Vermisste Kinder in Barßel Cousins bleiben verschwunden – Polizei prüft Spur ins Ausland
Die Kinder wollten zum Fußballtraining und kamen nie an. Seit Montag fehlt von den Cousins jede Spur. Welche Hinweise die Ermittler bislang haben, bleibt Teil der laufenden Fahndung.
Barßel/Cloppenburg - Der Sprecher der Polizeiinspektion Cloppenburg / Vechta ist aktuell nicht einfach zu erreichen. In Barßel werden seit Montag zwei Kinder vermisst. Das bewegt die Gemüter – nicht nur in der Region.
Die beiden Jungen, Cousins im Alter von neun und zehn Jahren, wollten am Montagnachmittag zum Fußballtraining in der Barßeler Sporthalle, kamen dort aber nie an. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur.
Seit 2025 aus Afghanistan in Barßel
Sie waren am Montag gegen 16.30 Uhr zu Fuß unterwegs gewesen, um zur Sporthalle an der Westmarkstraße zu gehen, die sich rund einen Kilometer entfernt von ihrer Wohngruppe befindet. Dort kamen sie jedoch nicht an. Als ihr Verschwinden auffiel, hatten Mitarbeitende der Wohngruppe in Barßel zunächst Kontaktmöglichkeiten überprüft und dann die Polizei alarmiert.
Die Kinder sind im März 2025 aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Der Landkreis Cloppenburg hatte sie im April in Obhut genommen. Sie waren seitdem in Barßel in der Jugendhilfeeinrichtung eines freien Trägers untergebracht.
Polizei ermittelt mit Hochdruck
„Wir rotieren“, sagt Oberkommissar Christoph Schomaker, Sprecher der Inspektion Cloppenburg / Vechta. Zwei verschwundene Kinder – solche Fälle gehörten zu den schlimmsten Szenarien für die Polizei. Die versucht unter Hochdruck zu ermitteln, wo sich der Neunjährige und sein zehnjähriger Cousin aktuell aufhalten.
Dass die Jungen einer Straftat zum Opfer gefallen sind, schließt die Polizei nach derzeitigem Ermittlungsstand aus, ebenso ein Unglück.
Spürhund und Hubschrauber
Wir haben bei der Inspektion nachgefragt, warum sich die Ermittler da so sicher sind?
Schomaker verweist darauf, dass die Suche nach den Jungen, bei denen ein Personenspürhund und ein Hubschrauber zum Einsatz kamen, keine Spur von den Kindern erbracht hat.
Am Dienstag gegen Mittag hatte ein Personenspürhund der Rettungshundestaffel aus Bremerhaven die Suche ausgehend von der Wohngruppe in der Hauptstraße in Barßel aufgenommen. Mehrere Polizisten waren im Einsatz und überprüften Straßenzüge im Ortskern von Barßel. Mit einem Polizeihubschrauber wurden größere Flächen sowie Gewässer und deren Uferbereiche in Augenschein genommen. Beide Maßnahmen hatten keine konkreten Erkenntnisse zum Verbleib der Kinder gebracht.
Puzzle ergibt Gesamtbild
Parallel hatten Polizisten umfangreich im Umfeld der Wohngruppe sowie „im familiären Kontext“ der beiden vermissten Kinder ermittelt – was ebenfalls bislang ohne Resultat zu deren aktuellem Aufenthalt blieb. Doch aufgrund der dadurch erlangten Erkenntnisse schließen die Ermittler nach derzeitigem Ermittlungsstand eine akute Gefährdung der Kinder aus, so die Pressemitteilung der Polizei. Auch von einem Unglück gehen die Polizeibeamten auf Grundlage ihrer Ermittlungen derzeit nicht aus.
„Es sind viele Puzzleteile, die schließlich ein Gesamtbild ergeben“, so Polizeisprecher Schomaker. Dabei arbeite die Polizei auch mit Wahrscheinlichkeiten.
Die weiteren Ermittlungen würden andauern, die Inspektion in Cloppenburg habe eine überörtliche Personenfahndung initiiert.
Nicht mehr in Barßel
Am Dienstagabend hatte der Polizeisprecher mitgeteilt, dass sich die Kinder vermutlich nicht mehr im Nordkreis Cloppenburg aufhielten.
Nun bittet Schomaker um Verständnis, dass sich die Polizei mit weiteren Details zurückhalte. Die Staatsanwaltschaft sei ebenfalls bereits in den Vermisstenfall eingebunden. So viel konnte der Pressesprecher am Mittwochvormittag sagen: Drohnen, Spurhunde und Hundertschaften kämen aktuell nicht erneut zum Einsatz.
Ohne Eltern nach Deutschland
Die Kinder waren ohne ihre Eltern in Deutschland angekommen. Der Landkreis Cloppenburg hatte sie den Angaben zufolge in Obhut genommen. Seit 2025 waren sie in der Einrichtung in der Gemeinde Barßel untergebracht. Kontakt zu ihren Eltern bestand über die Botschaften.
Medien hatten berichtet, dass ein Onkel die Kinder begleitet habe, der sich allerdings jetzt nicht mehr in der Gemeinde Barßel aufhalte.
In Schutzeinrichtung untergebracht
Dazu befragt, äußerte sich der Polizeisprecher zurückhaltend. Die Polizei kläre, wie der Verwandte in den Fall involviert sei. Zu der Einrichtung, in der die Jungen gewohnt hatten, machte der Polizeisprecher keine Angaben. Die Unterbringung sei über das Jugendamt erfolgt und liege damit in der Verantwortung des Landkreises Cloppenburg.
Schomaker verwies allerdings darauf, dass die Polizei mit den Daten der Einrichtung sensibel umgehe, um deren pädagogische Arbeit nicht zu gefährden. „Das ist eine Schutzeinrichtung“, so der Polizeisprecher.
Betroffenheit im Kreishaus
Dazu befragten wir Frank Beumker, Pressesprecher des Landkreises Cloppenburg. Auch im Kreishaus ist man von dem Fall betroffen. „Das berührt uns natürlich, das ist ja klar – es geht schließlich um zwei junge Kinder“, betont Beumker.
Er erläutert, dass die Kinder ohne ihre Eltern ins Bundesgebiet eingereist und dem Landkreis Cloppenburg als unbegleitete Minderjährige zugewiesen worden seien. Ob die Eltern einen Antrag auf Familiennachzug gestellt hätten, sei bei der Kreisverwaltung nicht bekannt und nicht Gegenstand der Nachforschung. Dieser müsse bei der Deutschen Botschaft, situiert in einem der Nachbarländer Afghanistans, beantragt werden.
Die Suche geht weiter
Beumker betont, dass der Landkreis Cloppenburg zwar Hilfe zur Erziehung für die Kinder gewähre. Deren Vormundschaft habe er jedoch nicht. Das Amtsgericht Cloppenburg habe diese eingerichtet, nicht mit einer „natürlichen Person“, wie es im Amtsdeutsch heißt, sondern eine Einrichtung ist Vormund der beiden Jungen.
Hilfe zur Erziehung bedeute, dass der Landkreis Cloppenburg die Kinder in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe unterbringt und sie pädagogisch begleitet. „Noch in der vergangenen Woche hat die pädagogische Fachkraft des Jugendamtes des Landkreises Cloppenburg die Kinder in der Wohngruppe in Barßel besucht“, betont der Kreissprecher. Die Kosten der Unterbringung einschließlich eines Krankenversicherungsschutzes und eines Taschengeldes würden vom Landkreis Cloppenburg bezahlt.
Vielleicht nahm ein Onkel die Kinder mit
Zu dem Onkel, der die Kinder begleitet haben soll, äußert sich der Kreissprecher nur dahingehend, dass dieser nicht im Kreisgebiet lebe. Die Polizei hatte nicht ausgeschlossen, dass Verwandte die Kinder mitgenommen haben. Die Suche den beiden geht weiter.