Osnabrück Starke Teamleistung des VfL Osnabrück: defensiv gewohnt sicher und vorne nun auch abgebrüht
Der 3:0-Heimsieg gegen den direkten Konkurrenten Rot-Weiss Essen im Kampf um die vorderen Plätze in der 3. Liga zählt zu den besten Saisonleistungen des VfL Osnabrück. Bei einer geschlossenen Mannschaftsleistung stand hinten zum 13. Mal die Null, vorne bestach der VfL durch Effizienz – auch dank zweier Torpremieren. Die Einzelkritik.
#24 Jannik Müller: Erfüllte hinten in gewohnter Manier zuverlässig seine Aufgabe und traf sogar vorne zum zwischenzeitlichen 2:0 – sein erstes Tor an der Bremer Brücke. Spekulierte Kraulichs unzureichende Klärungsaktion richtig und schweißte den Ball mit einem satten Rechtsschuss links oben ins Eck. Köpfte in der kurzen Essener Drangphase in Halbzeit eins den ein oder anderen Flankenball raus und behielt auch in direkten Duellen die Oberhand. Antizipierte lange Bälle hinter die Kette und holte sich so die entscheidenden Meter Vorsprung, um die schnellen Essener Ramien Safi und Dickson Abiama clever abzulaufen.
#21 Lukas Jonsson: Es war in dieser Saison eines seiner stärksten Spiele im VfL-Kasten. War auf der Hut, wenn sein Team kurz in Bedrängnis geriet. Strahlte beim Spielaufbau Ruhe aus, suchte immer wieder erfolgreich die spielerische Lösung oder spielte gezielte hohe Bälle auf Robin Meißner. Auf der Linie war er zum 13. Mal in der Spielzeit unüberwindbar: Lenkte den Kopfball von José-Enrique Rios Alonso aus Nahdistanz über die Latte, faustete die Bälle bei den nah aufs Tor gezogenen Ecken teilweise etwas unkonventionell, aber mit Erfolg weg und vereitelte zwei Chancen von Lucas Brumme: einmal per Fußabwehr und per Flugeinlage. Hielt am Ende sogar Müsels Schuss aus wenigen Metern fest.
#37 Ismail Badjie (bis 63.): Zahlte das Vertrauen von Trainer Schultz zurück und nutzte seinen Startelfeinsatz mit dem wichtigen 1:0 kurz vor der Pause – es war sein fünftes Saisontor, erstmals traf er nicht als Joker. Stand nach der Parade von Felix Wienand nach Robin Meißners Schuss goldrichtig und staubte ab. Prüfte den RWE-Schlussmann zuvor schon zweimal mit guten Abschlüssen. War sehr agil und stellte die Essener Defensive mit seinen Dribblings immer wieder vor Probleme.
#27 Robin Fabinski: Auch der junge Verteidiger rechts in der Dreierkette kam neu in die Startelf und überzeugte vollends. Musste zu Beginn nur einmal Safi im Laufduell ziehen lassen. War sonst sehr griffig und resolut in den Zweikämpfen, sicher im Passspiel und mit seinem Tempo ein wichtiger Anker in der VfL-Defensive. Sammelte seinen ersten Assist in der Saison, als er sich im Mittelfeld gegen mehrere Gegenspieler behauptete und Kai Pröger auf außen einsetzte.
#10 Kai Pröger (ab 63.): Hatte drei Minuten nach seiner Einwechslung die Chance zum Tor, traf jedoch den Ball nach Kammerbauer-Hereingabe nicht voll. Brachte sich sofort gut ins Spiel ein, ackerte auf der rechten Seite und holte die Ecke heraus, die zum 2:0 führen sollte. Belohnte seinen engagierten Auftritt mit dem 3:0, als er den Ball im Strafraum aus halbrechter Position mit voller Überzeugung unter die Latte wuchtete – sein erstes Tor für den VfL.
#11 Robin Meißner (bis 90.): Trug sich zwar nicht auf die Anzeigetafel ein, war aber ein ständiger Unruheherd und an vielen gefährlichen VfL-Angriffen beteiligt. Zeigte vor allem im Zusammenspiel mit Lars Kehl seine Spielfreude und Dynamik. Enteilte den RWE-Verteidigern das ein ums andere Mal und leitete so das 1:0 ein, als er auf links durchbrach und erst am Essener Schlussmann scheiterte anstatt Badjie zu bedienen. Ließ zwar seine Torchancen dieses Mal ungenutzt, bestätigte aber auch ohne Treffer seine beeindruckende Form im Jahr 2026.
#26 Fridolin Wagner (bis 90.): Spielt sich immer mehr im Mittelfeldzentrum des VfL fest, so auch gegen Essen. Agiert oft unauffälliger als seine Mitspieler, macht die einfachen Sachen als Stabilisator aber besonders gut: zweikampf- und laufstark, mit guter Übersicht und immer mehr auch mit offensiven Akzenten. Leitete das 1:0 durch ein gewonnenes Kopfballduell im Zentrum ein und stiftete durch starkes Nachsetzen auch beim 2:0 im Essener Strafraum Unruhe. Verpasste zu Beginn am ersten Pfosten mit seinem zu hoch angesetzten Kopfball die Führung, der auf dem Essener Tordach landete. Kam nur einmal gegen Safi mit seiner Grätsche zu spät und holte sich die siebte Gelbe Karte ab.
#18 Lars Kehl (bis 82.): Setzte immer wieder durch kluge Pässe und Flanken seine Mitspieler in Szene, gerade mit Meißner löste er durch kurze Doppelpässe Situationen auf engem Raum auf – eine direkte Torbeteiligung blieb ihm dieses Mal aber verwehrt. Hatte seine Füße beim 2:0 im Spiel, als er mit der nötigen Schärfe in den Strafraum flankte. Stellte seinen defensiven Wert für das Team durch viele Wege und gewonnene Zweikämpfe wieder unter Beweis.
#15 Bjarke Jacobsen: Spielte nach zwei Partien ohne Einsatz nun wieder so, als wäre er nie weg gewesen, auch wenn er offensiv dieses Mal keine Gefahr ausstrahlte. Hatte mit Wagner die Hoheit im Mittelfeld, ordnete seine Vorderleute und strahlte mit Ball viel Ruhe aus. Hatte zwar ein, zwei kleine Ungenauigkeiten im Spiel, sorgte aber Mitte der ersten Hälfte mit einem Kabinettstückchen für ein Raunen auf den Rängen, als er im Zentrum den Ball elegant mit der Hacke weiterleitete.
#3 Frederik Christensen (bis 90.): Der Däne ist auf der linken Schiene zurzeit am stabilsten, sowohl offensiv als auch defensiv. Gefiel hinten mit großer Verlässlichkeit und Zweikampfstärke und schaltete sich auch offensiv immer mal wieder mit Flankenläufen ein. Erhielt direkt zu Beginn Szenenapplaus, als er mit einem beherzten Einsteigen gegen Jannik Hofmann den Ball ins Aus klärte.
#25 Niklas Wiemann: Hatte gerade zu Beginn ein paar unglückliche Aktionen, zeigte dennoch eine ansprechende Vorstellung. Spielte ohne Not und Druck einen langen Ball in die Füße des Gegners. Verzeichnete bei der Ballannahme oder beim Dribbling ein, zwei Unsauberkeiten. Stabilisierte sich im Laufe des Spiels aber und sorgte mit dafür, dass hinten mal wieder die Null stand.
#31 Patrick Kammerbauer: Es war eines seiner unauffälligeren Spiele auf der rechten Schiene. Überzeugte aber mit sauberem Passspiel und schaltete sich auch offensiv mit ein, als er Pröger im Strafraum per Flachpass oder Kehl per Einwurf bediente. Fokussierte sich zunehmend darauf, seine defensive Aufgabe zu erfüllen – das gelang ihm überwiegend. Wenn Essen zu gefährlichen Vorstößen kam, dann jedoch über seine Seite. Ließ sich hin und wieder rauslocken und ermöglichte durch einen Stellungsfehler die größte Essener Chance, als er einen hohen Ball unterlief.
Nicht zu bewerten: #6 Bryan Henning (ab 82.), #8 Robert Tesche, #9 Julian Kania und #23 Tony Lesueur (ab 90.).