Osnabrück Sorge bleibt: Anwohner kritisieren Vollsperrung der Mindener Straße in Osnabrück
Die Mindener Straße ist eine der Haupteinfallstraßen Osnabrücks, eine Sanierung ist dringend nötig – und damit eine Vollsperrung. Die Anwohner befürchten große Belastungen und beharren auf einer anderen Lösung.
Die Mindener Straße muss saniert werden – darin sind sich alle einig. Doch die Vollsperrung, die das zur Folge hat, wollen die Lüstringer vermeiden. Da müsse es eine andere Lösung geben, fordern sie – zuletzt im Bürgerforum.
Für die Mindener Straße ist in drei Bauabschnitten eine Komplettsanierung geplant, für die Bauzeit sind insgesamt rund sieben Jahre angesetzt. Der erste Abschnitt soll im Juni dieses Jahres beginnen und zwei Jahre dauern: zwischen der Straße „Auf dem Winkel“ und der Einmündung des Stadtwegs. Die Umleitungsstrecke führt acht Kilometer lang über die Darumer Straße bis nach Belm und dann über die Belmer Straße. Lastwagen sollen über die Autobahn umgeleitet werden.
Helmut Riecken vom Bürgerverein Darum-Gretesch-Lüstringen hatte das Thema in das Bürgerforum für diese Stadtteile und Voxtrup gebracht, das digital stattfand. Der Bürgerverein ist der Meinung, es gebe Alternativen zur Vollsperrung. Es müsste doch reichen, so Riecken, einen Bürgersteig auszuweisen und den Verkehr einspurig an der Baustelle vorbeizuführen, mit einer Baustellenampel. Nach seiner Rechnung habe man dann eine Fahrspur mit 2,30 Meter Breite. Die geplanten Kanalbauarbeiten unter dem Bürgersteig sollen ja nicht auf ganzer Länge durchgeführt werden.
Diese Frage sei schon oft mit den Anliegern besprochen worden, erwiderte René Bei der Sandwisch, Fachdienstleiter Verkehrsanlagen bei der Stadt: Der Platz reiche nicht aus für eine Fahrspur. Drei Meter seien nötig, um auch für Lkw und Busse befahrbar zu sein. Zudem gebe es arbeitsschutzrechtliche Vorgaben für die am Bau Beschäftigten, eine nur halbseitige Sperrung der Mindener Straße sei deshalb ausgeschlossen. Sonst riskiere man eine Stilllegung der Baustelle.
Riecken warf der Verwaltung vor, sich zu wenig Gedanken gemacht zu haben über Schleichwege, auch was die Kitas und Schulen angehe. Schon im Masterplan Mobilität von 2010 waren für die Mindener Straße 13.000 Fahrzeuge am Tag angegeben, bei der letzten Informationsveranstaltung sei gar von 15.000 die Rede gewesen. „Unfälle kann man vorhersehen“, meinte er. Viele Bürger befürchten, dass Autofahrer über den Schledehauser Weg ausweichen und den Weg nach Belm durch das Wohnviertel, in dem die Lüstringer Waldschule und Kitas liegen, abkürzen.
Anwohnerin Tanja Pfad forderte verlässliche Zahlen, möglichst eine Simulation. Die werde es demnächst geben, versicherte ihr René Bei der Sandwisch, ein Verkehrsmodell sei in Arbeit. Bis dahin arbeite man mit Bestandsdaten und Erfahrungswerten. Die Bauprojekte ähnlicher Dimension an der Vehrter und Rheiner Landstraße seien auf diese Weise umgesetzt worden.
Wenn schon die Vollsperrung unumgänglich ist, sei dann wenigstens die Bauzeit verkürzbar, fragte Helmut Riecken – und schlug Arbeiten im Mehrschicht-Rhythmus vor. Auch da sei schon vieles vorgesehen, so Bei der Sandwisch: Sechs-Tage-Wochen sind geplant, ein Bonus-Malus-System soll Anreize für schnelleres Vorankommen schaffen. Außerdem erfolge der Bau abschnittsweise.
„Die Betriebe an der Mindener Straße haben Existenzängste“, damit brachte Bernd Gerecht, ebenfalls im Bürgerverein aktiv, einen weiteren Aspekt in die Diskussion. Ihm fehlte die Auseinandersetzung mit den Anliegern, viele sorgten sich um ihre Erreichbarkeit während der Bauphase. Dirk Wordtmann, der an der Mindener Straße einen Betrieb führt, fühlt sich überhaupt nicht informiert. „Die Gewerbetreibenden sind nicht mit ins Boot genommen worden“, klagte er.
Dem widersprach Bürgermeisterin Birgit Strangmann, die das Bürgerforum leitete: Man habe „unendlich viele Gespräche mit Anwohnern und Firmen geführt“. Allen sei klar, dass das eine schwierige Zeit werde, aber: Es werde ja eine Verbesserung für den Stadtteil eintreten.
Auch Stadträtin Heike Pape erinnerte an den Grund der Arbeiten: Neben der neuen Fahrbahndecke werden ein neuer Abwasserkanal, Stromleitungen und nicht zuletzt ein Radweg gebaut. Sie unterstrich, dass alle Möglichkeiten ausgelotet worden seien: „An den Fakten können wir nichts ändern.“ Online informiert die Stadt über die geplanten Bauarbeiten.