Osnabrück  Osnabrücker DRK-Affäre: Offenbar Dutzende privater Amazon-Käufe auf Kosten des Verbandes

Markus Pöhlking
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Von Markus Pöhlking
| 23.02.2026 17:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Der vormalige Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Osnabrück wickelte offenbar Dutzende privater Amazon-Käufe über ein DRK-Konto ab. Im Rahmen eines Kündigungsstreits beschuldigt der Kreisverband Osnabrück ihn zudem der Urkundenfälschung.

Tätigte der vormalige Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Osnabrück-Stadt bei Amazon Privatkäufe auf Kosten des Vereins? Diese Vorwürfe kamen zumindest am Montag bei einer Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Osnabrück zur Sprache. Der geschasste Geschäftsführer hatte dort gegen seine Kündigung durch den Verband geklagt. Der lehnte die Möglichkeit einer gütlichen Einigung ab.

Es ist das nächste Mosaiksteinchen in der umfassenden Affäre, die sowohl den Kreisverband DRK Osnabrück-Stadt als auch den Verein in Melle betrifft. Im Mittelpunkt steht ein 36-Jähriger, der beim Verband in Melle als Buchhalter arbeitete und der in Osnabrück 2022 zum Geschäftsführer avancierte. In beiden Funktionen soll der Mann erheblichen Schaden, mutmaßlich auch Straftaten, zu verantworten haben – die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Vorwürfe gegen den Mann, der im Spätjahr 2025 beide Posten durch fristlose Kündigungen verlor, sind offenbar umfassend und erheblich.

Gegen die fristlosen Kündigungen aus Osnabrück und Melle klagt der Mann vor dem Arbeitsgericht Osnabrück. Bei dem Gütetermin am Montag verwies der Vertreter des DRK-Kreisverbandes Osnabrück-Stadt auf Erkenntnisse, deretwegen die Entlassung gerechtfertigt sei: So soll der vormalige Geschäftsführer in einem mutmaßlich privaten Amazon-Konto den DRK-Verband als Rechnungsempfänger hinterlegt haben. In der Folge bestellte er demnach mindestens 50 Artikel, für die das DRK keinen Bedarf hatte. Die Zustellung soll teils an die Privatadresse des 36-Jährigen erfolgt sein. Details dazu kamen bei dem Gütetermin nicht zur Sprache.

Der Kreisverband bezichtigte seinen vormaligen Geschäftsführer zudem, für mehrere Fälle von Urkundenfälschung verantwortlich zu sein. Angesichts der schwerwiegenden Vorwürfe sehe das DRK keinen Spielraum für eine gütliche Einigung in dem Arbeitsrechtstreit. Für den wird das Gericht nun einen Kammertermin anberaumen.

Vor gut zwei Wochen war bereits ein Gütetermin zwischen dem Kreisverband Melle und dem 36-Jährigen geplatzt. Dort kam zur Sprache, dass der Mann in seiner Rolle als Buchhalter Gelder des Meller Verbandes nach Osnabrück verschoben haben soll. Der Verband in Melle beschuldigt den Mann, insgesamt einen Schaden in sechsstelliger Höhe verursacht zu haben. Dazu soll er Dienstanweisungen gefälscht und IT-Systeme manipuliert haben.

Auch im Osnabrücker Fall dürften die Unregelmäßigkeiten und Verfehlungen wohl deutlich über den Rahmen der Amazon-Käufe hinausgehen. Der Kreisverband Osnabrück-Stadt hatte den 36-Jährigen Ende November 2025 zunächst mit sofortiger Wirkung freigestellt. Im Dezember stellte der Verband dann einen Insolvenzantrag und Strafanzeige.

Seither versuchen die Mitglieder des ehrenamtlichen Präsidiums und ein Insolvenzverwalter, den Umfang des Schadens zu taxieren, den der 36-Jährige verantwortet haben soll. Sie loten zudem aus, welche Perspektive der Verband und seine haupt- und ehrenamtlichen Kräfte haben. Mit einer Wasserstandsmeldung in der Angelegenheit dürfte in näherer Zukunft zu rechnen sein, hieß es am Rande des Gütetermins.

Dem hatten seitens des DRK mehrere Mitglieder des Präsidiums beigewohnt – unter anderem auch Präsident Michael Schneider. Der 54-Jährige war seit Bekanntwerden der Affäre öffentlich nicht in Erscheinung getreten. Aufgrund noch ungeklärter Fragen im Rahmen des Insolvenzerfahrens wolle er aktuell keinen Kommentar abgeben, erklärte er unserer Redaktion gegenüber. Er und die übrigen Präsidiumsmitglieder seien aber bestrebt, schnellstmöglich Transparenz herzustellen.

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