Osnabrück  Personalmangel: Lässt die Politik die Osnabrücker Montessori-Schule hängen?

Sandra Dorn
|
Von Sandra Dorn
| 03.03.2026 05:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Entsprechend ihrer indiviuellen Fähigkeiten lernen die Kinder an der Osnabrücker Montessori-Schule lesen und schreiben. Die Schule ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Foto: Jörn Martens
Entsprechend ihrer indiviuellen Fähigkeiten lernen die Kinder an der Osnabrücker Montessori-Schule lesen und schreiben. Die Schule ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Foto: Jörn Martens
Artikel teilen:

An der Osnabrücker Montessori-Schule fehlen etliche pädagogische Stellen. Eltern der Förderschulkinder fordern, dass sich etwas ändert. Sie haben Abgeordnete der Grünen eingeladen, die in der Landesregierung die Kultusministerin stellen. Wie stehen sie dazu?

Die Osnabrücker Montessori-Schule an der Ernst-Sievers-Straße ist personell am Limit. Der Krankenstand an der Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung sei wegen der Dauerbelastung so hoch wie nie, es komme zum Ausfall von Unterricht und Therapiestunden, berichten betroffene Mütter und Schulleiter Benno Schomaker.

Mehrere Elternvertreterinnen wollen das nicht mehr hinnehmen und haben Abgeordnete der Grünen an die Schule eingeladen, denn die stellen in Niedersachsen die Kultusministerin. Gekommen sind der Landtagsabgeordnete Volker Bajus, der auch einen Sitz im Osnabrücker Stadtrat hat, Lena Nzume, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, und außerdem Ratsmitglied Birgit Strangmann.

Was helfen würde, fragt Grünen-Landespolitikerin Nzume. Da muss der Schulleiter nicht lange nachdenken: „Mehr pädagogische Stellen“, sagt Benno Schomaker. Tatsächlich schafft das Land ab dem 1. August 60 neue Stellen für 95 öffentliche Förderschulen. Aber das seien umgerechnet eben nur 0,6 Stellen pro Schule und damit „weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Schomaker.

„Es ist mehr als bislang“, gibt Nzume zu bedenken. Doch an der Osnabrücker Montessori-Schule fehlen 15 Stellen, im nächsten Schuljahr werden es voraussichtlich 19 sein. Seit 2018 habe er an der Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung acht zusätzliche Klassen eingerichtet, aber keine personelle Verstärkung bekommen, berichtet Schulleiter Schomaker. Knapp 300 Kinder besuchen die Schule, Tendenz steigend.

Für die Kinder mit vielfach komplexen Behinderungen sei die Schule die Chance, Kompetenzen zu erwerben, um als Erwachsene möglichst selbstständig zu sein – das reiche von Lesenlernen bis Busfahren, sagt Elternvertreterin Bettina Korten-Kröger.

Doch Therapien und gezielte Förderung würden wegen der angespannten Personallage zu oft unter den Tisch fallen. Und noch etwas gibt die Mutter einer Achtklässlerin zu bedenken: „Unsere Kinder haben außerhalb der Schule oft wenig soziale Kontakte. Das ist nicht nur ein Lernort, sondern ein Lebensort.“

Die personelle Ausstattung der Schule sei eine Frage von Bildungsgerechtigkeit, findet Benedikt Knillmann, den die Eltern als Vertreter des Landesschülerrats zusammen mit den Grünen eingeladen haben. Er macht zurzeit sein Abitur am Osnabrücker Ratsgymnasium. „Ich glaube, uns geht es da ganz gut“, sagt er. „Wenn es nur ums Budget geht, dann nehmen Sie doch uns am Gymnasium ein paar Ressourcen weg und geben Sie hier mehr hinein.“

Nzume antwortet, es gebe beim Land ja bereits einen Sozialindex, wonach die Gelder für die Schulen nicht mit der Gießkanne, sondern gezielt verteilt würden. Doch die Eltern der Montessori-Schule kritisieren, dass Förderschulen ja noch nicht mal ins Start-Chancen-Programm des Bundes für benachteiligte Schulen aufgenommen wurden.

Neben Lehrern, Erziehern und Therapeuten unterstützen auch noch Schulbegleiter im Unterricht – allerdings nur einzelne Kinder. Es ist eine Teilhabe-Leistung, die nicht vom Kultusministerium, sondern vom Sozialamt bezahlt wird und die die Eltern selbst für ihr Kind beantragen müssen. 33 solcher Schulbegleiter sitzen an der Montessori-Schule mit im Unterricht, in manchen Klassen gleich mehrere, in anderen gar keine. „Das ist personell nicht ganz glücklich“, sagt Schomaker.

Nzume schlägt vor, einen Pool an Klassenassistenzen zu gründen. Doch genau das hätten er und verschiedene andere Förderschulen, aber auch Grundschulen, bereits beim Sozialministerium versucht, erklärt Schulleiter Schomaker. Ohne Erfolg.

Noch ein Problem ist die Ferienbetreuung für die Kinder mit Behinderung. Die Montessori-Schule biete zwar eine an, finanziell getragen von der Stadt, allerdings nur für etwa 20 Schüler, sagt Schomaker.

Der Silberstreif am Horizont für die Osnabrücker Montessori-Schule heißt „Förderschulcampus“. Die Stadt will für die Montessori- und die Anne-Frank-Schule mit dem Schwerpunkt motorische Entwicklung am Friedensweg in Schinkel-Ost für mehr als 100 Millionen Euro komplett neu bauen.

2031 könnte der Neubau stehen, hieß es voriges Jahr von Stadt und Landkreis, die sich nach 20 Jahren Diskussion nun über die Finanzierung geeinigt haben. Etwa 70 Prozent seiner Schüler leben in Osnabrück, 30 Prozent im Südkreis, sagt Schomaker.

Schule und Eltern wissen also, dass sich etwas tut, aber sie wissen auch, dass bis dahin noch viel Zeit vergehen wird.

„Ich kämpfe gerne für mehr Bildung und finde es toll, wenn Sie sich so einsetzen“, betont die Grünen-Landtagsabgeordnete Lena Nzume. Sie macht den Eltern Mut – aber keine Versprechen. Nzume: „Am Ende geht es ums Geld.“

Ähnliche Artikel