Osnabrück Gymnasium „In der Wüste“ im Finale von EU-weitem Wettbewerb: So haben sie es geschafft
Am Gymnasium „In der Wüste“ in Osnabrück ist aus einem ganz praktischen Schulproblem eine neue Idee entstanden. Mit diesem Projekt hat es die Schule nun bis in das Finale eines europaweiten Wettbewerbs geschafft. Ihre Idee soll Schülern, die sich über den Lehrplan hinaus engagieren, die Jobsuche erleichtern.
Wenn am Ende eines Schuljahres die Zeugnisse vorbereitet werden, stapeln sich am Osnabrücker Gymnasium „In der Wüste“ nicht nur Notenlisten. Auch alle Nachweise über Wettbewerbe, Kurse oder ehrenamtliches Engagement müssen gesichtet, geprüft und zugeordnet werden. Von Mathe-Olympiade bis Jagdschein für rund 1.200 Schüler. „Das war irgendwann kaum noch zu bewältigen“, erinnert sich Lehrerin Juliane Runde. Aus genau diesem Schulalltag heraus entstand die Idee für ein Projekt, das es jetzt bis ins Finale eine großen europaweiten Wettbewerbs geschafft hat.
„EduWallet“ heißt die Idee, „DigiEduHack“ der Wettbewerb. Bei dem werden neue und praktische Lösungen für Schule und Lernen gesucht. Veranstaltet wird er von der Europäischen Komission. In einer finalen öffentlichen Abstimmung wird nun über die vier Sieger entschieden. Diese werden bei der Preisverleihung in Brüssel ausgezeichnet und können unter anderem einen fünftägigen Interrail Pass gewinnen.
Was genau ist EduWallet? Am Gymnasium lernen täglich Hunderte Schüler. Viele von ihnen engagieren sich über den schulischen Unterricht hinaus. All diese Leistungen wurden bislang gesammelt und von Hand dokumentiert.
„Der Arbeitsaufwand ist so groß geworden, dass die bisherigen Verfahren nicht mehr ausgereicht haben“, sagt Juliane Runde vom Gymnasium in der Wüste. Gleichzeitig habe sich gezeigt, wie wichtig diese Nachweise für die Jugendlichen seien. „Bei Bewerbungen hatten sie dadurch echte Vorteile“ – vor allem bei der Jobsuche.
EduWallet soll diese Zettelwirtschaft ersetzen. Die Idee: eine digitale Sammelmappe, in der alle wichtigen Bescheinigungen an einem Ort gespeichert werden. Die Einträge sollen verifiziert werden, damit nur echte Nachweise aufgenommen werden.
„So hat man am Ende eine Wallet, die jederzeit abrufbar ist“, erklärt Schulleiter Nils Fischer. Schüler können später selbst auswählen, welche Nachweise sie etwa für eine Bewerbung nutzen möchten. Zusätzlich soll EduWallet dabei helfen, eigene Stärken in einem individuellen Kompetenzprofil sichtbar zu machen und Hinweise auf passende weitere Angebote zu geben.
Ausgearbeitet wurde das Projekt von Schule, Verwaltung und Civil Tech Hub, eine Schnittstelle zwischen Verwaltung und Start-up-Welt. Zwei Tage lang bastelten sie gemeinsam an Lösungen an zuvor definierten Problemen im Bildungssektor, in einem sogenannten Hackathon. Initiiert wurde das Treffen von Stefan Muhle vom Civil Tech Hub, dem die aktive Arbeit an „unglaublich guten Ideen, die bei solchen Formaten entstehen“, sehr am Herzen liegt.
Die Jury des DigiEduHack nahm das Osnabrücker Projekt schließlich in die Gruppe der zwölf Besten auf.
Für die Beteiligten ist EduWallet mehr als eine technische Lösung. „Lernen endet nicht mit der Schule“, sagt Fischer. Schule könne vielmehr der Knotenpunkt eines Netzwerks für außerschulisches Lernen sein. Muhle ergänzt: „Überall gibt es gute Ideen. Man muss sie nur zusammenbringen“. Für das Team ist klar: ihre Idee soll Realität werden – unabhängig vom Ausgang des Wettbewerbs.