Osnabrück  Wut nach Insolvenz-Beschluss: Mitarbeiter des DRK Osnabrück erhalten Kündigung

Markus Pöhlking
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Von Markus Pöhlking
| 28.02.2026 05:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ungewisse Zukunft: Der Insolvenzverwalter hat allen Mitarbeitern des Osnabrücker DRK gekündigt. Der Shop in der Innenstadt ist ab sofort geschlossen. Foto: André Havergo
Ungewisse Zukunft: Der Insolvenzverwalter hat allen Mitarbeitern des Osnabrücker DRK gekündigt. Der Shop in der Innenstadt ist ab sofort geschlossen. Foto: André Havergo
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Der DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt hat am Donnerstag allen 25 angestellten Mitarbeitern gekündigt. Angesichts des eröffneten Insolvenzverfahrens ist das kein allzu überraschender Schritt. Für Ärger sorgt er dennoch.

Nur Stunden nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens hat der DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt sich von sämtlichen hauptamtlichen Mitarbeitern getrennt. Dem Verein dürfte die Auflösung bevorstehen, insofern kommt der Schritt wenig überraschend. Viele der nun Gefeuerten fühlen sich allerdings vor den Kopf gestoßen.

Ein Team von 25 hauptamtlichen Mitarbeitern hatte der DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt zuletzt. Seit Donnerstag, 26. Februar 2026, ist klar: Eine berufliche Perspektive haben sie beim Roten Kreuz vorerst nicht mehr.

Auf einer Betriebsversammlung erhielten die Mitarbeiter am Donnerstag demnach ihre Kündigungen. Insolvenzverwalter Stephan Michels hat für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit eine Kommunikationsagentur beauftragt. Diese bestätigte am Freitag, dass allen 25 Mitarbeitern die Kündigung ausgesprochen worden sei. Ein Anteil der Mitarbeiter habe bereits neue Beschäftigungen gefunden. Sie erhielten demnach parallel auch einen Aufhebungsvertrag. Das Gros der übrigen Arbeitnehmer ist ab sofort freigestellt.

Eine Ausnahme sind lediglich zwei Angestellte des DRK-Shops in der Innenstadt: Auch sie erhielten ihre Kündigungen, seien derzeit aber noch nicht freigestellt, heißt es von der Kommunikationsagentur. Der Markt ist ab sofort geschlossen, allerdings fielen dort derzeit wohl noch Arbeiten an.

Viele der Beschäftigten dürften angesichts der seit Wochen schwelenden Affäre beim DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt Kummer gewohnt sein. Die Kündigungen am Donnerstag seien dennoch ein herber Schlag gewesen, so schilderten es am Freitag gleich mehrere der Betroffenen unserer Redaktion.

Am Donnerstagabend hatte das noch amtierende Präsidium des Verbandes vermeldet, neue Perspektiven für die ehrenamtlichen Kräfte schaffen zu wollen. Denkbar sei, einen neuen DRK-Ortsverein Osnabrück zu gründen und diesen dem Verband Osnabrück-Land zu unterstellen.

Eine Mitarbeiterin, die nicht namentlich genannt werden möchte, äußerte sich gegenüber unser Redaktion so: Sie habe es als „irritierend“ empfunden, dass das Präsidium diese Nachricht in die Öffentlichkeit setze, aber kein Wort darüber verliere, dass zeitgleich 25 Kündigungen ausgesprochen wurden.

Formal liegen diese Kündigungen nicht im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums, sondern in dem des Insolvenzverwalters. Er fällt für die Dauer des Insolvenzverfahrens sämtliche Entscheidungen, die das Vermögen des DRK-Stadtverbandes betreffen. Dennoch stoßen sich mehrere der nun Entlassenen daran, dass das Präsidium weder auf der Betriebsversammlung Gesicht zeigte noch etwaige Worte des Bedauerns äußerte. „Es hat einen bitteren Beigeschmack, es ist das Menschliche, was mich ärgert“, bringt eine der frisch Entlassenen ihren Unmut auf den Punkt.

Gründe für das defensive Auftreten des Präsidiums könnten im Strafverfahren gegen den vormaligen Geschäftsführer des Stadtverbandes liegen. Der soll im Verband Osnabrück-Stadt sowie im DRK-Kreisverband Melle, wo er parallel Buchhalter war, Gelder veruntreut und Misswirtschaft betrieben haben. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt dazu.

Der Verband in Melle macht den Mann für einen sechsstelligen Schaden verantwortlich. Bei einem Güteverfahren vor dem Arbeitsgericht wurde Anfang der Woche zudem bekannt, dass der 36-Jährige Dutzende privater Amazon-Käufe über ein DRK-Konto abgewickelt haben soll. In seiner Doppelfunktion beim DRK gelang es dem Mann womöglich, sein Handeln zu verschleiern und so der Kontrolle durch das ehrenamtliche Präsidium zu entziehen. Die Rede ist von gefälschten Unterlagen und Arbeitsanweisungen.

Für die Mitglieder des Präsidiums ist die Sache heikel, weil ihnen im Falle grob fahrlässig oder vorsätzlich vernachlässigter Aufsichtspflichten auch selbst Konsequenzen drohen könnten. Die Kommunikation für das Präsidium hatte seit Bekanntwerden der Affäre Schatzmeister Paul Schneiderle übernommen. Schneiderle machte wiederholt klar, neue Entwicklungen und Informationen transparent kommunizieren zu wollen.

Ob die von ihm angekündigte Gründung eines neuen DRK-Ortsverbandes Beschäftigungsmöglichkeiten für die nun entlassenen Hauptamtler bieten könnte, ist unterdessen unklar. Zunächst einmal müsste der Verein gegründet werden. „Erst dann ließe sich sagen, ob nach den gesetzlichen Vorgaben ein sogenannter Betriebsübergang erfolgen kann und zu welchen Konditionen eine Weiterbeschäftigung möglich wäre“, lässt der Insolvenzverwalter über die von ihm beauftragte Agentur verlautbaren.

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