Strom- und Gasversorgung Auricherin wurde monatelang von Energieanbietern hängengelassen
Michaela Raum (54) will ihren Anbieter wechseln. Sie kämpft seit August mit abgelehnten Anfragen, Hotline-Frust und Sorge vor Schulden bei der EWE. Diese spricht von seltenen Prozessproblemen.
Aurich - Michaela Raum ist verzweifelt. Seit mehr als einem halben Jahr versucht die 54-Jährige, ihren Energieanbieter zu wechseln. Sie ist in der Grundversorgung der EWE, möchte aber zu Eprimo wechseln. Das sei ihr zufolge wesentlich günstiger. Seit August 2025 ist sie als Mieterin in Aurich gemeldet. In der Wohnung lebte Raum schon zuvor jahrelang mit ihren beiden Söhnen. Einer von ihnen, Dominik Schaalk (31), war bis zum vergangenen Sommer als Mieter der Wohnung gemeldet. Er ist dann jedoch mit seiner Freundin nach oben in den ersten Stock gezogen. Michaela Raum blieb in der Wohnung und wurde offizielle Mieterin. Als Schaalk noch im Erdgeschoss gemeldet war, bezog die Familie bereits Strom und Gas vom Energieanbieter Eprimo. Dadurch, dass die in der Grundversorgung der EWE festhängt, hat Raum nun Angst, in Verschuldung zu geraten.
Mit dem Umzug begannen die Probleme. Die Vermieter der beiden Wohnungen sind bei der EWE. Der Energieversorger scheine angenommen zu haben, dass die Wohnung leer stehe, so Raum. Deshalb berechne die EWE die Stromkosten auf Basis der Preise aus der Grundversorgung. Bei ihren Versuchen, das Problem bei den Hotlines der EWE anzusprechen, gebe es bisher kein Durchkommen, berichten Raum und ihr Sohn. Es werde teilweise einfach mitten im Gespräch aufgelegt. Sie hätten sich gefragt, ob die Gesprächsabbrüche an einer schlechten Verbindung liegen könnten, sagt der Sohn. Doch ihr Anbieter Vodafone habe bestätigt, dass die Telefonate seitens der EWE beendet worden seien. „Das ist unmöglich“, so Schaalk. Außerdem habe ein Bekannter von ihm, der bei der EWE arbeitet, sich den Vorgang angeschaut und bestätigt, dass seine Mutter alles richtig gemacht hätte, behauptet ihr Sohn.
Probleme bei der EWE
Die EWE schlüsselt auf mehrfache Anfragen dieser Redaktion nicht genau auf, warum Raum ihren Anbieterwechsel nicht vollziehen konnte. „Im vorliegenden Einzelfall ist es bedauerlicherweise im Rahmen der Marktkommunikation zu prozessualen Unstimmigkeiten gekommen, die dazu geführt haben, dass der Wechsel bislang nicht vollständig umgesetzt wurde“, schreibt Pressesprecher Dietmar Bücker. „Solche Konstellationen sind sehr selten, können aber beispielsweise durch fehlerhafte oder nicht eindeutig zuordenbare Daten entstehen“, schreibt Bücker.
„Nicht eindeutig zuordenbare Daten“ scheinen tatsächlich ein Problem in Michaela Raums Fall darzustellen. Die Zähler in dem Haus sind vergangenes Jahr erneuert worden, berichtet Vermieter Werner Manott. Eine Aufteilung des Gebäudes in Wohnraum der Vermieter und die Hausnummern A und B für die beiden vermieteten Wohnungen sei der EWE jedoch nicht bekannt, habe die EWE ihr mitgeteilt, sagt die 54-Jährige. Laut einer von Eprimo erstellten Liste, die der Redaktion vorliegt, stellte der Energieanbieter in der Zeit vom 27. Oktober 2025 bis 26. Januar 2026 insgesamt 22 Anfragen für den Anbieterwechsel bei der EWE. Jede einzelne wurde abgelehnt. Einen ersichtlichen Grund gibt es in den Stellungnahmen der EWE dafür nicht. Auch in der Liste stehen keine Angaben. Ob Eprimo von der EWE Gründe genannt bekam, ist unklar.
Probleme in einer schweren Zeit
Michaela Raum hat Angst. Angst vor Schulden. Denn sie ist im November arbeitslos geworden. In der Zwischenzeit hat sie eine Weiterbildung zur Buchhalterin gemacht - und auch bestanden. Währenddessen sei das Geld jedoch knapp gewesen. Ihr Sohn habe sie unterstützen müssen. „Ich versuche, an meiner Zukunft zu arbeiten“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Sie hoffe, dass die zu leistenden Zahlungen an die EWE nicht allzu hoch sein werden.
Und so mag es auch kommen: Es sei vorgesehen, dass Michaela Raum rückwirkend zum 7. November Kundin bei ihrem Wunschlieferanten werden soll, teilt die EWE auf erneute Anfrage der Redaktion schlussendlich mit. Dazu stehe EWE-Netz mit Eprimo im Austausch. Der Anbieter müsse lediglich noch eine neue Anmeldung für Michaela Raum schicken. So richtig glücklich ist Raum mit der neuen Situation jedoch nicht. „Ich bin noch misstrauisch und muss abwarten. Damit kann ich nicht so gut umgehen. Ich will mich noch nicht freuen, weil ich nicht glauben kann, dass die das jetzt hinbekommen“, schreibt sie auf die neue Aussage der EWE.