatte vor zwei Jahren bei den Präsidentschaftswahlen gegen Peseschkian verloren. Dennoch spielte er zuletzt eine wichtige Rolle bei den Atomverhandlungen mit den USA.

Parlamentspräsident Mohammad Baker-Kalibaf gehört ebenfalls zur ersten Reihe der Islamischen Republik. Auch Kalibaf diente in der Revolutionsgarde, bevor er in die Politik ging und zwölf Jahre lang als Bürgermeister an der Spitze der Hauptstadt Teheran stand. Der Hardliner Kalibaf hatte die USA erst vor wenigen Tagen davor gewarnt, den Iran anzugreifen.

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