Osnabrück Im nächsten Osnabrücker Winter Distanzunterricht statt Schulausfall? So ist der aktuelle Stand
Schulausfall bei Schnee und Glatteis in Osnabrück: Muss das sein? Für die Berufsschulen können Stadt und Landkreis Distanzunterricht anordnen, für alle anderen Schulen nicht. Warum? Wir haben beim Land nachgefragt. Was sich ändern soll.
Bei den vielen Schulausfällen in Osnabrück wegen Glatteis und Schnee in diesem Jahr haben sich so einige Eltern gefragt, warum die Stadt für die allgemeinbildenden Schulen nicht einfach Distanzunterricht anordnet.
Bei den berufsbildenden Schulen tut sie das nämlich. Doch für die allgemeinbildenden Schulen gilt: Stadt und Landkreis Osnabrück haben für so eine Anordnung gar keine Befugnis, obwohl sie auch dort die Schulträger sind.
In ganz Niedersachsen gibt es – anders als bei den Berufsschulen – für Grundschulen, Oberschulen, integrierte Gesamtschulen oder Gymnasien gar keine entsprechende Rechtsgrundlage für die Anordnung von Distanzunterricht. Dass das Land diese noch nicht geschaffen hat, hängt mit der bislang schlechteren technischen Ausstattung der allgemeinbildenden Schulen in der Fläche zusammen.
Viele Schulen geben ihren Schülern zwar im Falle eines Schulausfalls wie zuletzt in Osnabrück Aufgaben auf, aber verbindlicher Unterricht ist das nicht. Genau das soll sich ändern, wie jetzt das niedersächsische Kultusministerium auf noz-Anfrage antwortet.
„Mit dem Schulgesetz, das zum August in Kraft treten soll, sollen die Schulleitungen etwa bei Unwettern künftig verbindlich anordnen können, dass zu Hause gearbeitet wird“, schreibt Ministeriumssprecherin Manuela Meyer. „Dann muss dadurch kein Unterricht mehr ausfallen.“
Es sei davon auszugehen, dass ab dem nächsten Winter alle Schulen ein Konzept für den Distanzunterricht hätten, um auf kurzfristige Schulausfälle vorbereitet zu sein.
Dass die Berufsschulen hier schon weiter sind, hat einen einfachen Grund: Hier habe es frühzeitig bessere technische Ausstattungen gegeben – „und aus den Schulen heraus den Wunsch, Unterricht vermehrt auch digital umsetzen zu können“, schildert die Sprecherin des Kultusministeriums, zumal viele Auszubildende über ihren Beruf beziehungsweise ihren Ausbildungsbetrieb entsprechend ausgestattet seien.
Seit 2022 hätten die berufsbildenden Schulen (BBS) die Möglichkeit, bis zu 30 Prozent ihres Unterrichts online zu halten. „Mit den Landkreisen und kreisfreien Städten als Schulträger gibt es – darauf aufbauend – die Vereinbarung für die meisten BBSn, dass sie bei einem witterungsbedingtem Schulausfall Online-Unterricht anordnen können“, schreibt Meyer.
So ist es auch in Stadt und Landkreis Osnabrück. Dieser Unterricht sei verbindlich, sodass sie an solchen Tagen auch nicht in ihrem Ausbildungsbetrieb antreten müssten, so Meyer.
Was die technische Ausstattung der allgemeinbildenden Schulen angeht, schreibt Meyer: „Wir haben derzeit noch nicht überall im Land die gleichen Bedingungen. Und auch gerade in den Grundschulen kann man sich fragen, wie gut das eigentlich funktionieren würde.“ Die Schulleitungen könnten das daher am besten entscheiden.
In Osnabrück steuert die Stadt die technische Ausstattung der Schulen über ihre Medienentwicklungsplanung. Von 2018 bis 2023 steckte Osnabrück 13,7 Millionen Euro hinein, größtenteils refinanziert über Fördermittel. Investiert wurde vor allem in die IT-Infrastruktur wie W-Lan an Schulen sowie in digitale Tafeln und Endgeräte.
2026 bis 2030 will die Stadt weitere 13 Millionen Euro in die technische Ausstattung ihrer Schulen investieren. Den entsprechenden Medienentwicklungsplan 2.0 hat der Stadtrat Ende 2025 zusammen mit dem Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 beschlossen.