AfD Proteste gegen Höcke-Reden in NRW - Machtkampf in der AfD

Marc Herwig, dpa
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Von Marc Herwig, dpa
| 23.02.2026 07:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch mit einer Anti-AfD-Plastik des Düsseldorfer Karnevalswagenbauers Jacques Tilly wurde im Stadtteil Garath gegen einen Auftritt des Thüringer AfD-Landesparteichefs Björn Höcke demonstriert. Foto: Federico Gambarini
Auch mit einer Anti-AfD-Plastik des Düsseldorfer Karnevalswagenbauers Jacques Tilly wurde im Stadtteil Garath gegen einen Auftritt des Thüringer AfD-Landesparteichefs Björn Höcke demonstriert. Foto: Federico Gambarini
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Begleitet von Protesten reist AfD-Politiker Höcke durch NRW. Das stärkt den rechten Flügel der nordrhein-westfälischen AfD - und das kurz vor einem womöglich richtungsweisenden Landesparteitag.

Nach Protesten am Wochenende sind am Abend in Nordrhein-Westfalen erneut Tausende Menschen gegen den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke auf die Straße gegangen. Vor einem geplanten Auftritt Höckes in Düsseldorf versammelten sich nach Polizeiangaben mehrere tausend Demonstranten. 

Höcke ist kurz vor einem womöglich richtungsweisenden Landesparteitag der nordrhein-westfälischen AfD derzeit auf Tour durch das größte Bundesland. Am Sonntag hatte er sich mit AfD-Politikern an den Externsteinen im Teutoburger Wald getroffen und anschließend eine Rede beim AfD-Neujahrsempfang im Dortmunder Rathaus gehalten. 3.300 Menschen hatten dort laut Polizei auf dem Friedensplatz gegen den Auftritt protestiert.

Die Auftritte des AfD-Rechtsaußen Höcke werden von vielen als Signal in den AfD-Landesverband wahrgenommen. Denn dort tobt vor dem Landesparteitag am 7. und 8. März ein Richtungskampf. Der als gemäßigt geltende amtierende Landeschef Martin Vincentz bekommt zwei Gegenkandidaten, die vor allem vom rechten Parteiflügel unterstützt werden: Die beiden Bundestagsabgeordneten Christian Zaum und Fabian Jacobi haben angekündigt, als Doppelspitze gegen Vincentz anzutreten.

Die Polizei sicherte die Veranstaltung in Dortmund mit starken Kräften ab. Foto: Benjamin Westhoff/dpa
Die Polizei sicherte die Veranstaltung in Dortmund mit starken Kräften ab. Foto: Benjamin Westhoff/dpa

Der „Zweitgefährlichste Geschichtslehrer“ nach Höcke

Zaum, der als Lehrer an einem Gymnasium gearbeitet hat, begleitete Höcke bei seinen Terminen am Sonntag. In seiner Rede beim AfD-Empfang in Dortmund bezeichnete sich Zaum nach übereinstimmenden Berichten von „WAZ“ und „Ruhr-Nachrichten“ als der „zweitgefährlichste Geschichtslehrer Deutschlands“ nach Höcke.

Ebenfalls auf der Liste der Redner in Dortmund: der nach wie vor einflussreiche Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich. Der Landesverband um Vincentz hatte lange versucht, Helferich aus allen Parteiämtern zu drängen. Im Sommer 2025 wurde er schließlich in erster Instanz aus der AfD ausgeschlossen. In einem Antrag an das Landesschiedsgericht hieß es, Helferich habe grundgesetzwidrig „die Außerlandesbringung von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund und weiteren Personenkategorien unter Anwendung staatlicher Zwangsmittel als politische Zielsetzung artikuliert“. Helferich geht allerdings weiter juristisch gegen dieses Urteil vor und bemängelt Rechtsfehler.

Redner werden beim Neujahresempfang gefeiert

Das Lager der AfD-Rechten bekommt nun Unterstützung von Höcke, der zweimal wegen der Verwendung einer verbotenen Nazi-Parole rechtskräftig verurteilt wurde. In Thüringen wird die von ihm geführte AfD zudem vom dortigen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.

Alle Redner wurden bei dem Neujahrsempfang der Dortmunder AfD-Fraktion gefeiert, wie auf Videos der Veranstaltung zu sehen ist. Das sendet auch ein Signal in Richtung Landesparteitag. Denn laut „Süddeutscher Zeitung“ haben beide Seiten derzeit fast gleich viele Unterstützer unter den 500 Delegierten. Die Richtungs-Wahl am 7. und 8. März könnte also ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden.

AfD-Besuch an den Externsteinen

Einige Symbolik hat auch ein Besuch von Höcke am Sonntagmittag an den Externsteinen im Teutoburger Wald. Der Thüringer Landesparteichef hatte sich dort mit mehreren nordrhein-westfälischen AfD-Politikern getroffen. Eigentlich war laut Polizei ein Besuch am Hermannsdenkmal geplant. Dort hatten sich aber rund 350 Gegendemonstranten versammelt. Höcke war mit seinem Besuchsprogramm dann kurzfristig auf die nahegelegenen Externsteine ausgewichen.

An den Externsteinen im Teutoburger Wald hatte sich Höcke mit nordrhein-westfälischen AfD-Politikern getroffen. Foto: Max Lametz/dpa
An den Externsteinen im Teutoburger Wald hatte sich Höcke mit nordrhein-westfälischen AfD-Politikern getroffen. Foto: Max Lametz/dpa

Sowohl das Hermannsdenkmal als auch die Externsteine bekamen im Nationalsozialismus eine propagandistische Bedeutung - und spielen für rechtsextreme Kreise bis heute als Kultort eine besondere Rolle. Der Landesverband Lippe als Betreiber der beiden Ausflugsziele kämpft seit Jahren gegen die Vereinnahmung der Orte durch Rechtsextreme.

Düsseldorfer Stadtteil mit vielen AfD-Wählern

Am Montagabend wollte der 53-jährige Thüringer Landesparteichef nun auf Einladung des Düsseldorfer AfD-Kreisverbands eine Rede im Stadtteil Garath halten. Dort hatte die AfD bei den Kommunalwahlen im vergangenen Herbst einen Spitzenwert von rund 32 Prozent erzielt.

Drei Bündnisse meldeten bei der Polizei Protestaktionen an. Bei der ersten Demo unter dem Motto „Garath tolerant und weltoffen“ seien schätzungsweise 3.000 Menschen losgelaufen, sagte ein Polizeisprecher. Später startete die Aktion „Düsseldorf stellt sich quer“, bei der die Polizei zunächst von 4.000 Teilnehmern sprach. Eine weitere Demo war geplant.

Die Demo-Teilnehmer skandierten lautstark: „Gegen den Faschismus“. Auf Transparenten standen Slogans wie „Wir alle sind die wehrhafte Demokratie“, „Rote Karte für Nazis“ oder „Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hat“. 

Die Polizei berichtete, dass eine Gruppe von Demonstranten in unmittelbarer Nähe des AfD-Veranstaltungsortes versuchte, eine Absperrung zu durchbrechen. Das sei ihnen nicht gelungen. Es sei niemand verletzt worden.

Vor dem Veranstaltungsort wurde auch ein Anti-AfD-Wagen des Düsseldorfer Künstlers Jacques Tilly aufgefahren. Darauf zu sehen: ein großer bunter Fisch mit der Aufschrift „Wir sind mehr!“, der einen kleineren mit der Aufschrift „Wir sind das Volk!“ frisst.

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