Osnabrück Trauer und Wut: Mahnwache in Osnabrück nach mutmaßlichem Mord in Wallenhorst
Nach dem mutmaßlichen Mord an einer Frau in Wallenhorst setzen Frauenberatungsstelle und Frauenhaus in Osnabrück ein Zeichen. Zur Mahnwache gegen Femizide gedachten am Dienstag etwa 100 Menschen der 39-Jährigen am Mahnmal gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
Autolärm, Sportler an den Metallstangen der Calisthenics-Station und Marihuana-Geruch sind Teil der banalen Realität am Willy-Brandt-Platz. Daneben versammelten sich am 24. Februar knapp 100 Menschen, um auf eine grausame Realität in Deutschland hinzuweisen. Die Frauenberatungsstelle Osnabrück und das autonome Frauenhaus Osnabrück riefen gemeinsam zur Mahnwache gegen Femizide auf.
Anlass für diese Versammlung war der mutmaßliche Mord an einer Frau in Wallenhorst am 12. Februar. „Es war ein Femizid“, finden die Rednerinnen klare Worte. Der Protest richtet sich auch gegen die Relativierung und Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen. Es sei kein „Drama“ oder eine „Tragödie“, sondern die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist.
So definiert sich ein Femizid im Sprachgebrauch. Eine juristische Definition gibt es allerdings nicht. Hier sieht Karen De La Torre von der Frauenberatungsstelle Osnabrück dringenden politischen Handlungsbedarf. Aktuell beschäftigt sich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe der AG Kripo mit einer bundesweit einheitlichen Definition für Femizide. Mit einem Ergebnis sei im ersten Halbjahr 2026 zu rechnen.
Die Gewalttat in Wallenhorst sei der sechste Femizid seit Anfang des Jahres, so zeigt es eine Reihe von Gedenkzetteln vor den niedergelegten Kerzen und Kränzen. Die Fälle aus dem Vorjahr, 98 an der Zahl, bedecken fast vollständig das Mahnmal gegen geschlechtsspezifische Gewalt, an dem sich die Menschen versammelt haben. „Hinter jeder Zahl stehen Leben, die von Angst, Kontrolle und Gewalt geprägt sind“, hört man aus dem aufgebauten Lautsprecher.
Frau M., die lieber anonym bleiben möchte, hat bei der Rede Tränen in den Augen. Sie selbst habe männliche Gewalt erfahren und floh nach Osnabrück. Sie versteckte sich und suchte Schutz. Inzwischen wisse der Täter aber auch wieder, dass sie hier sei. „Man muss gemeinsam stark sein“, erklärt Frau M. den Grund für ihre Teilnahme an der Mahnwache, „man muss die Augen aufmachen.“
Gemeinsam nahmen auch verschiedene Gruppierungen an der Mahnwache teil. In Solidarität und Trauer standen hier Omas gegen Rechts, Mitglieder verschiedener Motorradclubs aus dem Raum Osnabrück und der Zonta-Club Osnabrück Westfälischer Frieden. Letzterer sammelt bei einer kommenden Lesung am 14. März Spenden für die drei Kinder der in Wallenhorst getöteten Frau.
Zum Ende der Rede rief De La Torre den Leitspruch, unter dem die Mahnwache stattgefunden hatte: „Ni una menos! Keine weniger!“. Sie brachte den Ausruf mit denselben Gefühlen zum Ausdruck, die einen zentralen Aspekt der vorherigen Ansprache bildeten: Trauer, Erschütterung, Wut und Entschlossenheit.