Osnabrück Kai Pröger hatte beim VfL Osnabrück keinen leichten Start – ist nun der Knoten geplatzt?
Nach seinem Transfer im Sommer hatte Kai Pröger beim VfL Osnabrück keinen leichten Start. Nun hat er sein erstes Tor erzielt – eine „große Erleichterung“, wie der 33-Jährige selbst sagt. Ist nun der Knoten geplatzt?
Für den Ausgang des Spiels war das 3:0 durch Kai Pröger am Samstag kein entscheidendes Tor. Rot-Weiss Essen war mit dem Zwei-Tore-Rückstand kurz vor Schluss ohnehin schon geschlagen. Es war vielmehr die Kirsche, die der 33-Jährige der Torte namens Heimsieg aufsetzte. Für Pröger selbst war sein erstes Tor für den VfL Osnabrück aber eben doch mehr: eine Erlösung.
Das merkte man dem Offensivspieler an, der vor der Ostkurve jubelnd abdrehte, die Faust ballte, seine Freude – und vielleicht auch den Frust der letzten Monate – herausschrie. Lange hatte er auf solch einen Moment im Osnabrücker Trikot warten müssen. Nun war der Knoten endlich geplatzt. Zuvor hatte ihn Robin Fabinski freigespielt. Pröger dribbelte auf Tobias Kraulich zu, schlug einen schnellen Haken und nagelte den Ball unter die Latte.
„Es war eine große Erleichterung, das kann man sagen“, bestätigt Pröger. Man wartet immer auf sein erstes Tor. Ich habe oft hintenraus ein paar Minuten gespielt und dann kommt man nicht immer in die Situationen. Ich bin sehr froh, dass es jetzt geklappt hat.“ Der doch recht emotionale Jubel vor der Ostkurve war für ihn selbstverständlich – obwohl es gegen seinen Ex-Club ging, mit dem er positive Erinnerungen verbindet. Von 2017 bis Ende 2018 spielte Pröger in Essen und erzielte in 50 Regionalliga-Spielen 15 Tore. „Wenn das Tor in Essen gefallen wäre, hätte ich nicht gejubelt. Ich habe mich aber einfach für mich und uns gefreut, dass ich getroffen habe.“
Seit seinem Wechsel aus Regensburg nach Osnabrück im Sommer sammelte er 17 Einsätze in lila-weiß, erst zwei davon in der Startelf. Eine dürftige Bilanz für den 31-fachen Bundesliga- und 160-fachen Zweitliga-Spieler, der vor der Saison als Transfer mit dem größten Namen galt. Joe Enochs, der neue Direktor Fußball, kannte Pröger, er trainierte ihn in Regensburg. Und er setzte auf ihn als wertvollen Teil der Offensive, der auch die rechte Schienenposition bekleiden kann. Die anfangs in ihn gesetzten Erwartungen erfüllte Pröger aber bislang kaum.
In der Sommervorbereitung fehlte die hundertprozentige Fitness, bis in den Herbst hatte er mit kleineren Blessuren zu kämpfen. Den Rückstand holte der erfahrenste Offensivspieler im Kader nur schleppend auf – und die Konkurrenz machte ihre Sache weitestgehend ordentlich. So blieben für Pröger hauptsächlich Kurzeinsätze. 319 Minuten spielte er in der 3. Liga bislang nur. Weniger haben, von den Spielern, die die ganze Saison im VfL-Kader standen, nur Robert Tesche (17), Bernd Riesselmann (228) und Luc Ihorst (307). Dabei spielte Pröger oft auch „nur“ auf der „Schiene“, wo er schon in Regensburg – unter Trainer Enochs – öfter auflief.
Gegen Rostock in der Vorwoche und nun gegen Essen durfte er weiter vorne in der Dreier-Offensive ran. „Ich bin an sich ein Offensivspieler und würde mich immer für eine vordere Position entscheiden, wenn ich es mir aussuchen kann“, erklärt Pröger. „Ich bin immer auf Tore aus, aber die Schienenposition macht mir auch Spaß.“
Der Spaß ist generell ein Thema: Pröger ist ein Instinktfußballer, der sich nach oben gearbeitet hat. Ein Nachwuchsleistungszentrum besuchte er nie, kickte in seinem ersten Seniorenjahr noch in der Bezirksliga und hat eine Ausbildung als Konstruktionsmechaniker abgeschlossen. Er braucht das Vertrauen in sich, von der Mannschaft und dem Trainer. Das spürt er nach langen Monaten mit wenig Spielzeit wieder, weil er selbst hart daran gearbeitet hat. „Der Spaß kommt zurück, wenn man merkt, dass das etwas bringt, man mehr Minuten auf dem Platz bekommt. Das Spiel in Rostock war für mich extrem wichtig fürs Spielgefühl und die Spielfitness. Es fühlt sich jetzt alles gut und richtig an“, sagt Pröger.
Letzteres gilt ganz generell auch für die Mannschaft des VfL, mit der der 33-Jährige große Ziele hat. „Klar, wenn man zu diesem Zeitpunkt so weit oben steht, wäre es gelogen zu sagen, dass man nicht aufsteigen will“, sagt er. „Dafür arbeiten wir schon die ganze Saison. Unsere Chancen aufzusteigen sind gut.“ Und er muss es wissen, schließlich hat Pröger Aufstiegserfahrung: 2019 ging es unter Trainer Steffen Baumgart und Assistent Daniel Scherning in die Bundesliga. Pröger wird übrigens am 15. Mai 34 Jahre alt. Die Party würde er sicher gerne um einen Tag verlegen. Dann steigt nämlich der letzte Drittliga-Spieltag.