Osnabrück  Kehrt der VfL Osnabrück als Spitzenreiter aus Aue zurück?

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 27.02.2026 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Einschlag im langen Eck: Paul Thomik trifft für den orange gekleideten VfL Osnabrück zum 1:0-Sieg in Aue im Jahr 2008. Foto: Helmut Kemme
Einschlag im langen Eck: Paul Thomik trifft für den orange gekleideten VfL Osnabrück zum 1:0-Sieg in Aue im Jahr 2008. Foto: Helmut Kemme
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Der VfL Osnabrück tritt am Samstag (14 Uhr) beim FC Erzgebirge Aue an und könnte zumindest kurzfristig die Tabellenführung der 3. Liga übernehmen. Bei diesem Unterfangen wird ein wichtiger Spieler im Mittelfeldzentrum fehlen.

Tief in Sachsen treffen am Samstag (14 Uhr) zwei Welten aufeinander: Der VfL Osnabrück ist zu Gast beim FC Erzgebirge Aue – und bei einem der beiden lila-weißen Klubs ist die Lage im Aufstiegskampf bestens, während bei dem anderen die Abstiegsangst umgeht. Der VfL reist als Tabellendritter und in diesem Jahr ungeschlagen nach Aue. Die Erzgebirgler sind derweil 2026 noch sieglos und haben inzwischen vier Punkte Rückstand aufs rettende Ufer.

Nach zwei Highlightspielen gegen Rostock (2:2) und Essen (3:0) müssen sich die Osnabrücker nun umstellen: Sie treten als klarer Favorit an. Trainer Timo Schultz sieht darin kein Problem. „Ich habe bei uns gar nicht das Gefühl, dass wir eine besondere Motivation oder ein besonderes Setting brauchen“, sagt der 48-Jährige. „Wir spielen unseren Stiefel runter, egal ob es in Schweinfurt ist, in Aue oder zu Hause gegen Rot-Weiss Essen.“

Die Partie im Erzgebirge ist der Auftakt in die Englische Woche mit dem Heimspiel gegen Viktoria Köln am Dienstag (19 Uhr) und dem Auftritt bei Jahn Regensburg am kommenden Samstag (16.30 Uhr). Fast 1500 Kilometer werden die VfL-Profis in dieser Woche im Bus zurücklegen – keine andere Mannschaft der Liga hat weitere Fahrten. Weil dazu auch noch die dreimal 90 Minuten hinzukommen, wird die Belastung hoch.

Zeit zur Rotation für Schultz? Abwarten. „Ich schaue von Spiel zu Spiel und mache mir keinen Plan, was nächsten Samstag ist. Man muss sowieso auf alles vorbereitet sein, auch im Spiel“, sagt er. „Wir haben bis Dienstagabend Zeit und wer in Aue 90 Minuten spielt, kann das dann auch gegen Viktoria Köln.“ Ein konkretes Ziel für die drei Partien gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte gibt es nicht. Nur das für die Reise nach Aue ist klar: „Drei Punkte.“

Nicht dabei helfen wird Bjarke Jacobsen: Der dänische Mittelfeldanker des VfL plagt sich seit Donnerstag mit einem Infekt, fühlt sich unwohl und tritt die Fahrt ins Erzgebirge nicht mit an. Der rechte Flügelläufer Patrick Kammerbauer hatte über die Woche leichte Adduktorenprobleme, dürfte aber auflaufen können.

Schultz kann also fast aus dem Vollen schöpfen – beim Gegner sieht es allerdings fast genauso aus. Und beim Blick auf den Kader der „Veilchen“ offenbart sich Seltsames: Denn rein von der Spielerqualität und der Erfahrung dürften die Auer niemals so tief im Tabellenkeller stecken. Dass aber die genannten Punkte nicht zwangsläufig ein erfolgreiches Team ergeben, weiß man in Osnabrück aus der vergangenen Saison.

Deshalb hat man im Erzgebirge kürzlich reagiert: Sportchef Matthias Heidrich (von 2007 bis 2011 Profi beim VfL) musste gehen, es kam Ex-Bayern-Profi Michael Tarnat. Der installierte nach dem enttäuschenden Rückrundenauftakt seinen ehemaligen Mitspieler Christoph Dabrowski als Nachfolger des glücklosen Trainers Jens Härtel. In seinen ersten drei Partien holte aber auch Dabrowski nur zwei Punkte gegen Saarbrücken (0:0) und Köln (2:2). Dazu gab es zuletzt ein bitteres 1:2 im Ost-Derby gegen Cottbus.

Im Ergebnis gab es also keinen echten Trainereffekt – und in der Spielweise konnte Schultz ihn auch nicht zwingend feststellen. „Die Spieler sind die gleichen, der Ansatz ist der gleiche. Klar, jeder wittert noch mal seine Chance. Aber für uns macht es keinen Unterschied, ob der Trainer Härtel oder Dabrowski heißt“, sagt er.

Allerdings warnt der VfL-Trainer durchaus auch vor dem Gegner. In der Hinserie gewann der VfL zwar mit 3:1, musste sich dafür aber gehörig strecken und hatte auch ein bisschen Glück. „Es ist keine Mannschaft, die sich über Catenaccio definiert, bei der dann vorne der liebe Gott helfen soll. Sie wollen Fußball spielen, sie haben gute Kicker“, analysiert Schultz und schlussfolgert: „Wenn man sie allzu sehr in Ruhe lässt, werden sie gute Lösungen finden.“

Der VfL-Coach ist weit entfernt von Überheblichkeit – vielmehr versprüht er ein gesundes Selbstbewusstsein. „Für uns spielt aber keine Rolle, ob der Gegner Dreier- oder Viererkette spielt oder sich irgendwas Besonderes einfallen lässt“, sagt Schultz. „Wir müssen unsere Stärken auf den Platz bringen. Dann haben wir eine gute Chance zu gewinnen.“

Ein Auswärtssieg würde übrigens mindestens für kurze Zeit die Tabellenführung bedeuten: Energie Cottbus spielt am Samstag erst um 16.30 Uhr im Topspiel gegen den Vierten aus Verl – Ausgang völlig offen. Und der MSV Duisburg empfängt den TSV Havelse erst am Sonntag. Würde der VfL die Rückfahrt aus Aue als Spitzenreiter antreten, wäre die Osnabrücker Welt doch weiterhin schwer in Ordnung.

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