Osnabrück  VfL Osnabrück: Warum der Sieg im Topduell gegen RW Essen so wichtig war

Susanne Fetter, Moritz Büscher
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Von Susanne Fetter, Moritz Büscher
| 22.02.2026 19:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Jubel vor den Fans: Torschütze Ismail Badjie, Lars Kehl und Frederick Christensen freuen sich über das 1:0. Foto: Helmut Kemme
Jubel vor den Fans: Torschütze Ismail Badjie, Lars Kehl und Frederick Christensen freuen sich über das 1:0. Foto: Helmut Kemme
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Der VfL Osnabrück hat das Topduell gegen RW Essen mit 3:0 gewonnen und setzt sich an der Tabellenspitze fest. Wieso der Sieg so wichtig war und was die Lila-Weißen aktuell so erfolgreich macht.

„Verdient, aber zu hoch“, sagte Timo Schultz nach dem 3:0 des VfL Osnabrück gegen RW Essen. Die Analyse des Trainers fiel knapp aus. Ein Lächeln hatte er dennoch auf den Lippen. Wieso auch nicht, seine Mannschaft hat sich im Topduell durchgesetzt. Solche Siege geben zwar auch nur drei Punkte, aber irgendwie zählen sie trotzdem mehr.

Eng geht es zu an der Tabellenspitze der 3. Fußball-Liga. Nur fünf Zähler trennten vor dem Spieltag die ersten sieben Mannschaften. Mit dem Sieg gegen Essen setzten sich die Osnabrücker nicht nur oben fest, sie distanzierten auch noch den direkten Konkurrenten, der bis dato mit ihnen punktgleich war. Dazu verloren auch die Konkurrenten aus Verl (1:3 in Aachen), Wiesbaden (1:2 in Regensburg) und Rostock (0:1 bei 1860 München).

Gegen Teams aus den Top sieben hatte der VfL bis Samstag in acht Spielen erst einmal gewonnen – mit 1:0 bei Energie Cottbus. Dazu gab es vier Unentschieden. Die Partien fanden überwiegend in der Hinrunde statt, in denen der VfL auswärts oft glänzte, daheim aber nicht immer Leistung in Punkte ummünzen konnte, wie beim 0:1 gegen Wiesbaden, oder sich die Punkte mühsam erarbeitete.

Seit dem Winter klappt es auch zu Hause. Wieso? „Kann ich nicht beantworten“, sagt Schultz. Und wahrscheinlich stimmt das sogar. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einfach passen müssen, damit Veränderungen sichtbar werden.

Wer genau hinsah beim 3:0 gegen RW Essen, der konnte sie erkennen, die Faktoren, die den VfL derzeit so erfolgreich machen. Da ist einmal die Ruhe, mit der alle arbeiten – neben und auf dem Rasen. Der VfL ist eine Mannschaft ohne große Lautsprecher. Robin Meißner, Bjarke Jacobsen oder Jannik Müller gehen dennoch voran: leise, unauffällig und trotzdem eindrücklich.

Und dann wäre da noch das Vertrauen der sportlich Verantwortlichen in die Mannschaft. Dass es groß ist, sah man im Winter, wo einzig Julian Kania verpflichtet wurde. Dass die Leihe aus Bielefeld gegen Essen erst spät ins Spiel kam, liegt daran, dass andere derzeit besser funktionieren. Kein großes Thema, abgeschrieben ist Kania deshalb noch lange nicht.

Bestes Beispiel: Kai Pröger. Der Neuzugang kam im Sommer mit Trainingsrückstand und musste sich trotz seiner Vita hinten anstellen. In der Rückrunde steht er dauerhaft im Kader und kommt regelmäßig zum Einsatz. In Rostock lief er in der Startelf auf, gegen Essen kam er in der 63. Minute und traf in der Nachspielzeit.

Für ihn vom Feld ging Ismail Badjie. Der talentierte Offensivmann aus dem eigenen Nachwuchs hatte zuvor sein fünftes Saisontor erzielt. Viermal hatte er als Joker getroffen, dreimal davon machte er das 1:0 – gegen Essen erstmals als Startspieler. Trotzdem schlug der „Badjie-Effekt“ zu: Trifft der 20-Jährige, hat der VfL in dieser Saison immer gewonnen.

Das lag auch an einer erneut starken Defensive, die weiter wichtig ist für das Spiel der Osnabrücker – und die auch oft steht, obwohl der VfL mehr ins Risiko geht als in der Hinrunde und Schultz häufiger den offensivstärkeren Profis wie Badjie, Kevin Wiethaup oder Tony Lesueur den Vorzug gibt. Trotzdem spielte der VfL gegen Essen das dreizehnte Spiel zu Null – auch wenn er vor allem bei den Standards Glück hatte oder einen starken Torwart. Lukas Jonsson, gegen Ende der Hinrunde, als die Osnabrücker in vier Spielen zehn Gegentore kassierten, durchaus in der Kritik, parierte gegen Essen dreimal überragend.

Die Dreierkette mit Robin Fabinski, Niklas Wiemann und Abwehrchef Jannik Müller räumt nicht nur ab, sondern schaltete sich auch immer mehr in den Spielaufbau und das Offensivspiel ein. Der Lohn: Müller traf zum 2:0. Es war sein erstes Tor an der Bremer Brücke. Und im Gegensatz zu seinem Trainer hatte er eine Vermutung, wieso es plötzlich auch zu Hause klappt. „Wir sind effektiver geworden. Wenn man in der Hinrunde mit Verantwortlichen anderer Vereine gesprochen hat, hat man gehört, dass wir ekelhaft zu bespielen sind. Wenn jetzt der Killerinstinkt hinzukommt, wird es umso schwieriger“, sagt er.

26 Tore hat der VfL in den 19 Spielen der Hinrunde erzielt. In bisher sechs Rückrundenpartien sind es zwölf. Vieles hängt weiter an Robin Meißner, dem Dreh- und Angelpunkt des Osnabrücker Angriffs – doch nicht nur. Auch das war eine wichtige Erkenntnis dieser Partie.

Zu guter Letzt wäre da noch die Ausgeglichenheit des Kaders. Neben einer wichtigen Achse aus Jonsson, Müller, Jacobsen, Kehl, Kammerbauer und Meißner lässt Schultz viel rotieren. So standen gegen Essen neben dem zuvor verletzten Jacobsen mit Fabinski, Christensen und Badjie drei weitere Spieler in der Startelf, die in Rostock noch von der Bank gekommen waren. Der Trainer entscheidet nach dem Leistungsprinzip und nach den Stärken und Schwächen des Gegners. Ein Fakt, der dem VfL gerade in der anstehenden Englischen Woche mit Spielen in Aue, gegen Viktoria Köln und in Regensburg noch zugute kommen kann.

Auch deshalb setzte der VfL am Tag nach dem Sieg gegen Essen ein Testspiel an. In Nordhorn traten die, die gegen Essen nicht im Kader standen oder nur kurz zum Einsatz gekommen waren, gegen Regionalligist Jeddeloh II an und unterlagen trotz eines Treffers von Bernd Riesselmann 1:2.

Auch wenn kein Spieler wirklich herausstach und sich für einen Einsatz in Aue aufdrängte, eine Erkenntnis brachte auch diese Partie: Nach einer eher schwachen ersten Halbzeit hatte der VfL nach der Pause eine starke Phase. War der Trainer in der Kabine laut geworden? „Nein“, sagt Schultz und fügt an: „Das haben die Jungs untereinander geregelt, die waren ja auch nicht zufrieden.“ Noch so ein Punkt, der bei den Osnabrückern gerade funktioniert – auch wenn am Ende nicht immer ein Sieg steht. Hier ist eine Mannschaft gewachsen, in der es eine klare Aufgabenverteilung gibt, Verantwortung übernommen wird und auch an einem Tag nach dem höchsten Heimsieg der Saison weiter gearbeitet wird.

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