Osnabrück VfL-Torschütze Müller: Wenn jetzt noch der Killerinstinkt dazukommt...
Der VfL Osnabrück hat das Topspiel gegen Rot-Weiss Essen an der Bremer Brücke dank einer reifen Vorstellung mit 3:0 gewonnen und bleibt damit 2026 in der 3. Fußball-Liga weiter ungeschlagen. Kapitän Jannik Müller freute sich über den „Killerinstinkt“ seines Teams. Die Stimmen zum Spiel.
Kai Pröger (Offensivspieler und VfL-Torschütze zum 3:0): Es war über das ganze Spiel gesehen eine reife und kontrollierte Vorstellung. Wir haben verdient gewonnen. Essen hat es in der Anfangsphase gut gemacht und uns hinten reingeschnürt, da waren sie einen Tick besser im Spiel. Wir haben zu Hause schon mehrere gute Leistungen gezeigt, aber wenn man die Tore schießt, sieht das Ergebnis dementsprechend aus. Ich bin extrem froh, dass es mir gelungen ist, mein erstes Tor für den VfL zu schießen. Schlussendlich wurde ich dafür geholt. Ich bin froh, dass es geklappt hat und ich den Deckel draufmachen konnte. Rot-Weiss Essen und wir haben noch einige Spiele vor uns. Das war ein wichtiger Schritt von uns, aber das Spiel war nicht richtungsweisend für den Aufstieg.
Jannik Müller (Kapitän und VfL-Torschütze zum 2:0): Endlich habe ich jetzt auch mal zu Hause getroffen. Gegen Rostock hatte ich schon eine Chance: Da wurde mein flacher Schuss leider geblockt. Deswegen war jetzt das Ziel, den Ball hoch auf das Tor zu bringen. Dass der Ball so reingeht, ist umso schöner. In der ersten Halbzeit hatten wir kurz fünf Minuten, in denen ein Standard nach dem anderen reingeflogen ist. Da haben wir es auch mit etwas Glück auf der Linie verteidigt. Wir haben dann die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht. Am Ende hat Jonny (Anm. d Red., Lukas Jonsson) die Doppelchance überragend entschärft, den zweiten Schuss hat er sogar festgehalten. Bis auf die beiden Szenen war es ein verdienter Sieg gegen eine sehr gute Mannschaft. Der Unterschied zur Hinrunde ist, dass wir jetzt die Dinger machen und effektiver sind. In der Hinrunde waren wir in den Spielen am Drücker, aber die Tore sind nicht gefallen – das spielt uns jetzt in die Karten. Wir sind eine sehr gute Kontermannschaft, die die Räume gut bespielt. Dann kann so ein Spiel auch mal 3:0 ausgehen. Wenn man in der Hinrunde mit Verantwortlichen anderer Vereine gesprochen hat, hat man gehört, dass wir ekelhaft zu bespielen sind. Wenn jetzt der Killerinstinkt hinzukommt, wird es umso schwieriger. Das ist ein kleines Statement, aber das interessiert uns nicht – wir schauen auf uns. Jetzt gilt es, in Aue nachzulegen.
Bjarke Jacobsen (Startelfrückkehrer und Mittelfeldspieler des VfL Osnabrück): Es war schön, wieder auf dem Platz zu stehen – das habe ich vermisst. Die Verletzung ist wieder ausgeheilt, ich habe mich wohlgefühlt. Es war ein hart erkämpfter Sieg. Auf dem Platz ist es in der Jahreszeit schwierig, schönen Fußball zu spielen. Wir standen gut und waren in den Zweikämpfen griffig. Am Ende haben wir verdient gewonnen. Wir hatten einen überragenden Torwart, das entscheidet auch Spiele. Da hatten wir etwas Glück, obwohl es kein Glück ist, weil Lukas (Anm. d. Red., Jonsson) gut ist. Er hat uns sehr geholfen. Es waren drei Punkte gegen einen direkten Konkurrenten, aber es gibt noch so viele Spiele. Wenn wir das nächste Spiel nicht gewinnen, sieht es anders aus. Wir müssen in der Spur bleiben.
Uwe Koschinat, Trainer von RW Essen: Glückwunsch zu diesem hintenraus sehr deutlichen Sieg, der uns natürlich sehr weh tut. Wir haben am Ende das Spiel durch eine Art verloren, die mir sehr weh tut, die wir aber so anerkennen müssen. Das war ein unfassbar starker Kampf der Osnabrücker um zweite Bälle, währenddessen wir heute zum einen sehr große Probleme hatten in der einfachen Verarbeitung, Ball- und Mitnahme in vielen Situationen. Da hatte Osnabrück eine viel präzisere Art gehabt, in den Kombinationen das Spiel zu beschleunigen, Gegner zu überholen und in Überzahl für Torgefahr zu sorgen. Der zweite Faktor war der Kampf um zweite Bälle. Das hat heute den Unterschied gemacht. Wir hatten in der ersten Halbzeit zwei, drei gute Abschlussmöglichkeiten und waren sehr präsent bei Standardsituationen. Insofern hatte ich die große Hoffnung, dass wir in die Halbzeitpause mit einem 0:0 kommen. Dann passiert diese Eselei, dass wir bei einem eigenen Abschlag ausgekontert werden. Natürlich ist so ein 0:1 hier an der Brücke dann eine Bürde. In der zweiten Halbzeit gab es nochmal die Situation des Abseitstores und die Möglichkeit des Anschlusstreffers, wo Jonsson zweimal hervorragend hält. Aber in Summe muss man sagen, dass Osnabrück das Zentrum des Spiels beherrscht und gnadenlos ausgekontert hat. Osnabrück hat heute die richtigen Mittel gewählt und dann aus meiner Sicht dieses Spitzenspiel verdient gewonnen. Timo Schultz, Trainer des VfL Osnabrück: Sicherlich verdient gewonnen, aber zu hoch. Ich glaube, dass wir genug Phasen und Situationen im Spiel hatten, gerade die langen Einwürfe von Brumme, wo wir uns wirklich mit alle Mann reinschmeißen mussten. Dementsprechend hatten wir die ein oder andere glückliche Situation. Dass wir am Ende noch das dritte machen, war sicherlich dann ein bisschen zu hoch. Wieso es seit dem Winter auch zu Hause so gut läuft? Nein, das kann ich nicht erklären. Wir hatten auch in der Hinserie einige gute Spiele hier und verlieren dann durch einen Sonntagsschuss aus 40 Metern. Heute gewinnen wir ein eher ausgeglichenes mit 3:0. So läuft das dann.